NPL Etappe 12.2: Von Innset durch den Øvre Dividal Nationalpark nach Kilpisjärvi (125 Kilometer)


Der Herbst ist im Norden angekommen und mit ihm langsam das Gefühl, dass auch unsere Reise in ihre letzte Phase geht.

Auf 125 Kilometern von Innset durch den Øvre Dividal Nationalpark bis nach Kilpisjärvi warten orangefarbenes Fjell, gelbe Birken, 164 Rentiere, 45 Flussüberquerungen, ziemlich viel Geröll und schließlich sogar die ersten Schneeflocken auf uns.

Am Dreiländereck lassen wir Schweden endgültig hinter uns und laufen nach Finnland. Und während wir hier zu Fuß Grenzen überschreiten und seit Monaten erleben, wie selbstverständlich Gastfreundschaft zwischen Menschen sein kann, lesen wir mit Kopfschütteln die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt.

Aber keine Sorge: Es wird natürlich trotzdem gewandert, gefurtet und gefroren. Nur noch zwei Etappen bis zum Nordkap. Also weiter nach Norden.


NPL Statistik

  • Mückenbarometer: 0/10
  • Übernachtungen:
    • Zeltübernachtung: 2
    • Hüttenübernachtung: 3
    • Sonstige Unterkünfte: 1
  • Flussüberquerungen: 45
  • Tage ohne Regen: 2
  • Müsliriegel:
    • Elster: 3
    • Fuchs: 6
  • Waffeln: 0
  • „Es ist nicht mehr weit“, obwohl es noch weit war: einmal
  • Bonusmeter aufgrund Orientierungskompetenz oder Wegfindungsschwierigkeiten: einmal 🥲
  • Rentiere/Elche: 164 Rentiere
  • Gelaufene Blasen: keine 🥳
  • Anzahl Duschen: einmal
  • Ohrwurm der Woche:
    • Elster: Donna Lewis – I love you always forever
    • Fuchs: Echo & the Bunnyman – The Killing Moon

Gesamtkilometer: 2097,5 Kilometer

Tierbeobachtungen: Wildenten, ein Moorhuhn, zwei Falken, ein Bussard, ein Lemming, ein Hermelin, ganz viele Rentiere.


Tag 110 – 02. September 2026 (16,8 Kilometer)

Heute Morgen stehen wir zu unserer gewohnten Zeit auf. Ich hab nicht ganz so gut geschlafen – in den Hütten ist es mir häufig doch einfach zu warm. Ich bin wohl mittlerweile doch ans Zelt gewöhnt. Der Fuchs hat aber gut geschlafen und wir machen uns noch einen gemütlichen Morgen in der Hütte mit Müslikleister und viel Tee. Da wir in dem Versorgungspaket viel Milchpulver hatten, schmeckt es jetzt auch etwas besser!

Auf dem kommenden Wanderweg gibt es häufig keinen Empfang. An der Gaskashytta hat man zwar noch Empfang, danach ist es aber eigentlich vorbei bis zum Dreiländereck, dem Treriksrøysa, was eine Tagesetappe vor Kilpisjärvi liegt. Spontan Hütten reservieren geht ohne Netz nicht. Da das Wetter die kommenden Tage aber schlechter wird (sowohl kühler als auch relativ viel Regen), haben wir uns entschieden, für die nächsten Tage die Hütten einfach zu reservieren. So haben wir mit den schweren Rucksäcken für die kommenden Tage etwas kürzere Strecken und laufen erst gegen Ende hin ohne Hütten weiter. Wir freuen uns auf die Hüttentour. Auch, weil es vielleicht die letzten DNT Hütten auf unserer Reise Richtung Norden sein könnten.



Wir machen uns gegen 8 Uhr auf den Weg. Draußen ist es kühl und neblig. Ein leichter Nieselregen tröpfelt auf uns herab. Es geht hinter der Hütte kurz runter zum Fluss, dann über eine kleine Holzbrücke und danach eigentlich nur noch hoch. Nach ein paar hundert Metern kommen wir an einem roten Tunnelzelt vorbei. Das hatten wir doch gestern auch schon irgendwo auf dem Weg gesehen?



Wir müssen jetzt erstmal 400 Höhenmeter hochlaufen. Ich hatte mir den Aufstieg viel anstrengender vorgestellt, aber es lässt sich tatsächlich ganz entspannt laufen. Und das trotz unserer schweren Rucksäcke. Wir laufen gemütlich Meter für Meter. Da wir heute nur bis zur DNT Hütte Vuomahytta laufen wollen, haben wir keinen allzu langen Weg vor uns und können uns Zeit lassen.

Wir steigen durch ein Geröllfeld auf, das zwischendurch immer durch Matsch und Grasflächen unterbrochen wird und irgendwann ist der Boden nur noch Fels, über den wir klettern.

