NPL Etappe 7: Von Røros nach Meråker (137 Kilometer)


Es gibt Etappen, an die erinnert man sich wegen spektakulärer Gipfel, wilder Flussquerungen oder epischer Sonnenuntergänge. Und dann gibt es Etappen wie diese.

Eine Etappe voller kleiner Momente, die man unterwegs vielleicht gar nicht als besonders wahrnimmt – und die am Ende doch im Gedächtnis bleiben. Wir gönnen uns gleich zwei Ruhetage in Røros, kämpfen uns – mal wieder – durch Regen, Kälte und Bremsen, knacken die 1000-Kilometer-Marke, sitzen endlich mal wieder gemütlich am Lagerfeuer und lernen auf den letzten Metern nach Meråker beinahe noch ein kleines Alpaka als neues Mitglied unserer Wandergruppe kennen.

Kurz gesagt: Es ist eine dieser Etappen, die zeigt, dass Fernwandern nicht nur aus großen Abenteuern besteht. Manchmal sind es gerade die kleinen Geschichten am Wegesrand, die eine Reise unvergesslich machen.


NPL Statistik

  • Mückenbarometer: 5/10
  • Übernachtungen:
    • Zeltübernachtung: 3
    • Hüttenübernachtung: 1
    • Sonstige Unterkünfte:  2
  • Flussüberquerungen: 12
  • Tage ohne Regen: 3
  • Waffeln/Pfannkuchen: 2x
  • Müsliriegel:
    • Elster: 4
    • Fuchs: 1
  • „Es ist nicht mehr weit“, obwohl es noch weit war: 1x
  • Bonusmeter aufgrund Orientierungskompetenz oder Wegfindungsschwierigkeiten: 2x
  • Rentiere/Elche: ein Elch, ein Rentier 😊
  • Gelaufene Blasen: 1
  • Anzahl Duschen: 3
  • Ohrwurm der Woche:
    • Elster: Kevin Morby – Kingdom of broken hearts
    • Fuchs: The Cure – Feels like Heaven

Gesamtkilometer: 1054,2 Kilometer

Tierbeobachtungen: sehr viele Insekten, Vögel z.B. Regenpfeifer, Sumpfschnepfe, Möwen, ein eichhörnchenfarbenen Vogel; ein Elch, einige.Hasen, ein Rentier, ein Reh, viele Fische, Frösche und eine Erdmaus.


Tag 52 – 06. Juli 2026 (Ruhetag)

Heute ist endlich Ruhetag. Den können wir gerade wirklich gebrauchen. Wir schlafen aus, machen ein ausgiebiges Frühstück und dann setze ich mich an die Tourplanung für die kommende Etappe.

Ich habe zwar die grundlegende Planung vorliegen, gehe aber die Route immer Schritt für Schritt durch, mache mir die Einzelheiten nochmal bewusst, überprüfe die Lebensmittel-Nachschub-Möglichkeiten und schaue potentielle Unterkünfte entlang der Route durch. Dann fühle ich mich etwas vorbereiteter. Schließlich ist die Zeit in der ich die Route geplant habe, teilweise ein Jahr her.

Da ich mir auch die Route für die Etappe von Meråker aus nach Røyrvik ohne Blåfjell anschaue, nimmt die Routenplanung heute etwas mehr Zeit in Anspruch und so ist es schon 15 Uhr, als wir uns endlich mal vor die Tür wagen. Das Wetter ist schön sonnig, aber kühl und so huschen wir von einem Laden zum nächsten. Ich brauche neue Gamaschen für die Schuhe (meine sind durch die ganzen Sümpfe schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden und der Klettverschluss vorne geht immer auf) und wir wollen die Imprägnierung unserer Regenjacken und dem Zelt erneuern. Alles finden wir in verschiedenen Outdoorläden (davon gibt es in dem kleinen Städtchen hier mehr, als man denken mag) und anschließend geht es noch in den Supermarkt. Mehr Obst und Gemüse muss her!

Als wir schließlich gegen 18 Uhr wieder in unsere Unterkunft kommen, mache ich den Kartoffelsalat für morgen, und der Fuchs kümmert sich draußen im Hof um die Imprägnierung. Man muss ja ausnutzen, dass es nicht regnet (typisch für unsere Ruhetage…).

Den Abend verbringen wir dann gemütlich bei Kaminfeuer und in den Büchern der Unterkunft lesend. Ich durchforste derweil noch Blogs anderer NPL Läufer*innen aus anderen Jahren, um die Route ohne Blåfjell zu verbessern. Ich bin zwar noch nicht zufrieden, aber sehr viel positiver gestimmt als noch vor ein paar Tagen, wo ich komplett lost war.

Ich freue mich zudem total darauf, dass wir morgen nochmal ausschlafen können, was für ein Luxus! Dass wir das zuletzt konnten, ist über einen Monat her.


Tag 53 – 07. Juli 2026 (Urlaubstag)

Wir schlafen heute richtig lange aus (zumindest für unsere Verhältnisse hier auf der Wanderung) und so ist es schon 10 Uhr als wir endlich am Frühstückstisch sitzen. Wir wollen heute noch etwas die Stadt erkunden und auch ins Museum gehen. Aber nur Freizeit wird es heute nicht, weil wir noch den Einkauf für die kommenden vier Tage machen müssen.

