Anreise Norge på langs: Zwischen Abschiedskuchen, Fährchaos und den ersten Kilometern

Tag 0 minus 1 – Das letzte Mal Alltag

Der letzte Tag im Büro fühlte sich merkwürdig unwirklich an. So ein bisschen wie der letzte Schultag vor den Sommerferien – nur mit deutlich mehr Verantwortung, Outlook-Terminen und sehr viel Kuchen.

Ich habe mich verabschiedet. Von Kolleg*innen, vom Alltag, von Routinen und das „bis morgen“ in ein „wir sehen uns im Herbst“ ersetzt. Noch einmal durch die Gänge laufen und noch einmal alle sehen. Und dann ging’s raus (dobby is free!).

Dann ging es nach Hause, ein letztes Mal im eigenen Bett schlafen und noch einmal vertraute Geräusche. Einmal noch eigene Wohnung statt Zelt. Völlig absurd eigentlich, das gemütliche Leben gegen 24/7 draußen zu tauschen.

Tag 0 – Gepäck-Tetris und Erdbeeren mit Sahne

Der Wecker klingelte um 5 Uhr morgens.
Zu einer Uhrzeit, zu der ich normalerweise höchstens darüber diskutiere, ob ich mich nochmal umdrehe. Vicky (eine Freundin) holte uns aber schon gegen 6 Uhr morgens ab, um gemeinsam Richtung Norden zu fahren und uns am Startpunkt abzusetzen.

Statt direkt los begann die erste große Expedition dieser Reise aber mit Autopacken.
Zwischen Essenstonnen, Wanderausrüstung, Technik, Paketen und „das könnte man vielleicht doch noch brauchen“ spielten wir also mehrere Runden Gepäck-Tetris, bis tatsächlich alles im Auto war, inklusive unserer gigantischen Versorgungspakete (wenn auch teilweise nur unter Anwendung leichter Gewalt und optimistischer Einschätzung).

Dann ging es endlich los Richtung Norden.
Mittags machten wir noch Halt bei meinen Eltern für gemeinsames Mittagessen und viel Erdbeeren mit Sahne.

Abends fuhren wir noch weiter bis hinter Hamburg. Irgendwo zwischen Raststättenkaffee, Autobahngeräuschen und Müdigkeit wurde langsam klar: Der Alltag liegt jetzt wirklich hinter uns (oder spätestens als ich die RMV und DB App vom Handy gelöscht hab 😁).

Tag 0 plus 1 – Fähren, Warteschlangen und die größten Hits

Am nächsten Morgen ging es weiter. Immer Richtung Norden, Kilometer um Kilometer bis nach Hirtshals.

Dort wartete die Fähre nach Kristiansand – und damit der Moment, an dem Norwegen plötzlich nicht mehr nur Planung, Excel-Tabellen und Packlisten sein würde!

Vorher mussten wir allerdings noch den Sidequest „Finde die richtige Check-in-Spur“ erfolgreich abschließen. Nach mehreren Anläufen und leicht verwirrtem Herumfahren standen wir irgendwann tatsächlich richtig! Challenge completed.

Dachten wir zumindest. Danach passierte nämlich erstmal genau nichts. Aber immerhin mit musikalischer Begleitung, da der Radiosender beschlossen hatte, die besten Popsongs der 80er und 90er aufzulegen. Und so warteten wir zwischen Wohnmobilen, Motorrädern und völlig überladenen Autos zu einem Soundtrack, der irgendwo zwischen Roadtripfilm und Familienfeier pendelte.

Diese Reise beginnt bisher weniger mit epischem Abenteuergefühl und mehr mit: „Haben wir eigentlich die richtige Spur genommen?“

Und irgendwo zwischen Erdbeeren mit Sahne, Gepäck-Tetris und 90er-Hits fühlt es sich dann doch plötzlich mal real an: Wir sind wirklich unterwegs Richtung Norden.

Tag 1 – Regen am Startpunkt und die ersten Schritte Richtung Nordkap

Die Nacht war kurz. Nicht etwa wegen romantischer Fährüberfahrt, sondern weil wir spät nachts erst in Kristiansand angekommen und dann ziemlich erledigt ins Hotel gefallen sind. Fünf Stunden Schlaf später fühlte sich mein Körper ungefähr so leistungsfähig an wie ein nasser Müsliriegel.

Entsprechend begann der Morgen mit einer sehr klaren Priorität: Frühstücksbuffet ! ❤️ Ich kann nicht genau sagen, ab wann „Frühstücken“ in „strategisches Kalorien bunkern“ übergeht, aber wir haben diese Grenze vermutlich souverän überschritten.

Draußen wartete Norwegen mit konstantem Regen und sehr stabilen 10 Grad auf uns. Kein spektakulärer Sturm, kein dramatisches Wetter. Einfach dieses nordische „ihr wolltet Abenteuer, hier habt ihr erstmal Nieselregen“.

Danach ging es weiter nach Lindesnes:
Zum Leuchtturm. Zum offiziellen Startpunkt von Norge på langs! So richtig aufgeregt war ich da aber nicht. Momentam fühlt es sich noch nach „wir sind zwei Wochen auf Wanderschaft“- Urlaub an. Ab Woche drei oder vier realisier ich das dann vielleicht…

Wir haben erst noch ein bisschen die Gegend erkundet, das kleine Museum angeschaut und anschließend den Leuchtturmwärter gesucht. Was leichter klingt, als es war. Nach einiger Sucherei haben wir ihn schließlich gefunden – und damit auch das berühmte Buch, in das sich Norge-på-langs-Wandernde eintragen können.
Natürlich mussten wir da rein.

Es war ein merkwürdiger Moment. Zwischen all den Namen zu stehen von Menschen, deren Blogs wir gelesen haben. Und jetzt standen wir selbst dort und schrieben unsere Namen hinein.

Der Leuchtturmwärter hat uns danach noch ausführlich zur Tour ausgequetscht und wissen wollen, wie lange wir unterwegs sein werden, ob wir wirklich bis zum Nordkap laufen wollen – und ob wir danach noch verheiratet sein werden. Fairerweise: Nach mehreren Monaten gemeinsam durch Regen, Mücken, Erschöpfung und Tütenessen ist das vermutlich keine völlig unberechtigte Frage. 🤣

Er drückte uns jedenfalls die Daumen. Fürs Ankommen am Nordkap. Und vermutlich auch ein bisschen für unsere Ehe.

Die ersten Kilometer

Und dann kam der Moment des Abschieds von Vicky, plötzlich gab es kein weiteres Organisieren, kein Warten und kein „gleich geht’s los“ mehr. Denn es ging dann wirklich los.

Die ersten 12 Kilometer führten uns Richtung Spangereid. Viel Teer. Viel Straße. Nicht unbedingt die romantischsten Wanderkilometer unseres Lebens, dafür aber die ersten echten Schritte dieser Reise.

Und meine Beine wissen inzwischen ziemlich genau, dass wir heute auf Asphalt unterwegs waren. Noch fühlt sich alles gleichzeitig riesig und absurd normal an.

Wir laufen einfach los. Mit Rucksäcken. Richtung Norden. Für Monate. Völlig verrückte Idee eigentlich.


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

Ein Kommentar zu “Anreise Norge på langs: Zwischen Abschiedskuchen, Fährchaos und den ersten Kilometern

  1. Ich wünsche auch eine spannende und entspannende Reise… und drücke auch der Ehe die Däumchen… Liebe Grüße Bernadett

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