Der Fuchs tut sich heute mit der Kombination des schweren Rucksacks und dem felsigen Untergrund schwer, daher fällt er immer wieder zurück. Ich hüpfe hingegen heute wie ein Rentier über die Steine. Es macht mir irgendwie Spaß. Und ich merke, dass eine gebirgige Umgebung nicht mehr automatisch (Höhen-)Angst in mir auslöst. Ich gewöhne mich also doch irgendwie daran. Auch, mich immer wieder meinen Unsicherheiten zu stellen. Das ist ein tolles Gefühl.

Vereinzelt sehen wir heute Rentiere um uns herum laufen. Sie sind in dieser Umgebung mit ihrem Outfit aber so gut getarnt, dass ich sie kaum auf ein Foto bekomme.

Für unsere Mittagspause setzen wir uns an einen Hang mit Blick auf den See Gaskkamus und freuen uns, dass der Regen ein paar hundert Meter neben uns bleibt. Wir schauen uns Fotos vom Beginn unserer Reise an und lachen viel darüber, wie schlecht die Fotos teilweise waren (die unveröffentlichten versteht sich). Ich lache zwischendurch so laut, dass sich jetzt auf jeden Fall kein Rentier oder potentieller Elch mehr in unsere Richtung verirrt.



Nach der Mittagspause betreten wir offiziell den Øvre Dividal Nationalpark. Es ist einfach eine unglaubliche Weite, durch die wir hier entlang laufen dürfen und wir sind ganz allein. Überall färbt sich das Fjell orange rot. Wir sind gespannt, wie lange das so bleibt. Der Herbst soll hier im Norden ja nur sehr kurz sein. Wir hoffen aber, dass er sich lange gegen den Winter wehrt, schließlich haben wir ja auch kaum Sommer gehabt.



Der Herbst schreit förmlich um uns herum danach, dass das Jahr in die nächste Phase startet. Und wir merken dieser Tage, dass unsere Reise ebenfalls in ihre letzten Etappen kommt und uns eigentlich nicht mehr so viel von unserem Ziel trennt. Darüber reden wir momentan viel. Irgendwie sind wir stolz, es vielleicht wirklich zu schaffen – das Nordkap fühlt sich fast zum Greifen nah an. Andererseits sagt man beim Langstreckenwandern ja „Wer zuerst ankommt, verliert.“

Und irgendwo dazwischen sind wir gefühlsmäßig. Wir wollen ankommen. Aber wir wollen auch unterwegs sein. Wir haben zwischendurch auch echt schwierige Phasen durchgemacht und irgendwo bei Umbukta hätte ich am liebsten alles hingeschmissen. Momentan sind wir aber beide sehr glücklich darüber, hier im Norden einen Fuß vor den anderen setzen zu dürfen und unserem Ziel, dem nördlichsten Punkt Europas, näherzukommen.

Als wir in der DNT Hütte Vuomahytta ankommen, gehen wir direkt in die neue Hütte, die Vuomastua. Hier gibt es nämlich die tollen Panoramafenster, von denen aus man die Berge anschauen kann. Wir beziehen unsere Betten. Noch ist niemand sonst hier. In der alten Hütte, der Hytta, sind aber schon ein paar Leute und die Hütte für Wanderer mit Hund ist ebenfalls belegt.


Es ist ganz angenehm, die große Hütte für uns ganz allein zu haben und es kommt auch niemand mehr dazu. Wir können den ganzen Abend die Rentiere beobachten, die auf den Flächen um die Hütte herum grasen. Gegen frühen Abend entdecken wir das rote Tunnelzelt wieder, das jetzt ein paar hundert Meter hinter der Hütte steht. Ob wir es morgen auch wieder irgendwo erblicken werden?

Wir machen es uns also für den restlichen Abend gemütlich auf der großen, blauen Couch und schauen zu, wie der Nebel nach und nach die Berge um uns herum verschluckt, bis wir nur noch das orangefarbene Fjell und den darüber liegenden Nebel sehen können.


Tag 111 – 03. September 2026 (17,6 Kilometer)

Als wir heute Morgen unser Müsli vor den großen Panoramafenstern essen, kommen immer wieder Rentiere vorbei – eins kommt sogar ganz nah ans Fenster und schaut uns beim Frühstücken zu. Und wir schauen zurück. Ich weiß nicht, ob ich schon mal schöner gefrühstückt habe in meinem Leben.



Wir trödeln heute Morgen noch etwas rum, also ist es letztlich Viertel nach 8 Uhr als wir endlich loskommen. Das ist aber auch nicht schlimm, unser heutiger Wandertag soll nur bis zur DNT Hütte Dividalshytta gehen, die etwa 17 Kilometer entfernt ist.

Wir folgen heute einem Tipp von Robert: Wir nehmen nicht den offiziellen DNT Weg nördlich entlang des Berges Vuomavárri, sondern nehmen den Weg entlang des Sees und kommen dann planmäßig nach 8,5 Kilometern wieder auf den eigentlichen Weg zurück. Der nördliche Weg soll extrem schlammig sein und daher nehmen wohl viele Locals den Weg entlang des Sees.

Wir können auf jeden Fall bestätigen, dass der Weg kaum sumpfige oder schlammige Stellen hat. Er lässt sich auch sehr gut gehen.

