Ich saß die Tage abends nach der Arbeit mit meinem Mann an der ToDo Liste um zu schauen, was wir noch machen müssen. Wohnung untervermietet? Check. Erste-Hilfe-Set auf den neuesten Stand gebracht? Check. Signalgruppe für unsere Base-Group? Check. Check, check, check. Es ist nichts mehr übrig. Kein „Ach stimmt, das fehlt ja noch“.
Der Moment, in dem es real wird
Wie merkwürdig, wir haben jetzt einfach alles gemacht. Bisher habe ich immer irgendein ToDo für mich mit genommen, jetzt bin ich fertig. Statt Freude übermannt mich aber gerade ein ganz anderes Gefühl: Irgendwas zwischen „ich bin aufgeregt“ und „ich weiß gerade nicht, wohin mit mir“, und ein Hauch von Verdrängung und „mache ich das wirklich?“. Jetzt kommt dieser merkwürdige Punkt vor einer langen Reise, zu dem man nur noch warten kann, dass es losgeht.
Das heißt jetzt vor allem: Abschied nehmen. Es ist keine Woche mehr. Der letzte Tag auf der Arbeit rückt näher.
Ich tausche ein Büroleben mit einem Teamscall nach dem nächsten gegen Tage, die ich noch gar nicht greifen kann. Ich tausche ein echt gemütliches Sofa mit Supernatural und Taccos mit Käse überbacken gegen… ja, gegen was eigentlich? Trekkingnahrung und Müsliriegel 😅
Was werde ich auf dem Trail vermissen?
Ich weiß, dass ich die Teamscalls nicht explizit vermissen werde. Aber ich werde die Routinen irgendwie schon vermissen. Morgens in meinem Autopilot-Modus den Tag starten, Stunden über Stunden in einem sauberen Büro sitzen und mich mit Wissen in Themen einbringen, die mir wichtig sind.
Und natürlich die Menschen, mit denen ich meinen Alltag teile. Abends gemütlich mit meinem Mann den Tag ausklingen lassen.
Am Wochenende Zeit im Garten verbringen, Gemüse anziehen und mich darüber freuen, dass vier Erdbeeren was geworden sind! Tageswanderungen machen ohne Ziel- und Zeitdruck. Abends mit einem Cocktail am Rhein in der sommerlichen Sonne sitzen.
Sicherlich wird mir irgendwann auch mal trockene Kleidung fehlen… Aber hoffentlich wird mir nie fehlen, genug zu Essen zu haben. Schauen wir mal, ob das klappt.
Was lasse ich bewusst zurück?
Das Gedankenchaos um Themen, die im Alltag wichtiger erscheinen, als sie tatsächlich sind. Dinge nicht auf der Metaebene betrachten zu können, weil die Kopfkapazität am Nachmittag aufgebraucht ist. Das Stressgefühl, wenn die Bahn mal wieder irgendwo festhängt.
Die Erwartungen anderer, die mir manchmal bewusst sind, und manchmal nicht. Zu Leisten, statt einfach zu sein.
Irgendwo im Dazwischen
Wie ihr seht, es ist gerade viel im Kopf… Gedanken, die sich überschlagen, Gefühle, die nicht so richtig in eine Richtung wollen, sondern mal hier, mal dort sind. Diese Ambivalenz aus Traurigkeit (weil ich so vieles für eine Zeit zurücklasse) und gleichzeitig Vorfreude und auch ein bisschen Angst vor dem, was da kommt.
Denn das hier ist nicht „nur“ Abenteuer. Es ist auch ein bewusstes Zurücklassen, zumindest für eine Weile. Und irgendwo zwischen Vorfreude und Wehmut frage ich mich gerade: Werde ich mich dort draußen mehr nach dem Trail sehnen – oder nach dem, was ich hier lasse?
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