Wir ziehen also los, und der erste Stop ist nochmal das Café mit den leckeren Teilchen mit Cappuccino. Man gönnt sich ja sonst nichts. Es ist zwar heute unglaublich kalt in Røros (ungefähr 7 Grad), aber wir setzen uns raus, um ein wenig die Menschen zu beobachten, die an uns vorbeihuschen. Natürlich haben wir unsere Daunenjacken an – willkommen im norwegischen Sommer!

In den letzten Wochen entschuldigten sich die Norweger immer bei uns für den kalten Sommer oder prophezeiten, dass der Sommer bald kommen würde. Auch wenn ich das zu Beginn der Reise vielleicht noch geglaubt habe, ist mein Vertrauen in das norwegische Wetter mittlerweile zu sehr erschüttert, als dass ich uns irgendwann tagelang bei sommerlichen Temperaturen über die Wanderwege hüpfen sehe. Obwohl mittlerweile Juli ist.

Nach dem Caféstop geht es Richtung Museum. Das Røros Museet zur Geschichte des Kupferabbaus ist super interessant, und den Audioguide gibt es auch auf Deutsch. Der Abbau hat die Geschichte der Stadt Røros geprägt und fand seit 1644 statt. Erst 1977 war es mit dem Abbau vorbei. Wir verbringen hier fast zwei Stunden zwischen den Bergbaumodellen und erklimmen anschließend noch die alten Steinhaufen um die alte Fabrik herum, um einen guten Blick über die Stadt zu bekommen. Das Museum können wir wirklich empfehlen, mit der kleinen Einschränkung, dass es mir persönlich etwas wenig um die persönlichen Geschichten der Menschen in Røros ging.

Als wir aus dem Museum treten, umweht uns ein kalter, starker Wind. Am liebsten würde ich direkt zurück zu unserer Unterkunft, aber wir müssen noch den Einkauf erledigen. Wir sind mittlerweile so smart, dass wir das mit einem Einkaufszettel machen (tolle Erfindung, was?), da wir sonst einfach zu viel oder zu wenig Essen kaufen (okay, wen will ich hier in die Irre führen: Es ist natürlich immer zu viel).  Und das ist beim Wandern natürlich besonders ärgerlich, weil wir ja alles tragen müssen. Jedes Gramm zählt.

Nach einer erfolgreichen Tour durch die Supermärkte und Outdoorläden, geht es zurück in unsere gemütliche Unterkunft und nach einer Dusche (wow, zwei Duschen in zwei Tagen!) mache ich den Kamin an und kuschel mich unter eine Wolldecke. Der zusätzliche Ruhetag hat uns unglaublich gut getan. Ich mache mir aber immer noch Gedanken, wie wir von Meråker aus am besten weiterkommen. Das Blåfjell ist extrem sumpfig, insbesondere dieses Jahr aufgrund des nassen Sommers. Und andererseits führt die einzig wirkliche Alternative viel über Straßen, insbesondere auf und entlang der E6, was natürlich auch nicht schön ist zu wandern. Ob und wie ausgetreten alternative Wanderwege sind, wissen wir natürlich auch nicht. Und einen großen Bogen laufen ist auch keine Option, da uns dafür schlichtweg die Zeit fehlt. Bis Anfang Oktober müssen wir am Nordkap angekommen sein.

Die Leichtigkeit, die ich vor ein paar Wochen noch beim Abändern der Routen hatte, fehlt mir momentan etwas. Es gibt also keinen wirklich perfekten Weg, aber irgendwie müssen wir ja nach Norden kommen. Wir freuen uns einfach so sehr darauf, endlich auf den Nordkalottenleden, Padjelantaleden, vielleicht auch über den Kungsleden zu laufen – von diesen Wanderrouten träumen wir seit Monaten, und so weit im Norden waren wir auch noch nie. Der Zwiespalt zwischen den verschiedenen Routen nach Røyrvik zermürbt mich etwas. Vielleicht ist es aber auch ein generelles Fernwanderungstief, durch das alle auf einer solchen Wanderung mal durch müssen.

Unter der Wolldecke neben dem Kamin. So lassen sich die Füße wunderbar entspannen.

Dagegen hilft auf jeden Fall, dass der Fuchs gerade den Kartoffelsalat zubereitet, Tomaten mit Mozzarella macht und wir Smoothies gekauft haben. Wenn schon kein Sommer, dann zumindest ein Sommermenü.


Tag 54 – 08. Juli 2026 (26,3 Kilometer)

Als wir heute aufstehen, prasseln dicke Regentropfen an die Fenster vom Schlafzimmer. Das ist ja eine nette Überraschung des norwegischen Wetters, denke ich mir. Ich schaue in die Wetterapp, um die Dauer des Regens zu prüfen und sehe, dass eine riesige Wolke über unserem heutigen Wandergebiet liegt und es 9 Grad (aber gefühlte 5 Grad) hat. Es scheint allerdings in ganz Restnorwegen die Sonne und hat zwischen 17 und 25 Grad. Ernsthaft jetzt?

Aber was sollen wir über das Wetter jammern, wir können es ja eh nicht ändern. Am liebsten würde ich einen weiteren Tag in der Unterkunft bleiben, aber so viel Zeit für Ruhetage haben wir dann auch wieder nicht, wir müssen schließlich Anfang Oktober am Nordkap ankommen. Also, auf an den Frühstückstisch und los.