Wir verlieren ihn aber andauernd, da er immer wieder im Nirgendwo aufhört. Daher brauchen wir heute Vormittag viel Zeit für die Navigation.

Bei gutem Wetter kann man in dem Gelände auch gut der Nase nach laufen, allerdings laufen wir in sehr dichtem Nebel, was das Laufen querfeldein etwas erschwert. Ich schätze unsere Sicht auf ca. 10-30 Meter. Zwischendurch sehen wir immer wieder größere Gruppen von Rentieren im Nebel auftauchen. Ich freue mich total über die mittlerweile ganz gelben Birkenbäumchen, die jetzt nach und nach um uns herum stehen und irgendwann zu einem gelben Wald werden, durch den wir herunterklettern.

Nach knapp dreieinhalb Stunden haben wir den Weg aber geschafft und kommen wieder unten auf den E1 Wanderweg zurück. Ab hier hat uns auch der Schlamm wieder. Aber der Weg ist hier trotzdem toll! Zu Beginn gibt es einige Erhöhungen, die flache Stellen zum Zelten bieten, und das auch noch direkt oberhalb vom Fluss Vuomajohka.

Es ist wirklich traumhaft schön in diesem Tal. An diesem Fluss laufen wir entlang des Tals nun eine ganze Weile. Ab und an geht der Weg direkt ans Flussufer und es wird richtig laut. Die Wassermassen schießen nur so an uns vorbei. 



Als wir eine erhöhte Stelle finden, die nicht nass oder schlammig ist, machen wir unsere Mittagspause mit Blick auf den Fluss und auf das bunte Blättermeer. Uns fällt auf, dass wir diese Etappe gar nicht so viel an Essen denken und nicht mehr so viel Hunger haben, wie in den letzten zwei Etappen. Vielleicht liegt es an den etwas kürzeren Tagen, sodass der Körper momentan einfach weniger Energie fordert. Wir merken aber beide, dass die Länge der Wanderung den Körper trotzdem gut beansprucht und wir beide einfach generell etwas erschöpfter sind. Auch wenn es uns ansonsten momentan sehr gut geht und wir sehr glücklich sind.



Während der Pause kommt uns ein Finne entgegen. Er kommt aus der DNT Hütte Dividalshytta und will zur Vuomahytta. Allerdings hat er sich gestern am Rücken einen Muskel gezerrt und ist daher etwas langsamer unterwegs. Während wir uns unterhalten, kann er sich mit seinem schweren Rucksack kaum auf den Beinen halten und stützt sich auf seine Trekkingstöcke wie auf Krücken. Wir hoffen mal, dass er gut angekommen ist.

Kurz darauf machen wir uns auch wieder auf den Weg. Nach und nach mischen sich immer mehr Kiefern unter die Birken. Wir sind ganz begeistert davon, einen so schönen Mischwald durchlaufen zu können.



Mit Kiefern haben wir so weit oben im Norden gar nicht mehr gerechnet. Vor allem weil wir mittlerweile so häufig durch baumlose Gegenden gelaufen sind. Jetzt kommt auch die Sonne nochmal raus und beweist, dass sie eigentlich schon richtig warm sein kann. Kommt doch noch ein Indian Summer?

In dieser Gegend soll es auch wieder Bären geben, aber wir sehen zum Glück keinen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass sie sich in diesem Wald mit Blick auf den reißenden Fluss richtig wohlfühlen.

Kurz vor Schluss müssen wir noch über eine Brücke, die uns trockenen Fußes (okay, unsere Füße sind seit Lindesnes nicht mehr trocken gewesen, wenn wir ehrlich sind) über den Fluss Divielva bringt. Eine ziemlich wacklige Brücke übrigens, sodass wir uns beide links und rechts an den Seilen festhalten. Dann sind es nur noch vier Kilometer!

Wir laufen nun durch das Tal Dividalen entlang des Flusses und kommen von einem Sumpf und Schlammloch ins nächste. Es sieht hier richtig nach Urwald aus und wir klettern mehr als einmal über einen umgestürzten Baum, der seinem Schicksal überlassen wurde.

Zwei Kilometer vorm Ziel müssen wir aber nochmal ein ganzes Stück aufsteigen. 220 Höhenmeter trennen uns jetzt noch vom Kamin, an dem wir unsere Socken trocknen können. Aber nach einer halben Stunde ist auch das geschafft.

Die Hütte taucht dann ganz plötzlich hinter ein paar Birken auf. Wir gehen an der Gamle Hytta vorbei und laufen zur Nye Hytta (=neue Hütte). Aber nicht, dass ihr jetzt denkt, dass die neu sei. Sie ist 1978 fertiggestellt worden, ist aber natürlich wieder urgemütlich.

Wir machen den Kamin an, um unsere Sachen zu trocknen und beziehen unsere Betten. Noch ist niemand hier und wir genießen die Stille der Hütte und das Knistern des Feuers.


Tag 112 – 04. September 2026 (23,7 Kilometer)

Gestern Abend kam doch noch ein Wanderer in die Hütte. Besonders gesprächig war er nicht, ihm war es aber wohl viel zu warm in der Hütte (wir hatten ja den Ofen längst angemacht). So verbrachte er immer wieder einige Minuten draußen auf der Veranda und kam dann doch wieder rein, weil es draußen ziemlich kalt geworden ist. Gegen 20 Uhr kehrte dann aber doch Ruhe in die Hütte und wir verzogen uns langsam in unser Zimmer zum Schlafen.

Ich konnte lange nicht einschlafen, bin aber trotzdem total erholt wach geworden. Wir wollen heute etwas früher los als gestern. Der Weg bis zur DNT Hütte Dærtahytta soll bei 24 Kilometern neun Stunden dauern. Wir haben also einiges vor uns.

Wir beeilen uns etwas mit dem Frühstück und gehen um Viertel vor 8 Uhr los.

Jetzt steht erstmal ein ziemlicher Anstieg auf dem Programm, wir wollen gut 400 Höhenmeter rauf. Der Fuchs mag solche Aufstiege. Er meint immer „Lieber einmal alles hinter sich bringen, statt den ganzen Tag über auf und ab zu laufen“. Dem kann ich mittlerweile auch was abgewinnen.



Ziemlich außer Puste kommen wir oben an. Der Ausblick ohne Nebel muss toll hier oben sein! Man hat sicherlich einen tollen Blick auf das Dividalen. Wir hingegen sehen nur eine große weiße Wolke. Die natürliche Nebelmaschine läuft gerade auf Hochtouren!

Zwischen den Nebelschwaden tauchen immer wieder auch Rentiere auf. Nach knapp zwei Stunden kommt sogar ein bisschen die Sonne durch, wie schön! Wir setzen uns für eine erste Pause und verschlingen Nüsse und Schokolade mit Blick auf die Rentiere, die in der Sonne liegen. Wenn nicht so jeder Tag sein könnte. 



Es zieht sich aber dann doch wieder zu und der Wind kommt auch vorbei. Es wird kalt hier oben. Also machen wir uns wieder auf den Weg. Danach geht es über einen kleinen Pass und dann über ein Geröllfeld langsam bergab. Wir können von hier oben schon den Fluss Shaktarelva sehen. Der Nebel hat sich etwas verzogen und so haben wir hier einen Blick über das gigantische Tal. Es ist einfach eine traumhaft schöne Landschaft, durch die wir hier wandern. Der Øvre Dividal Nationalpark ist auf jeden Fall auf meiner Lieblingsliste schon jetzt ganz weit oben.

Wir laufen langsam hinunter ins Tal und kommen dann an den Fluss. Von hier müssen wir irgendwie über den breiten Fluss kommen. Er ist zwar nicht sehr tief, allerdings sind die Steine im Flussbett allesamt mit einer dicken Schicht grünem Schlick überzogen. Sagen wir mal, es war dann doch eine sehr rutschige Angelegenheit und ich war bis zu den Knien im kalten Wasser. Drüben angekommen werden meine Füße aber schnell wieder warm. Flüssefurten ist eigentlich immer wie Kneippen.

Danach laufen wir das Tal auf der anderen Seite wieder etwas hoch. Irgendwo müssen ja die ganzen Höhenmeter im komoot Profil für die heutige Wanderung herkommen.

Nach ein paar Kilometern kommen wir an zwei namenlosen Seen vorbei, bei denen wir genau zwischen den beiden durch wollen. Hier soll es sehr sumpfig sein. Uns wurde auch schon mal erzählt, dass hier Wanderer bis zum Oberkörper im Sumpf eingesunken und alleine nicht mehr rausgekommen sind. Entsprechend vorsichtig gehen wir durch die Stelle. Wir wollen schließlich nicht zur Moorleiche werden, die in 2000 Jahren wieder entdeckt wird.  



Aber die Stelle lässt sich besser gehen, als wir dachten und so kommen wir ganz gut voran. Kurz nach dem sumpfigen Teil geht es nochmal ein Stück hoch. Oben machen wir unsere Mittagspause mit Blick auf eine kleine Rentierherde nicht weit von uns und den Regen um uns herum.



Als der uns einholt, machen wir uns wieder auf den Weg. Jetzt zieht ein eiskalter Wind um uns herum. Mir wird so kalt, dass ich tatsächlich meine dicken Handschuhe raushole, die ich seit Innset dabei habe. Das ist auf jeden Fall richtig flauschig warm!

Der Wind fegt um uns herum und der Regen holt uns auch ein. Ich konzentriere mich auf den Boden vor mir, da viele, glitschige Steine auf dem Weg liegen. Ein paar Sonnenstrahlen hinter mir verraten aber, dass die Wolkendecke irgendwo aufgegangen ist. Auf einmal ruft der Fuchs hinter mir „Schau mal, Elster!“. Ich bleibe stehen und schaue hoch. Vor mir zieht sich ein riesiger, knallfarbener Regenbogen über das Tal. Wir können ihn in Gänze sehen und etwas schwächer ist noch ein zweiter daneben zu erkennen. Es sieht total surreal aus.