Nach eineinhalb Stunden geht es langsam wieder bergab und je näher wir wieder der Zivilisation kommen, desto weniger Flugbiester schwirren um uns herum. Wir sind jetzt wieder auf einem Forstweg. Von hier sind es noch sieben Kilometer zur Herberge. Das trauen wir uns weiterhin noch zu, also buche ich die Unterkunft. Der restliche Weg ist dann auch entspannt zu gehen. Wir kommen an Höfen und schönen Flussläufen entlang und nach weiteren eineinhalb Stunden ist die Pilgerherberge erreicht. 

Bis alles verpackt ist und wir im Regenoutfit an der Haustür stehen, ist es schon fast halb 10 Uhr. Dann aber jetzt mal los! Der Weg führt uns erstmal raus aus Røros, und einen Hang hinauf. Wir laufen auf ausgetretenen Pfaden durch den fast nebligen Regen. Ich muss fast alle zwei Minuten die Richtung prüfen, weil es so viele verschiedene, kleine Wege gibt, die hier in die unterschiedlichsten Richtungen führen. Außerdem merken wir, dass wir jetzt zwei Tage sehr entspannt gewesen sind und entsprechend schwerfällig fühlen wir uns. Es geht also etwas schleppend voran.

Irgendwann kommen wir auf einen Weg, von dem es eigentlich geradeaus weitergehen soll, aber hier ist absolut kein Weiterkommen, außer wir würden uns durch meterhohes Gestrüpp kämpfen. Dann geht es wohl hier doch auf der Schotterstraße zur Straße runter, der wir dann einen Moment bis Glåmos folgen werden. In meinem Kopf streiten sich währenddessen ein paar Stimmen über das Wetter und ob Wandern bei Kälte und Regen nicht verboten gehört. Zumindest in der Kombi aus beidem.

In Glåmos machen wir vor dem Supermarkt eine Mittagspause auf einer Parkbank. Wir ziehen alle Schichten an, die wir haben. Auch wenn der Regen weg ist, ist der eisige Wind noch umso stärker am Start. Irgendwann wird es uns zu kalt, und wir ziehen in den Supermarkt um. Wir freuen uns, dass es hier eine kleine Kaffeeecke und eine Toilette gibt. Das haben wir schon häufiger in den Supermärkten gesehen. Wir bezahlen für einen Kaffee und zwei Waffeln. Wenn das Wetter schon nicht stimmt, dann doch zumindest die Snacks.

Nach einer unglaublich langen Pause, in der wir uns aber zumindest wieder voll aufgewärmt haben, machen wir uns etwas widerwillig auf den Weg. Der Fuchs besteht drauf, ich wäre ja einfach hier beim Kaffee geblieben. Der weitere Weg ist heute aber sehr gut zu gehen, was mich sehr wundert. Es sind einige Wanderwege darunter und die haben wir bisher nicht als besonders vertrauenswürdig kennengelernt. Es macht richtig Spaß zu gehen, auch wenn es weiterhin sehr kalt bleibt.

Wir kommen langsam etwas in die Höhe, und landen schließlich auf einem schönen Waldweg, der etwas erhöht vom Tal verläuft. So umgehen wir heute Nachmittag die Straße. Gegen Ende hin laufen wir nach und nach wieder runter ins Tal, wo jetzt auch immer mehr Häuser stehen. Das ist  für unsere Zeltplatzsuche etwas ungünstig. Man darf zwar in Norwegen fast überall wildcampen, aber nicht auf privaten Grundstücken (ohne Erlaubnis). Zumindest sollte man versuchen außer Sichtweite zu sein. Aber hier ist es gerade dicht an dicht, also funktioniert das nicht. Wir laufen daher über unser geplantes Tagesziel hinaus noch ein Stück an der Straße entlang und suchen nach einem geeigneten Platz.

Auf Google Maps finden wir eine Stelle, die passen könnte. Als wir dort ankommen, ist dort leider ein kleines Holzhaus gebaut worden, das in Maps noch nicht verzeichnet war. Es sieht aber nicht so aus als würde hier heute noch wer kommen, also stellen wir uns leicht versetzt nach hinten zwischen ein paar Birken. So sieht man uns vom Haus aus eigentlich nur, wenn man weiß, dass wir da sind. Wir hoffen mal, dass heute keiner mehr kommt. Fingers crossed!


Tag 55 – 09. Juli 2026 (26,1 Kilometer)

Es ist natürlich niemand mehr gekommen. Wer auch, in Norwegen gibt es keine Menschen. Ich habe bombastisch geschlafen, der Fuchs nur so semi. Entsprechend bin ich heute fit, der Fuchs schleppt sich etwas.

Es gibt noch die übrigen Brötchen von gestern zum Frühstück, dann wird das Zelt abgebaut und auf geht’s. Wir müssen noch ein wenig der Straße folgen, dann geht es auf eine Nebenstraße, die sich zum Glück als Sandstraße entpuppt, was viel angenehmer für die Füße ist, als Asphalt.  Es ist heute ziemlich kühl, wir können den ganzen Morgen über unseren Atem vor uns sehen.  Kurz darauf kommt auch Nieselregen dazu. Norwegen gibt sich alle Mühe, das beste Wanderland der Welt zu werden.

Da wir der Sandstraße jetzt ein paar Tage Richtung Meråker folgen werden, ist die Wegfindung entspannt. Ich muss nur auf die Navigation schauen, um zu prüfen wie weit wir es schon geschafft haben. Wir laufen wieder an Ferienhäusern und richtigen Häusern vorbei, uns kommen ein paar Autos entgegen, und eine Menge Schafe. Zwischendurch ist es recht waldig um uns herum. Da die dunklen Wolken tief hängen, habe ich fast das Gefühl, in der Dämmerung zu gehen.

Da der Weg nicht viel Spannendes zu bieten hat, setze ich bald die Kopfhörer auf. Wie der Fuchs das ohne aushält, verstehe ich nicht. In unserer ersten Pause frage ich ihn, wie’s ihm geht und woran er so denkt, aber er meint „Eigentlich an gar nichts, ich lauf einfach.“. Bemerkenswerte Eigenschaft.

Unter einem Baum machen wir Mittagspause. Es gibt Wraps mit Chips und Skinke Ost (dem Tubenkäse), der besser schmeckt, als er aussieht.   Hier unter dem Baum sind wir zumindest regengeschützt und verweilen daher fast eine Stunde, obwohl es weiterhin recht kalt ist.

Dann geht es weiter. Die Landschaft wird etwas offener und weiter, aber es bleibt wolkig und dunkel um uns herum. Nach zwei Stunden fordere ich die nächste Pause ein. Mein rechtes Bein beschwert sich momentan immer mal wieder. Es scheint einfach angestrengt zu sein. Verstehe ich komplett. Also hinsetzen und ausruhen. Derweil kann ich direkt die nächsten Snacks verputzen. Statt großen Hauptmahlzeiten brauche ich unterm Tag Snacks, um motiviert zu bleiben. Bei der letzten Etappe hatte ich etwas zu eng kalkuliert, und hatte daher auch etwas schlechtere Laune. Diesmal hab ich aber mein Vorratspack gut gefüllt. Und so gibt es heute den Tag über verteilt eine halbe Packung getrocknete Mango, Salamisticks, Kvikk Lunsj und einen Müsliriegel. Wenn schon das Wetter nicht stimmt, muss das Essen einiges wettmachen. Der Fuchs ist mit den Snacks immer enger kalkuliert als ich, weil er nicht so viel tragen will. Dafür ist er jetzt auch etwas neidisch auf meine ganze Auswahl und spricht darüber, was er alles essen könnte, wenn er genug dabei hätte. Von meinen Mangos will er aus mir unerfindlichen Gründen aber nichts haben.

Nach 22 Kilometern hätten wir auch einen Weg hoch über die Berge für morgen nehmen können. Von der Kilometeranzahl wären wir auch gleich geblieben, es hätte nur mehr Höhenmeter bedeutet. Das ist an sich ja nicht schlimm, aber als wir an die Abzweigung kommen, sehen wir schon den Sumpf und entscheiden uns für festen Boden unter den Füßen.

Nach 25 Kilometern haben wir beide heute genug und machen uns auf die Suche nach einem Zeltplatz. Ich dachte eigentlich, dass das hier wieder schwierig werden könnte, aber direkt auf der nächsten Anhöhe finden wir einen, der für uns passt. Wir sind zwar direkt erhöht über der Straße, aber man sieht uns eigentlich trotzdem nicht. Und so wenig Verkehr wie hier heute war, sollte es sich mit Lärm auch in Grenzen halten.

Wir verbringen die restlichen wachen Stunden wie meistens einfach im Zelt. Ich schreibe den Blogeintrag für heute, der Fuchs kümmert sich um die Isomatten, und anschließend koche ich Wasser für unser Abendessen. Ich schaue anschließend noch die Tour für morgen an. Wenn wir ganz verrückt sein wollen, könnten wir morgen die Pilgerherberge in Kirkvollen erreichen, dafür müssten wir aber über 30 Kilometer machen. Ich erwähne das scherzhaft, aber da hat der Fuchs keine Lust drauf. Ist eigentlich auch unnötig, weil wir eh sechs Tage für die Etappe geplant haben, und auch gerne im Zelt übernachten. Aber witzig wäre es doch.


Tag 56 – 10. Juli 2026 (31,8 Kilometer)

Als wir heute Morgen wach werden, scheint ein klein wenig die Sonne. Kaum zu glauben, dass sich bei den ganzen dunklen Wolken die Sonne versucht durch zu kämpfen. Da steht man doch gleich viel lieber auf! Gegen halb acht sind wir startklar. Da wir heute nur ca. 20 Kilometer auf dem Programm haben, sind wir heute Vormittag recht entspannten Fußes unterwegs.

Der Weg führt uns weiter über die Schotterstraße, die Landschaft wird weiter und rauer, ganz nach meinem Geschmack. Nach eineinhalb Stunden will ich die erste Pause. Wir kommen gerade an einer Bank mit Tisch vorbei, wie für uns gemacht. Die Sonne hat sich auch langsam durchgekämpft, sodass es einigermaßen warm ist. Während ich meine Maischips esse, stößt mich der Fuchs irgendwann von der Seite an und zeigt nach vor: „Rentier!“ Und tatsächlich, etwa fünfzig Meter hinter uns trabt gemütlich ein Rentier über die Schotterstraße in unsere Richtung. Es ist ganz allein unterwegs – merkwürdig, ich hatte immer erwartet, dass sie in Herden oder zumindest mit ein paar Buddies unterwegs sind.

Es kommt langsam auf uns zu und schreitet dann gemütlich vorbei. Es hat ein sehr helles Fell und sieht etwas gerupft aus, es scheint momentan sein Winterfell abzulegen. Wir starren dem Rentier hinterher und sind beide ganz beseelt von dem Anblick. Wie wunderschön diese Tiere einfach sind. Wir hören die Hufen noch eine Weile über die Straße klackern und dann ist das Tier verschwunden.

Wir geben ihm ein paar Minuten Vorsprung, damit wir es nicht direkt wieder einholen und es in Ruhe laufen kann. Dann machen wir uns wieder über den Weg. Mit Blick auf die sattgrüne Landschaft um uns herum legen wir Kilometer für Kilometer hinter uns. Nach einer weiteren Pause am See fühle ich mich auch angekommen in diesem Wandertag und nach etwas mehr als 15 Kilometern machen wir um halb 12 Uhr eine frühe Mittagspause.

Während ich das Wasser für unsere Tütensuppen und den kategorischen Cappuccino koche, prüft der Fuchs noch das Wetter. Leider soll es heute nicht bei dem Sonnenschein bleiben. Ab 18 Uhr ist Regen angesagt und für den späten Abend sogar Gewitter. Das hören wir natürlich gar nicht gerne. Regen ist ja kein Problem (dafür sind wir mittlerweile Profis), aber Gewitter im Zelt muss nicht unbedingt sein, wenn es sich vermeiden lässt. Ich schaue nochmal entlang unserer heutigen Route, aber bis zur Pilgerherberge liegt für uns nichts am Weg. Wollen wir heute doch bis dahin laufen?

Schaffen könnten wir es – wir haben ja nicht mal bis Mittags für die ersten 15 Kilometer gebraucht, das könnten wir heute doch nochmal schaffen? Ganz drauf festnageln wollen wir uns noch nicht, aber ich gehe davon aus, dass wir bis zur Herberge laufen werden. Wir machen uns also kurz nach 12 auf den Weiterweg und brettern die nächsten 5 Kilometer runter, wo unser eigentliches Tagesziel schon wäre.

Hier biegen wir jetzt vom Schotterweg auf einen Pilgerweg ab, der sich als kleiner Waldweg entpuppt. Zuerst sehe ich den Weg gar nicht, die Vegetation hat ihn sich zu eigen gemacht.

Aber kurz darauf wird es ein gut begehbarer Waldweg, der uns einige Höhenmeter hochbringt. Trotz Wald ist hier aber eine brennende Mittagssonne unterwegs und auch die Fliegen von vor ein paar Tagen sind wieder am Start. Und sie haben ihre Besties (große Pferdebremsen) im Schlepptau. Wir sind also nach ein paar Metern nicht nur klatschnass geschwitzt von der Sonne, sondern rennen quasi den Berg hoch wegen der Scharen von Fliegen und Bremsen um uns herum. Das Umhergeschwirre macht das Wandern zur leichten Qual. Nicht nur einmal klatsche ich auf Arme und Beine, nachdem ich einen fiesen Schmerz an besagter Körperstelle verspüre.

Ich hatte glaube ich schon mal in abgewandelter Form in einem anderen Etappenbericht angemerkt, dass Norwegen nur Sumpf oder Straße kann. Ich würde das nun doch um die Dimension der Fluginsekten ergänzen: Sobald kein Regen fällt und auch kein Wind ist, kommen diese Biester nämlich auf den Plan.

Der Weg selbst ist aber toll zu gehen und macht nach den ganzen Schotterstraßenkilometern richtig Spaß. Als wir an einem kleinen Bachlauf vorbeikommen, muss ich erstmal das Moskitonetz und Brille abnehmen, um mir das kalte Wasser kurz ins Gesicht zu spritzen. Der Fuchs macht es mir nach. Der Arme hat aber in der letzten Stunde der Bremsenschlacht so Hunger bekommen, dass wir stehen bleiben müssen um etwas zu essen. Schlechte Idee: Denn sobald man stehenbleibt, ist man vogelfrei. Also laufen wir im Kreis, bis der Hunger etwas gestillt ist.

Nach knapp sechs Kilometern kommen wir aus dem Wald wieder heraus und lassen auch einen Großteil der Fliegen und Bremsen hinter uns. Hier entscheiden wir nun, dass die restlichen sechs Kilometer auch noch drin sind. Es ist erst 15 Uhr. Der restliche Weg führt uns an einem Fluss entlang, an Höfen vorbei und auf Forstwegen. Eineinhalb Stunden später kommen wir tatsächlich bei der Herberge an und freuen uns, diesen langen und warm drückenden Tag voller Fliegen und Bremsen überlebt zu haben.

Wir sind vom Tag ziemlich geschafft. Wir glauben beide, dass das bessere Wetter aber auch dazu führt, dass wir besser unterwegs sind. An solchen Tagen fühlen wir uns fast unbesiegbar, aber jetzt erstmal unter die Dusche! Während ich schon fertig bin und der Fuchs noch im Bad, gehe ich die Kilometer von heute durch und schaue, wie wir morgen weiterlaufen wollen. Dabei merke ich: Wir haben heute die 1000 Kilometermarke geschafft!! Als der Fuchs ins Zimmer kommt, können wir es beide kaum fassen. Ich rechne nochmal nach: Es stimmt. 1000 Kilometer. So fertig ich die Tage war und wir zwischenzeitlich irgendwie auch Zweifel an unserem Vorhaben hatten, es wirklich bis zum Nordkap zu schaffen, so überwältigt sind wir jetzt. So schlecht können wir ja nicht sein, wenn wir 1000 Kilometer geschafft haben. Das wird in der Herberge jetzt mit Instantnudeln gefeiert, und ein paar Oreokeksen. Zur Feier gönnen wir uns morgen noch das Frühstück in der Herberge 🎈


Tag 57 – 11. Juli 2026 (18 Kilometer)

Wir lassen uns heute ausschlafen, sprich wir sind um 8 Uhr beim Frühstück. Dafür wollen wir uns heute richtig Zeit lassen. Da wir nicht ganz so viele Kilometer vor uns haben, können wir es heute entspannt angehen. In der Herberge sind wir die einzigen Gäste. Die Besitzerin unterhält sich beim Frühstück mit uns und erzählt von der Geschichte des Hofes, anderen Pilgern und ihren Wanderungen. Es ist schön, ihr zuzuhören und sich dabei durch die Leckereien zu probieren. Ganz oben auf unserer Beliebtheitsliste steht jetzt selbstgebackenes Brot mit selbstgemachter Rhabarbermarmelade.

Gegen 10 Uhr kommen wir dann doch langsam los. Draußen regnet es immer noch, obwohl die Wetterapp keine einzige Regenwolke anzeigt. Aber was versteht die schon von norwegischem Wetter? Also rein in die Regenklamotten und ab zum Supermarkt in Ås. Der ist nur zwei Kilometer entfernt und wir brauchen Nachschub für die kommenden zwei Tage der Etappe. Wir wühlen uns durch die Angebote und packen ein, wonach uns ist. Da wir jetzt nur noch wenig Essen tragen müssen, drehen wir etwas ab und packen frische Äpfel und Bananen ein.

Nachdem wir alles in den Rucksäcken verstaut haben, geht es raus aus Ås, hinauf in die Wolken. Und das ist ganz plastisch gemeint, denn heute hängen die Wolken tief und nach den paar Höhenmetern hinauf, sind wir mitten im Wolkennebel. Meine Brille ist so beschlagen, dass ich eigentlich fast nichts mehr sehe außer weißen Sumpf um mich herum. Wir laufen ein paar Kilometer, dann wollen wir gegen halb 1 eine längere Pause machen. Bei den Wetter gar nicht so einfach. Wir haben aber Glück und kommen kurz darauf an einem Unterstand vorbei den wir uns einfach mal zu eigen machen.

Auch wenn es heute nur kurz ein paar Snacks zum Mittag gibt, weil wir ausgiebig gefrühstückt hatten, ist trotzdem genug Zeit für einen Cappuccino. Danach geht es weiter. Wir wissen noch nicht genau, wie weit wir heute gehen wollen. Da wir gestern einiges der heutigen Tour gelaufen sind, haben wir heute gar keinen Kilometerstress. Wir hatten heute immer mal überlegt, ob wir vom Schotterweg auf einen Wanderweg Richtung Ramsjøhytta abbiegen wollen, einer Selbstversorgerhütte vom DNT. Die liegt zwar traumhaft schön leicht erhöht an einem See, allerdings ist es eine ziemlich große Hütte und heute sind von den fast 40 Schlafplätzen schon über die Hälfte gebucht. Wir gehen nicht davon aus, dass es sich um Wanderer handelt, da die Hütte gut mit dem Auto zu erreichen ist und heute Samstag ist. Ein Zeichen dafür, dass die Hütte heute eher als günstiges Ferienhaus zweckentfremdet wird. Darauf haben wir eigentlich keine Lust. Beim Parkplatz der Hütte, von wo aus es noch ca. vier Kilometer zur Hütte wären, entscheiden wir uns noch ein Stück weiter auf dem Schotterweg zu gehen und irgendwo demnächst das Zelt aufzuschlagen.

Kurz darauf finden wir einen netten Platz, der leicht erhöht in der Vegetation liegt, neben einer alten Feuerstelle. Das muss ich heute bei dem netten Wetter doch direkt mal ausnutzen. Während der Fuchs also das Zelt aufbaut, suche ich Birkenrinde und möglichst trockenes Holz. Birkenrinde gibt es hier zwar im Überfluss, aber trockenes Holz ist nicht zu kriegen – es hat einfach zu viel geregnet. Aber egal, Challenge accepted. Nach einer guten Stunde habe ich mit der Unterstützung des Fuchses, der mir fleißig Holz nachliefert, zwar immer mal wieder eine Flamme geschafft und auch eine gute Glut, aber auch sehr viel Rauch produziert. Aber egal, Spaß gemacht hat es trotzdem.

So verbringen wir den ganzen Abend am Feuer und kochen unser Abendessen draußen. Das ging bis jetzt noch nicht so häufig, weil es abends oft geregnet hat oder viel zu kalt war (dann kochen wir in der Apsis unseres Zelts). Umso mehr genießen wir das draußen sein heute und philosophieren ein wenig über unsere Wanderung, freuen uns wie weit wir es schon geschafft haben, und kriechen bald ins Zelt, als die Mücken auf den Plan kommen. Es war einfach ein richtig schöner Abend.


Tag 58 – 12. Juli 2026 (15,3 Kilometer)

Als wir heute aus dem Zelt schlüpfen, ist die Landschaft um uns herum in dichten Nebel getaucht, und die Luft ist bitter kalt. Ich starte also im Pulli, der noch stark nach Lagerfeuer riecht. Ist ja dann nicht schlecht, wenn der etwas an der frischen Luft ist und auslüften darf. Als wir losgehen bricht zwischendrin auch die Sonne mal durch. Dann wird es direkt schön warm.

Ich brauche nach einer halben Stunde noch eine kurze Pause, um mich wieder umzuziehen. Direkt den Anfängerwanderfehler gemacht – man gehe immer etwas zu frisch los, der Körper wärmt sich durch die Bewegung ja so oder so auf.

Am Ende der Schotterstraße kommen wir an einer Sami-Siedlung vorbei. Die Herbergebesitzerin hatte uns noch erzählt, dass die Rentiere momentan gezählt und die Fohlen markiert werden. Wir hatten ja etwas gehofft, vielleicht ein paar Rentiere zu Gesicht zu bekommen, aber weit und breit sehen wir nur die Abdrücke der Hufen im Schlamm.

Wir befinden uns jetzt im Skarvan og Roltdalen Nasjonalpark und laufen eine Weile hoch über eine Rentierweide, die zu einem großen Teil aus Schlamm besteht. Während wir immer versuchen, möglichst den unschlammigsten Weg zu finden, rutschen wir im Schlamm herum, stehen knöcheltief im Sumpf oder weichen aufgeschreckten Fröschen aus. Auch wenn der Weg zwischenzeitlich gar nicht vorhanden ist, macht es doch richtig Spaß hier zu laufen. Das Wetter wird auch noch sonnig (Norwegen will uns auf einmal verwöhnen!?) und so hole ich mir fast noch einen Sonnenbrand.

Oben am Pass angekommen machen wir eine Pause und genießen die Landschaft und die Wärme der Sonne um uns herum. Wir befinden uns zwar immer noch im Schlamm, aber die Landschaft ist etwas karger und der Weg ist zwischenzeitlich richtig gut zu gehen. Hier sind zur Abwechslung mal auch gar keine Fliegen oder Mücken. Wie viel Glück man haben kann!

Wir machen heute viel mehr Pausen als sonst. Unser Ziel, die Bjørneggen DNT Hütte, ist insgesamt nur 15 Kilometer entfernt, sodass wir es auch heute sehr entspannt haben. Wir sprechen zwischendurch auch darüber, dass wir die ursprünglichen sechs Tage der Etappe durch den sehr langen Tag zur Herberge sicherlich auch auf fünf hätten kürzen können. Aber dann wären die beiden Tage nach dem Tag mit 30 Kilometern beide nochmals über 25 Kilometer geworden, und das wäre uns doch etwas zu stressig. Ich weiß auch nie, wie ich mich nach einem sehr anstrengenden oder sehr weiten Tag fühle, und versuche daher den Tag danach nicht mit zu vielen Kilometern vollzupacken. Und der Vorteil einer solchen Reise ist ja auch, dass man bei der Tourenplanung etwas flexibel bleiben darf.

Beim Abstieg zur Bjørneggen müssen wir jedenfalls etwas über den Weg lachen. Denn nachdem wir uns jetzt Kilometer um Kilometer durch den Schlamm gekämpft haben, liegen hier auf einmal einige Planken aus. Ich stelle mir vor, wie jemand von unten startet und der Weg vertrauenswürdig mit seinen Planken nach oben lockt und sich der Weg ins Fäustchen lacht, wenn er dann den Schlamm enthüllt.

Kurz nach dem Abstieg kommen wir bei der Bjørneggen Hütte an. Und was das für eine Hütte ist! Es gibt hier fast 40 Betten, einen riesigen Wohn-/ und Essbereich, eine gigantische Küche, eine Sauna, richtige Toiletten (eigentlich sind es auf den Hütten meistens einfache Komposttoiletten, die sich außerhalb der Hütte befinden) und Duschen! Wir können es eigentlich kaum glauben. Neben uns haben nur zwei andere die Hütte heute gebucht, also haben wir richtig viel Platz.

Wir nehmen erstmal den Trockenraum in Anspruch, damit unsere schlammigen, nassen Schuhe und das Zelt sich erholen dürfen. Dann beziehen wir unsere Betten in einem Viererzimmer, das wir wohl für uns behalten dürfen, und anschließend geht es in die Sauna! Auch wenn es heute recht warm war, tut die Hitze der Sauna trotzdem gut.

Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit Pfannkuchenessen, im Wohnzimmer rumliegen und Quatschen. Und freuen uns einfach, dass wir hier sein dürfen, und  dieses schöne Haus genießen dürfen.


Tag 59 – 13. Juli 2026 (19,3 Kilometer)

Heute morgen schlafen wir ein bisschen länger. Da es keine 20 Kilometer mehr bis Meråker sind und kaum Höhenmeter hoch, haben wir heute genug Zeit. Wir machen uns unser letztes Frühstück, trinken Tee und genießen noch ein wenig die Hütte. Ich brauche erstmal den Heat it – die Mücken und Bremsen haben auf meinen Knöcheln und Unterschenkeln ein richtiges Fest gefeiert und der Juckreiz ist kaum auszuhalten. An meinem rechten Knöchel ist mittlerweile eine große rote Stelle – ich kann gar nicht mehr erkennen, wo der Stich beginnt und wo er aufhört.

Die anderen Wandernden sind schon vor uns weg, nur einer ist mit seiner Hündin noch nach uns da. Aber alle wollen heute in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Können wir verstehen, der Tag gestern war einfach toll. Aber wir wollen weiter Richtung Norden.

Der Weg soll heute eigentlich nicht schwer oder anstrengend werden, aber ich komme heute nicht richtig in den Schritt. Der Fuchs läuft die meiste Zeit weiter vor mir. Der Weg führt uns heute erst über einen Schotterweg, dann geht es doch ins Moor bzw. in den Sumpf, und unsere Füße sind wieder nass – aber wann waren sie das letzte Mal wirklich einfach trocken?

Wir kommen bald aus dem Sumpf heraus und finden einen schönen Waldweg vor uns, der zwischendurch immer wieder über kleine Holzbrücken über den Sumpf führt oder uns doch durch den Sumpf laufen lässt. Aber das ist bei dem schönen Wetter heute viel besser zu verkraften, als wenn es von oben auch nass wäre. Die Landschaft ist wunderschön. Wir sehen auch unsere ersten Moltebeeren! Eine orangefarbene Beere, die nur in Moorgebieten wächst.

Dass heute schon wieder ein Ruhetag vor uns liegt, fühlt sich fast verboten an. Wir waren ja gerade erst in Røros. Aber wir haben hier ein Paket hingeschickt und wollen auch in Ruhe die weitere Route planen, da wir das Blåfjell umgehen werden. Dafür wollen wir uns etwas Zeit nehmen. Der Körper bräuchte die Erholung gerade noch nicht. Und nachdem wir die letzten beiden Etappen je 10 Tage durchgelaufen sind, ist das jetzt eine sehr kurze Etappe gewesen im Vergleich. Aber ich will mich nicht über einen Ruhetag beschweren 😄

Nach 10 Kilometern machen wir eine Pause an einer kleinen Aussichtsplattform. Ich esse in den 20 Minuten alle meine heutigen Snacks: ein kleines Apfelmus, ein Kvikk Lunsj, einen Müsliriegel und ich stibize noch ein paar Kräcker vom Fuchs. Der mag seine Kräcker aber  eigentlich eh nicht so gerne, also gewisserweise opfere ich mich. Wir haben von hier einen tollen Blick durch die Tannen auf die umliegenden Berge, die noch leicht schneebedeckt sind. Ich habe das Gefühl, in Alaska zu sein.

Die verbleibenden Kilometer gehen dann doch recht flott. Vielleicht weil die Bremsen zurück sind und wir nicht zum Mittagessen werden wollen. Die Sonne wird gegen Mittag noch richtig warm. Heute zahlt sich die Sonnencreme tatsächlich einmal aus.

Die letzten Meter rein nach Meråker laufen wir in der prallen Sonne über eine Schotterstraße stets bergab. Mir tun jetzt doch etwas die Füße weh, weil wir quasi durchgelaufen sind (wenn man von der kurzen Pause absieht). Kurz vorm Ziel laufen wir noch an unserer Abzweigung vorbei, aber ich sehe es gerade noch rechtzeitig, dass wir ein kleines Stück zurücklaufen können. Kein Wunder, dass wir den Abzweig nicht gesehen haben: Er geht über einen zugewucherten Weg in den Wald. Na gut, dann kämpfen wir uns jetzt auf den letzten Metern nochmal durchs Dickicht! 😄 Wie sollte man einen Ruhetag auch genießen können, wenn man ihn sich nicht durch körperliche Anstrengung tatkräftig verdient hat?

Wir kommen nochmal an einem Hof vorbei, und müssen durch ein Alpakagehege. Die Alpakas sind sehr interessiert an uns, was die Querung nicht gerade einfacher macht. Als wir auf der anderen Seite ankommen, steht auf einmal ein Babyalpaka vor uns, das wohl aus Versehen aus dem Gehege geschlüpft ist. Als es anfängt, uns hinterherzulaufen, frage ich mich, ob wir jetzt ein neues Mitglied in unserer Wandergruppe haben. Also laufe ich nochmal mit dem Babyalpaka im Schlepptau zurück zum Gehege und lasse es hinein. Etwas traurig schaut es uns hinterher, es hätte sicherlich auch gern das Nordkap erreicht.

Kurz darauf kommen wir am Rema 1000 Supermarkt vorbei, und kaufen für das Abendessen und Frühstück ein. Nach Tagen draußen fühlt sich so ein Supermarkt plötzlich wieder wie purer Luxus an! Vollgeladen bis oben hin (mein Rucksack geht wirklich kaum zu) und mit einem Eis in der Hand, laufen wir zu unserer Unterkunft, der Meråker Gjestegård. Im Eingang steht schon unser Paket und wir beziehen voll gepackt das Zimmer 1. Vielleicht wäre ein Alpaka zum Tragen helfen doch nicht schlecht gewesen?

In unserem Zimmer wird jedenfalls erstmal der ganze Paketinhalt ausgebreitet (an die Vergangenheitselster: Wie soll das alles in die Rucksäcke passen?!) , gewaschen, geduscht und rumgeräumt. Abends gibt es dann noch selbstgemachte Burger auf der Terrasse. Danach heißt es nur noch: Füße hoch und entspannen. 😊


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

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