Eine Weile bleiben wir in Wind und Regen stehen, um uns das Naturschauspiel anzuschauen, aber dann müssen wir doch weiter. Es ist einfach zu kalt.

Nach ein paar hundert Metern lässt der Regen aber nach. Wir finden einen großen Stein, in dessen Windschatten wir unsere letzte Pause machen können und die Sonne strahlt uns ins Gesicht. Was für ein toller Wandertag das heute ist.

Die letzten Kilometer zur Hütte ziehen sich noch etwas in die Länge. Man läuft mit Blick auf die DNT Hütte Dærtahytta einen riesigen Bogen durch das Tal an glasklaren Seen vorbei, bevor man endlich hoch zur Hütte geht.



Wir kommen nach acht Wanderstunden oben an und nehmen die kleinere Hütte in Beschlag. Hier haben wir zwei Betten reserviert. Wir breiten uns aus und hängen unsere nassen Sachen zum Trocknen auf. Während der Fuchs Wasser aus dem Bach holt, mache ich schon mal Feuer. Mittlerweile kann ich das auch ohne Anzünder richtig gut.


Tag 113 – 05. September 2026 (26 Kilometer)

Als wir uns heute auf den Weg machen, sieht das Wetter wie auch schon die anderen Tage aus: Dichter Nebel verschleiert die wahrscheinlich wunderschöne Landschaft um uns herum. Es ist eisig kalt hier draußen. Da es aber direkt bergauf geht, reichen uns die Windjacken. Oben im Nebel sehen wir nicht viel, als wir über ein Geröllfeld klettern.



Der Fuchs mag diese Wege nicht (er möchte, dass ich die Wege durchs Geröll als „nervtötend“ bezeichne), ich finde sie hingegen ganz witzig. Aber dieses Geröllfeld ist tatsächlich ein paar Kilometer lang und das ist dann schon anstrengend, weil man sich bei jedem Schritt konzentrieren muss.

Die Landschaft hat aber auch etwas für sich, wie sie so im Nebel liegt und zwischendrin erblicken wir immer mal wieder einen kleinen blauen Fleck am Himmel.



Wir machen eine kurze Pause im Windschatten, aber die Luft ist wirklich eisig kalt. Ich ziehe meinen dicken Wollpullover drüber, der Fuchs schlüpft in die Daunenjacke. Als wir wieder loslaufen, spüre ich meine Zehen und Finger nicht mehr. Ich bleibe also im Pullover für den weiteren Weg und ziehe die dicken Handschuhe wieder drüber.



Als wir das Geröllfeld hinter uns lassen, tut sich vor uns ein gigantisches Tal auf und nun kommt auch noch die Sonne raus. Das sieht einfach nur toll aus!

Es geht nun langsam durch die Ebene, durch ein paar Flüsse und nochmal ein paar Höhenmeter hoch und runter. Wir laufen jetzt durch eine felsige Landschaft bergab und können in einer Bergkuppe ein großes Schneefeld sehen, das mit den bunten Herbstfarben überall fast fehl am Platz wirkt.



Wir erreichen nach 16 Kilometern die DNT Hütte Rostahytta. Diese liegt wirklich traumhaft schön und besteht aus drei Hütten: Die Alte, die Neue und die Jubiläumshütte. Wenn wir mehr Zeit hätten, würde ich ja hier auch noch einen Stopp einlegen. Aber wir müssen weiter, da wir sonst zu spät in Kilpisjärvi ankommen – dort haben wir nämlich schon unser absolutes Traumhotel gebucht und freuen uns sehr auf den Ruhetag.



Nach fünf Minuten auf der Bank in der Sonne sitzend, machen wir uns auf den Weiterweg. Es gibt hier zwei Wege, zwischen denen man wählen kann. Entweder man folgt dem E1, der hauptsächlich auf der norwegischen Seite verläuft und nur einen ganz kurzen Abstecher nach Schweden macht. Oder man bleibt auf dem Nordkalottleden, der etwas mehr als einen halben Wandertag durch Schweden verläuft.

Wir haben uns für den Nordkalottleden entschieden. Und so furten wir kurz nach der DNT Hütte Rostahytta den Fluss Iselva. Die Brücke, die eigentlich über den Fluss führt, ist nämlich beschädigt, sodass man etwas oberhalb den Fluss furten muss.



Wir sind aber mittlerweile so viele Flüsse gefurtet, dass uns das jetzt auch nicht mehr abschrecken kann. Also ab ins kalte Nass und weiter geht’s!

Wir kommen auf der anderen Seite des Flusses auf eine schöne, weite Ebene, über die sich der Wanderweg schlängelt. Da die Sonne immer noch scheint, macht das Wandern hier gerade richtig Spaß. Es ist richtig einfach zu laufen und wir haben einen tollen Blick über die Seenlandschaft, wie sie in der Abendsonne glitzert.

Da das Wetter so toll ist und wir noch fit, laufen wir etwas weiter als geplant und stellen unser Zelt erst am östlichen Ufer des Sees Moskánjávri auf.

Wir freuen uns schon sehr auf morgen. Denn da steht ein weiterer Meilenstein auf unserem Programm: Das Treriksrøysa – das Dreiländereck von Norwegen, Schweden und Finnland. Danach werden wir für ein paar Tage nach Finnland kommen. Für mich ist das mit viel Nostalgie verbunden, da ich schon mal in Finnland gewohnt habe und für den Fuchs wird es etwas ganz besonderes, weil er noch nie in Finnland war.

Jetzt scheint die Sonne zwar noch, aber die Luft ist immer noch eiskalt, sodass wir uns schnell ins Zelt verziehen, unsere Tütensuppen essen und  dann in die Schlafsäcke schlüpfen.


Tag 114 – 06. September 2026 (22,5 Kilometer)

Als wir heute Morgen wach werden, ist es draußen eisig kalt. Aber es regnet nicht, darüber freuen wir uns! Es sieht tatsächlich fast freundlich aus, als wir aus dem Zelt linsen.

Als wir uns gegen kurz vor 8 Uhr auf den Weg machen, fegt ein kalter Wind über die Fjellebene. Nach ein paar Höhenmetern ist uns aber warm genug und das Wandern geht richtig gut. Wir laufen über eine schöne, weite Ebene und die Aussicht geht kilometerweit in die Ferne. Wir sehen hohe Gipfel, die leicht angezuckert sind und Gras- und Fjelllandschaften, die sich rot färben.



Ich weiß, dass ich andauernd über den Herbst schreibe, aber er ist hier hoch im Norden wirklich atemberaubend schön. Und heute können wir ihn sogar mal im Sonnenschein genießen!

Nach sechs Kilometern kommen wir an die Pältsastugan, eine schwedische Fjellstue, an der wir eine erste Pause machen. Wir setzen uns auf eine Bank in die Sonne und genießen die Wärme. Ich trage erst mal Sonnencreme auf – so viel Sonne bin ich ja gar nicht gewöhnt. An der Stugan ist aber nichts los, nur der Hüttenwart läuft umher und ist mit Reparaturen am Haus beschäftigt.



Nach ein paar Minuten und vielen Nüssen und getrockneten Früchten, geht es für uns weiter. Wir wollen jetzt auf den nächsten Berg hoch, wofür wir nochmal 250 Höhenmeter aufsteigen. Wir kommen erst durch ein dichtes, gelbes Birkenwäldchen und dann sind wir wieder über der Baumgrenze. Ein kühler Wind weht hier oben, aber durch die Sonne macht uns das heute wenig aus.



Als wir oben ankommen, sehen wir zwei ältere Wanderer, deren Rucksäcke so groß und schwer aussehen wie sie selbst. Wir überholen sie. Nach einer kleinen Talfahrt geht es an zwei Seen vorbei und dann über den nächsten Hügel.

Oben angekommen, machen wir an einem namenlosen See Pause. Wie schön kann Pause hier sein? Wir können unser Wetterglück heute kaum glauben und genießen die Sonne so sehr. Wir lernen die Sonne und Sonnenstrahlen gerade richtig zu schätzen, nachdem wir sie auf unserer bisherigen Reise so selten um uns hatten.

Weiter geht es dann über weite Fjellebenen mit tollen Ausblicken auf die umgebenden Berge. Alles leuchtet orange um uns herum. Es ist einfach toll und macht richtig viel Spaß.

Uns kommt noch eine Wandergruppe entgegen, dann machen wir uns an den Abstieg zum Dreiländereck, dem Treriksrøysa. Wir laufen nochmal durch ein Birkenwäldchen und dann stehen wir auch schon am Dreiländereck. Wie gesagt, ich finde diese gelben Klötze gar nicht so hässlich.

Wir machen ein paar Fotos und dann geht es auch schon weiter. Jetzt sind wir in Finnland! Nach all dem Hin und Her zwischen Norwegen und Schweden der vergangenen Wochen lassen wir Schweden damit endgültig hinter uns. Ein merkwürdiger Gedanke. Wieder ist ein Teil dieser Reise abgeschlossen und wieder sind wir unserem Ziel ein kleines Stück näher.

Wir schauen uns noch die finnische Hütte an, die nur ein paar Meter hinter dem Treriksrøysa liegt. Aber bei diesem tollen Wetter wollen wir viel lieber zelten. Auf der finnischen Seite ist Zelten allerdings verboten, weil es sich um ein Naturreservat handelt.

Wir laufen also nochmal ein Stück zurück, wieder auf die norwegische Seite der Grenze und stellen kurzerhand unser Zelt direkt hinter der Grenze auf. Nun stehen wir im Sonnenuntergang zwischen gelben Birkenbäumchen und haben ganz viele Schichten an. Denn trotz Sonne ist es heute nicht warm geworden, die Luft ist nordisch kühl.


Tag 115 – 07. September 2026 (17,9 Kilometer)

Eigentlich schreibe ich den Tagesbericht immer abends. Sonst habe ich bis zum nächsten Tag das Gefühl, die Hälfte schon wieder vergessen zu haben. Gestern ging es am letzten Tag der Etappe nach Kilpisjärvi und ich habe es einfach nicht mehr geschafft, den Tagesbericht zu schreiben. So muss ich das jetzt am Ruhetag nachholen.

Ich frage den Fuchs „Was war denn gestern? Kann mich gar nicht mehr richtig erinnern…“. Der Fuchs erwidert „Gestern war ein toller Sonnenaufgang und dann ist das Wetter immer beschissener geworden und irgendwann hat’s geschneit.“ Ja, so kann man den Tag wettertechnisch auch zusammenfassen.

Aber langsam kommt die Erinnerung zurück und ein bisschen mehr als das kann ich euch dann doch erzählen.

Es stimmt, wir hatten einen wunderschönen Morgen mit einem tollen Sonnenaufgang hinter dem Zelt. Allerdings war das für uns diesmal richtig früh: Finnland hat eine Stunde Zeitverschiebung und um pünktlich in Kilpisjärvi für den Check-in unseres Hotels anzukommen, richten wir uns jetzt ein paar Tage nach finnischer Zeit.

Es ist unglaublich still hier draußen und wir haben das Gefühl, die einzigen Menschen auf diesem Planeten zu sein. Um uns herum liegen gelbe Birken, Berge und eine Landschaft, die gerade dabei ist, sich auf den Winter vorzubereiten. Und während wir hier durch diese unglaubliche Natur laufen, haben wir endlich wieder Netz und werden prompt von den Nachrichten zu den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt erschlagen.

Ich schreibe auf diesem Blog eigentlich übers Wandern. Über nasse Füße, schwere Rucksäcke, schöne Landschaften und gelegentlich über die wirklich wichtigen Fragen des Lebens: Zum Beispiel, wann es die nächste Waffel gibt (Spoiler alert: in Kilpisjärvi). Aber auch auf einem Wanderblog haben Demokratie, Menschlichkeit, Vielfalt und der Schutz unserer Natur für mich einen Platz.

Vielleicht beschäftigt mich das gerade hier draußen nochmal mehr, als man denken würde. Seit Monaten erleben wir jeden Tag, wie wertvoll und gleichzeitig verletzlich diese Landschaften sind. Wir treffen Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, werden willkommen geheißen, bekommen Hilfe und teilen Hütten, Wege und Geschichten miteinander. Grenzen überqueren wir zu Fuß und stellen dabei immer wieder fest, dass sie in der Landschaft oft nicht mehr als eine Linie auf der Karte sind.

Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der wir Natur und Klima schützen, Menschen nicht danach beurteilen, woher sie kommen, wen sie lieben oder woran sie glauben, und in der wir füreinander Verantwortung übernehmen, statt immer nur an uns selbst zu denken.

Das gehört vielleicht nicht zum klassischen Wanderbericht, aber eben irgendwie doch.

Richtig früh machen wir uns also auf den Weg und laufen durch das Naturreservat Mallan Luonnopuisto Richtung Kilpisjärvi. Wir könnten auch ein Schiff über den See Kilpisjärvi nehmen, aber wir wollen laufen und den Herbstwald genießen.

Je höher wir aufsteigen, desto kühler wird es. Bis wir schließlich über eine leichte Eisschicht, die sich über dem Schlamm gebildet hat, laufen und statt dass wir einsinken, hören wir ein leises Knirschen unter den Füßen.



Um uns herum fallen die gelben Blätter von den Bäumen und als wir oben am Iso-Malla Gipfel vorbeilaufen, sind wir wieder oberhalb der Baumgrenze. Wir kommen an einer Nothütte vorbei, in der man zwar nicht schlafen darf, aber wir zumindest windgeschützt unsere Pause machen können. Auch wenn wir hier nur auf 680 Metern sind, ist es bitterkalt. Wir snacken schnell ein paar Nüsse und getrocknete Früchte, dann geht es auch schon weiter.



Nach der Pause muss ich in Daunenjacke laufen, weil mir hier oben einfach zu kalt ist. Und kurz darauf fängt es einfach an zu schneien. Ist der Winter doch schon da?!



Aber nach ein paar Minuten hört es wieder auf, zum Glück. Jetzt kommen wir nach einiger Zeit wieder in den gelben Wald und uns kommen ein paar Tagestouristen entgegen. Kurz darauf stehen wir auch schon auf dem Wanderparkplatz, auf dem einiges los ist.

Von hier könnten wir die Straße Richtung Kilpisjärvi nehmen. Aber wir gehen auf dem Wanderweg, der jetzt in Finnland übrigens nicht mehr der Nordkalottleden ist, sondern der Kalottireitti, oberhalb der Straße weiter. Der Wald ist einfach so schön.



Ab dem Wanderheim biegen wir aber auf die Straße ab, da der Wanderweg, der nach Kilpisjärvi weiterführt, einen größeren Umweg bedeuten würde.

Die letzten fünf Kilometer nach Kilpisjärvi ziehen sich nochmal, aber es ist nicht so viel los auf den Straßen. Ein paar Wohnmobile kommen uns noch entgegen.

Als wir gegen kurz vor 13 Uhr in Kilpisjärvi stehen, haben wir noch drei Stunden Zeit, bis unser Hotel für uns bereit ist. Da wir noch kein Mittagessen hatten, gehen wir ins nächste Restaurant, das wir in der Kilpishalli finden und bestellen uns bei bester 2000er Playlist einen Muffin, einen Berliner mit pinkem Zuckerguss, eine große Schale Pommes frites und je einen Burger und Spaßgetränke – auf das Erreichen eines Etappenziels muss schließlich angestoßen werden.



Während wir unsere Spaßgetränke schlürfen, machen wir schnell noch die Routenplanung für die nächste Etappe fertig. Wir werden erstmal bis Storslett laufen, um dort wieder einzukaufen. Dann müssen wir jetzt erstmal nur für fünf Tage Lebensmittel mitnehmen, was eine echte Entlastung ist. Anschließend geht es über das Mattisdalen nach Alta, wo unser nächster Ruhetag ansteht. Der letzte auf dieser Reise.

Wir machen noch schnell den Einkauf im Supermarkt nebenan. Neben Lebensmitteln für die nächste Etappe kaufen wir uns auch je eine kleine Thermoskanne. Das Wasser in den Plastikflaschen wird unterm Tag mittlerweile eiskalt und ich kann es kaum trinken. Den Sportsladen gibt es leider nicht mehr. Gerne hätte ich mir noch eine wärmere Leggings zugelegt, denn mir wird bei dem eiskalten Wind langsam doch ziemlich kalt an den Waden. Aber dann muss es wohl auch so gehen. Der Supermarkt ist übrigens sehr gut ausgestattet für Outdooressen – es gibt gefühlt 50 verschiedene Trekkinggerichte und auch sonst kriegen wir hier alles und auch günstiger, als in Norwegen.

Pünktlich um 16 Uhr finnischer Zeit stehen wir mit Taschen voller Lebensmitteln in der Lounge des wunderschönen Cahkal Hotels, auf das wir uns seit Tagen freuen. Wir checken ein, gehen direkt duschen. Und unter Schlamm, Schweiß und Fjellschichten finden wir doch tatsächlich wieder zwei Menschen!Anschließend geben wir noch unsere ganzen Klamotten in die Wäsche (hier gibt es einen Wäschedienst, den man für 10 € pro Wäschegang buchen kann) und sortieren unsere Rucksäcke aus. Wir nehmen alles nochmal in die Hand und überlegen, ob wir es auf dem weiteren Weg tatsächlich noch brauchen. Und so landen zum Beispiel meine Sonnenbrille (wurde ganze zweimal getragen in den letzten 115 Tagen!), unsere Mützen, T-Shirts und Becher (wir haben ja jetzt Thermoskannen) im Paket nach Hause.

Den Abend verbringen wir mit erstaunlichen Mengen Obst und fallen völlig erschöpft pünktlich um 20:30 Uhr ins Bett. Da der Himmel bedeckt ist, brauchen wir uns für Nordlichter keinen Wecker stellen. Vielleicht haben wir ja auf der nächsten Etappe Glück.


Und damit ist auch diese Etappe geschafft. 2.097,5 Kilometer liegen mittlerweile hinter uns und nicht einmal mehr 500 Kilometer vor uns. Nur noch zwei Etappen. Das fühlt sich gleichzeitig nach unglaublich wenig und noch ziemlich viel an.

Vielleicht liegt es am Herbst, der hier oben gerade mit aller Macht durch das Fjell zieht, aber momentan werden wir ständig daran erinnert, dass Dinge irgendwann zu Ende gehen. Die Birken werden gelb, die Berge bekommen ihre ersten weißen Spitzen und heute sind sogar die ersten Schneeflocken auf uns gefallen. Und auch unsere Reise geht langsam in ihre letzte Phase.

Das Verrückte daran: Ausgerechnet jetzt haben wir uns so richtig in diesem Leben eingeflauscht. Morgens den Rucksack packen, einen Fuß vor den anderen setzen, Flüsse furten, im Regen fluchen, Rentiere zählen, abends irgendwo das Zelt aufstellen und am nächsten Morgen das Ganze einfach wieder von vorne. Selbst Geröllfelder finde ich mittlerweile teilweise lustig, wer hätte das vor 2.000 Kilometern gedacht?

Noch wollen wir deshalb gar nicht zu viel darüber nachdenken, wie es sein wird, wenn es irgendwann kein „Morgen laufen wir weiter“ mehr gibt. Zum Glück müssen wir das auch noch nicht.

Vor uns liegen noch knapp 500 Kilometer, ziemlich viel Fjell, vermutlich noch mehr Schlamm und bei der aktuellen Wetterentwicklung möglicherweise die ein oder andere Schneeflocke. Und irgendwo ganz da oben wartet das Nordkap.

Also gut. Thermoskanne einpacken, Daunenjacke griffbereit halten und weiter nach Norden. Wir sind schließlich noch nicht fertig.


Entdecke mehr von diewanderelster

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von diewanderelster

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen