NPL Etappe 8.2: Von Meråker nach Røyrvik über Snåsa (143 Kilometer)


Die vergangenen Wochen waren geprägt von Sümpfen, Flussquerungen und jeder Menge Abenteuer. Doch auf einer Fernwanderung besteht nicht jeder Abschnitt aus spektakulären Landschaften. Manchmal geht es einfach darum, Kilometer zu machen – auch wenn das bedeutet, stundenlang auf Asphalt unterwegs zu sein, dem Regen zu trotzen und sich mit der Vorfreude auf das nächste große Highlight über Wasser zu halten.

Zwischen Meråker und Røyrvik liegen viele Straßenkilometer, kleine Alltagsabenteuer, warme Hütten, Pfannkuchen, Tankstellen-Hotdogs und schließlich ein ganz besonderer Moment: Wir erreichen die Hälfte unserer Norge på langs Wanderung. Und während unsere Füße noch über Teer laufen, sind unsere Gedanken längst im Børgefjell unterwegs, wo das nächste große Abenteuer schon auf uns wartet.


NPL Statistik

  • Mückenbarometer: 2/10
  • Übernachtungen
    • Zeltübernachtung: 3
    • Hüttenübernachtung: 1
    • Sonstige Unterkünfte: 2
  • Flussüberquerungen: 1
  • Tage ohne Regen: 1
  • Waffeln/Pfannkuchen: 5
  • „Es ist nicht mehr weit“, obwohl es noch weit war: 1x
  • Bonusmeter aufgrund Orientierungskompetenz oder Wegfindungsschwierigkeiten: 0 (Juhuu!)
  • Rentiere/Elche: 1
  • Gelaufene Blasen: 1
  • Anzahl Duschen: 2
  • Ohrwurm der Woche:
    • Elster: Tom Petty – I won’t back down (Danke an den Supermarkt, wo der Song lief)
    • Fuchs: Beagle Music – Like ice in the sunshine

Gesamtkilometer: 1359 Kilometer

Tierbeobachtungen: diverse Insekten, diverse Vögel, die wir nicht erkennen, ein Moorhuhn, das wir erkennen und zwei (!) Auerhähne, viele Kraniche, ein Elch, richtig viele Frösche und zwei Hasen


Tag 68 – 22. Juli 2026 (27,5 Kilometer)

Wir sind heute beide etwas angespannt, da die heutige Etappe teilweise an bzw. auf der E6 Autobahn entlang führt. Sprich, wir werden viel Verkehr um uns herum haben und es könnte ggf. auch an einigen Stellen gefährlich für uns als Fußgänger werden. Diese Straße ist natürlich nicht mit einer Autobahn in Deutschland vergleichbar, aber der Verkehr ist schneller, es wird viele Lastwagen und Camper geben und es wird  entsprechend laut sein. Wenn man das Blåfjell umgehen möchte, dann verläuft die einzig mögliche Alternative, die irgendwie Sinn ergibt, über Snåsa. Und zwischen Snåsa und Grong, Teil 1 dieser Etappe weiter Richtung Røyrvik und Børgefjell, gibt es wahrscheinlich keine guten Wanderwege neben der Straße. Obwohl dieser Part Teil vom Pilgerweg Nordleden ist, finden wir sehr unterschiedliche Infos zu der Beschaffenheit des Weges. Laut Internetseite wird der Nordleden momentan neu markiert und die Wege aufbereitet, wie gut dies aber vorangeschritten ist können wir nicht einschätzen.

Wir starten den Tag daher erstmal mit einem ausgiebigen Frühstück im Hotel. Wir sind um Punkt 7 Uhr nicht die Ersten, die frühstücken wollen, was mich echt überrascht. Wir lassen uns etwas Zeit, und so ist es, obwohl unsere Rucksäcke schon vor dem Frühstück fertig gepackt sind, schon halb 9 Uhr als wir uns endlich auf den Weg machen.

Zu Beginn gehen wir hinter dem Snåsa Hotell für fünf Kilometer eine Nebenstraße Richtung E6, die uns erstmal 150 Höhenmeter hoch befördert. Als wir an der E6 ankommen, ist zwar gerade noch nicht viel Verkehr, aber obwohl komoot uns einen Wanderweg bzw. den Nordleden direkt neben der Straße anzeigt, gibt es hier keinen Weg neben der Fahrbahn. Uns ist beiden etwas mulmig zumute, aber wir sind hier alternativlos. Also gehen wir direkt an der Fahrbahn und sobald sich ein Auto nähert, gehen wir die Böschung ein Stück runter, warten und gehen erst weiter, wenn das Fahrzeug vorbei ist.

Wir brauchen so etwas länger, als wenn wir einfach durchlaufen würden. Aber unsere Geschwindigkeit spielt heute weniger eine Rolle. Die Lastwagen und Autos brausen in einer enormen Lautstärke an uns vorbei und ich erschrecke immer wieder, wenn ich das Gefühl habe, dass sie besonders nah an uns vorbeidüsen. Obwohl uns in komoot immer wieder kleinere Passagen neben der Autobahn angezeigt werden, existieren diese leider nicht (mehr). Erst bei Kilometer 9,5 können wir das erste Mal von der E6 runter auf einen Forstweg abbiegen, der bald zum Sumpf wird.

Das letzte Stück des Weges, welcher dann die E6 kreuzt und auf der anderen Seite weitergeht, wird zur berüchtigten „alten“ E6. Die E6 wird nämlich seit ein paar Jahren erneuert und die alten Teerstücke finden sich immer wieder um die neue Autobahn drum herum.

Als wir die Straße kreuzen, kommen wir danach auf einen netten moosbewachsenen Weg, welcher erst vor ein paar Tagen frisch gemäht wurde. Wir freuen uns, dass wir uns hier nicht durchs Gebüsch kämpfen müssen.

Als wir gegen kurz nach 12 Uhr an der Heia Gjestegård ankommen, beschließen wir hier eine kurze Pause zu machen. Wir bestellen uns zwei Waffeln und Tee und genießen eine Weile aus dem Autolärm rausgekommen zu sein. Dann füllen wir noch unser Wasser auf und weiter geht’s.

Der Weg nach der Gjestegård ist wieder ein altes Stück E6, ist aber nach knapp einem Kilometer vorbei und endet in dicht bewachsenen Wald, den wir nicht durchdringen können. Also wieder rauf auf die Straße…

Dann sind wir wieder für zwei Kilometer auf der Autobahn. Es klingt nach nicht viel, es fühlt sich aber schier unendlich an. Die Straße ist mittlerweile auch gut voll, sodass wir eine halbe Ewigkeit mit unserer Strategie brauchen, immer stehen zu bleiben, wenn etwas vorbeifährt. Ich fühle mich dabei gar nicht wohl und will nur runter von der Straße.

Dann ist es endlich geschafft. Wir kommen auf einen Weg links neben der Autobahn, der wahrscheinlich sonst eher eine Loipe ist, es lässt sich aber gut gehen. Lieber sinke ich gerade knöcheltief in Moos ein und esse dabei ein paar Moltebeeren, als weiter auf der E6 zu gehen!

Interessant ist dabei, dass die Karten durchgehend einen Wanderweg neben der E6 anzeigen, der eigentlich der Nordleden sein müsste. Faktisch existiert dieser Weg hier aber kaum noch. Also: Wer plant hier entlang zu gehen, kann das machen. Ich würde aber im Nachhinein das connecting footsteps über Bord werfen und zumindest die Kilometer 5 bis zur Gjestegård einfach trampen.

Der restliche Weg nach Grong ist dann vollkommen in Ordnung. Wir kommen kurz über einen neuen Radweg, der dann doch zur Loipe wird.

Bald verwandelt sich die Loipe aber doch in einen Kiesweg und dieser führt uns dann zielsicher nach Grong. Immer an der E6 entlang, oder unter ihr hindurch, also stets mit Fahrzeuglärm im Hintergrund. Aber zumindest der letzte Teil des Tages ist wieder sehr hübsch zu gehen und führt an Kühen und über Hängebrücken vorbei.

Letztlich kommen wir um kurz nach 17 Uhr an unserer Unterkunft in Grong an. Als wir eintreten, ist die Heizung wohl auf höchster Stufe, denn es ist richtig schön warm drinnen. Wir springen erstmal unter die Dusche. Auch wenn wir erst gestern duschen waren, ist es doch gut, den Angstschweiß abzuwaschen, um morgen wieder fit starten zu können.


Tag 69 – 23. Juli 2026 (23 Kilometer)

Gefühlt kommen wir heute nicht so richtig los: Draußen sieht das Wetter wenig einladend aus. Eine dicke Wolkendecke hängt über Grong. Angeblich soll es bis frühen Abend trocken bleiben. Schauen wir mal!

Während wir frühstücken stelle ich mir vor, dass wir tatsächlich nur 1000 Kilometer gegangen wären. Dann wären wir mittlerweile schon längst da. Eine komische Vorstellung. Während ich darüber nachdenke, wird mir aber bewusst, dass auch wenn ich da vor ein paar Tagen minimal mit geliebäugelt habe, ich mir das heute schon nicht mehr vorstellen kann. Welch ein Glück, dass wir noch 1500 weitere Kilometer vor uns haben und diese Wanderung machen dürfen. Oder eben bis wir nicht mehr können.

Wir machen noch einen kurzen Stopp am Einkaufszentrum. Wir brauchen ein paar Snacks und neues Autan mit mehr Deet. Das 30-prozentige reicht hier einfach nicht. Die Apotheke hat 50%. Ich hoffe, dass das endlich reicht und die Bremsen verscheucht.

Wir laufen aus Grong raus und befinden uns wieder auf dem Pilgerweg, nur zum Pilgern in die falsche Richtung. Denn wer pilgert, ist eher Richtung Trondheim unterwegs, statt gen Norden. Der erste Anstieg ist zwar steil, aber flott gemacht. Dann geht es über eine Viehweide und wir sind kurz darauf in hohem Gebüsch.

Den Weg finden wir beide irgendwie witzig. Zwischendurch haben wir das Gefühl, dass er vor Kurzem erst von jemand anderem gegangen worden sein muss und dann stehen wir wieder an Stellen, die seit Jahren wohl keinen Wanderstiefel mehr gesehen haben. Aber an sich ist der Weg toll und auch ein bisschen abenteuerlich. Genau unser Geschmack.

Nach einer Stunde sind wir auf der anderen Seite des Hügels angekommen, und laufen wieder über verschiedene Höfe, an Weiden vorbei und machen eine kurze Pause neben einem Kiesweg. Kurz danach soll es nochmal steil hoch gehen, und ich brauche auf jeden Fall vorher noch was zu Essen.

Kurz darauf kommen wir auf eine Hochebene, durch die uns ein perfekter Wanderweg führt. Hier sind auch überall Pausenbänke. Wenn wir das gewusst hätten! Aber eine zweite Pause brauchen wir nicht, also ziehen wir durch. Wir sprechen derweil viel über Meilensteine der Wanderung. Ich habe das Gefühl, gerade ganz viele Meilensteine, die wir bei der Planung immer im Kopf hatten, bald zu erreichen. Die 1000 Kilometermarke ist geknackt, bald haben wir die Hälfte der Wanderung. Das Børgefjell ist zum Greifen nah und dann kommen wir in Umbukta an. Danach kommt schon der Polarsirkelen… Es sind so viele tolle Dinge, die jetzt bald auf unserem Programm stehen und ich freue mich einfach so immens drauf.

Nachdem wir die obere Ebene hinter uns lassen, geht es für einen Moment wieder auf eine Straße, über den Namsen Fluss rüber auf die andere Uferseite und ein paar Kilometer auf Kiesweg weiter. Wir brauchen aber erstmal eine ausgiebige Mittagspause, und finden ein Briefkastenhäuschen, das uns stark an Bushäuschen aus den ersten Etappen erinnert.

Kurz darauf kommen wir auf Wanderwege, die direkt am Wasser entlang führen und wir finden einen tollen Fels, der in den Fluss hineinragt. Hier reiht sich ein schöner Angelplatz nach dem nächsten. Da müssen wir wohl nochmal Pause machen!

Gegen 15:30 Uhr haben wir unser Tagesziel auch schon erreicht. Wir schlafen heute endlich wieder im Zelt – zwei Nächte hintereinander drinnen gewesen zu sein, hat sich fast schon merkwürdig angefühlt. Wir beziehen einen Zeltplatz auf dem Harran Camping direkt am Wasser und plündern dann die warme Theke bei der Tankstelle. Die Beute verschlingen wir dann genüsslich am Wasser.


Tag 70 – 24. Juli 2026 (26,5 Kilometer)

Wir schlafen heute mal einen Moment länger – erst um 7:30 Uhr klingelt uns der Wecker aus den Federn. Grund dafür ist, dass wir für die nächsten dreieinhalb Tage noch einkaufen müssen, der Supermarkt in Harran aber erst um 9 Uhr aufmacht. Also wird es ein ziemlich gemütlicher Morgen mit entspanntem Frühstück im Zelt. Draußen prasseln die Regentropfen auf unser Zeltdach. Es soll heute tatsächlich durchgängig regnen. Wir schauen mal.

Um kurz vor 9 Uhr laufen wir vom Campingplatz ein paar hundert Meter weiter zum Supermarkt und decken uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage ein. Neben Frühstück, landen auch haufenweise Snacks im Einkaufswagen. Wir packen übrigens unsere Rucksäcke immer je in einen Wagen, damit wir nicht mal ausversehen etwas umwerfen.

Als die Rucksäcke wieder prall gefüllt sind, geht es weiter. Der Weg führt uns heute kurz an der E6 entlang raus aus Harran und dann sind wir auch schon wieder auf Nebenstraßen. 

Wir laufen wie gestern an Angelstellen vorbei und genießen den Blick auf den Namsen Fluss, der uns heute den ganzen Tag begleiten wird. Kurz darauf geht es auf Waldwege, Kieswege und wir treffen auf die Bahngleise, die wir heute mehrfach kreuzen werden. Als wir das erste Mal nah an den Gleisen vorbeikommen, fährt auch direkt ein Zug vorbei und der Schaffner winkt uns lachend zu.

Vielleicht ist es der Zug, oder aber, dass wir die Hälfte unserer Wanderschaft bald erreicht haben, aber wir spinnen heute etwas darüber, wie wir wohl vom Nordkap zurückreisen werden. Natürlich noch viel zu früh, um ernsthaft zu planen, aber die Vorstellung einer Schiff- und Zugreise spricht uns doch sehr an. Ob wir vielleicht sogar auf dieser Strecke wieder entlang kommen würden? So viele Gleise gibt es hier im Norden ja nicht mehr.

Ansonsten ist der Weg heute einfach zum Meter machen. Es geht zwar immer mal auf und ab, aber ansonsten lässt es sich einfach gehen. Ich muss momentan immer etwas über komoot schmunzeln, weil komoot momentan wirklich jede Strecke als ’schwierig‘ einstuft. Dabei verstehe ich beim besten Willen nicht, was hieran schwierig sein soll, außer, dass wir den ganzen Tag dafür brauchen.

Ansonsten scheuche ich irgendwann noch einen Auerhahn auf, der neben uns im Gebüsch sitzt. Witzig eigentlich, denn wenn er sich nicht lautstark vor uns weggewuchtet hätte, hätten wir ihn ja nie gesehen bzw. wahrgenommen… Nachdem wir nach knapp 20 Kilometern den Staudamm überschreiten und so nun den Namsen Fluss tatsächlich hinter uns lassen, kommen wir wieder an die E6 und laufen jetzt parallel zu ihr auf der „alten“ E6.

Am Ende des Tages kommen wir trotz Regen noch in ein kurzes Wasserproblem. Der Fuchs hat nichts mehr und ich nur noch knapp einen halben Liter. Das reicht uns auf jeden Fall nicht bis morgen. Zum Glück hat es aber den Tag über geregnet, sodass wir beim Einbiegen auf die Straße zur Skorovashøtta doch noch an einem Rinnsal vorbeikommen. Das Wasser ist trotz Filtern relativ bräunlich, sodass wir noch  Chlortabletten hinterherschmeißen. Sicher ist sicher.

Einen Zeltplatz finden wir dann vor einem Grundstück im Wald, direkt an einem kleinen Wasserfall. Von hier aus sollte man uns nicht sehen können. Also wird das Zelt aufgestellt, wir machen uns noch Couscous zum Abendessen und dann wird geschlafen.


Tag 71 – 25. Juli 2026 (20,5 Kilometer)

Ich bin nachts immer mal wieder wach geworden und habe den Regen auf das Zeltdach klatschen hören. Und auch als wir aufstehen, prasselt dichter Regen auf uns herab. Zum Glück sind wir im Zelt. Aber das wird sich ja gleich ändern. Heute und die kommenden zwei Tage steht ziemlich viel Straße auf unserem Programm. Darauf freuen wir uns nicht gerade, aber da müssen wir jetzt einfach durch.

Nach dem Frühstück im Zelt passen wir einen günstigen Moment ab, in dem wir das Zelt ohne Regen zusammenpacken können. Und dann geht es los.

Von Straße über Straße und noch mehr Straße laufen wir also jetzt. Zumindest ist hier nichts los. Uns kommen nur alle paar Kilometer mal Autos entgegen. Das ist auch schon die einzige Ablenkung, die wir von dem Teer unter unseren Füßen bekommen. Ich denke zwischendurch, dass wir schon eine halbe Ewigkeit unterwegs sind. Ich schaue auf komoot: Sechs Kilometer. Na das ist ja noch nicht genug, weiter geht’s. Dem Fuchs ist auch langweilig. Er interpretiert Songs neu, sodass es jetzt eine DNT Hütten-Version von Haus am See gibt.

Wir wollen heute bis zur DNT Hütte Skorovashøtta laufen, die ist ziemlich genau 20 Kilometer entfernt. Da heute Abend sturmartiger Wind angesagt ist und es den ganzen Tag regnet, kann ich mich mit der Vorstellung von einem warmen Kamin gut anfreunden.

Nach ein paar weiteren Kilometern sehen wir an einem Parkplatz zwei Frauen mittleren Alters über die Straße raus auf die Felslandschaft gehen. Ich kann es kaum glauben: Norwegische Menschen, die wandern? Gefühlt das erste Mal, dass wir das sehen.

Kurz darauf kommen wir am Storskorovatnet See an. Jetzt ist es zum Glück tatsächlich nicht mehr weit zu unserem Tagesziel. Gut, denn meine Füße tun langsam weh vom Teer. Andererseits ist es erst kurz nach 13 Uhr – auch wenn es komisch ist, jetzt schon die Rucksäcke abzusetzen, finde ich einen halben Ruhetag am Kamin bei dem Wetter mittlerweile richtig gut.

Wir huschen noch kurz in den kleinen Einkaufsladen um die Ecke. Die DNT Hütte Skorovashøtta hat zwar auch ein paar Lebensmittel vorrätig, aber die Lebensmittel sind in den Hütten meist etwas teurer als im regulären Supermarkt und so kaufen wir vorher schon ein, was wir brauchen: eine Pfannkuchenpackung, zwei alkoholfreie Biere (wir können nicht immer süße Schorle trinken), und natürlich gibt’s auch eingelegte Pfirsiche!

Als wir an der Hütte ankommen, ist schon ein Niederländer da, der die Hütte für einen Day Stay nutzt. Er ist mit dem Van unterwegs und fährt Norwegen der Länge nach in den Norden und dann wieder zurück. Auch eine Art von Norge på langs, nur deutlich trockener.

Danach mache ich einen Berg Pfannkuchen, den wir nicht schaffen (der Laden hatte nur die Familienpackung), sodass wir noch Pfannkuchen zum Abendessen haben können, und vielleicht sogar auch noch zum Frühstück – was ein Leben!

Die restliche Zeit am Nachmittag trinken wir Mocha Cappuccino am Kamin, lassen die Füße den Teer vergessen und den Abend ausklingen mit Bloglesen, Tourplanung und sonstigen Recherchen.


Tag 72 – 26. Juli 2026 (26,4 Kilometer)

Heute Nacht konnte ich nicht so gut zur Ruhe kommen. Es sind abends noch zwei Norweger in die Hütte gekommen, die auf einem Angeltrip sind. Und die Zeit des Nichtangelns mit der Vernichtung von ein paar Bierdosen rumkriegen wollten. Sie ziehen zwischendurch noch in den Pub um die Ecke weiter – der sei wohl eine wahre Institution hier in der Gegend. Als sie wiederkommen, ist es zwar nicht laut, aber ich werde trotzdem gegen 3 Uhr wieder wach und merke, dass unten im Wohnzimmer noch Betrieb ist.

Als gegen 6:30 Uhr der Wecker klingelt, bin ich also nicht ganz so ausgeschlafen. Aber ich merke, dass der halbe Ruhetag gestern gut getan hat. Okay, 20 Kilometer sind vielleicht kein halber Ruhetag, aber da wir ja gegen 13 Uhr da waren, hat es sich so angefühlt.

Wir machen uns noch die restlichen Pfannkuchen vom Vortag, schultern die Rucksäcke und schauen aus dem Fenster: Strömender Regen. Mh, sollen wir den Schauer vielleicht doch abwarten?  Aber was soll das bringen – wir werden ja eh wieder nass. Also machen wir uns auf den Weg.

Der Weg ist heute denkbar einfach: Straße. Und wir bleiben den gesamten Tag auf derselben. Herausfordernd ist das nicht. Heute ist aber die Landschaft etwas hübscher als gestern, da wir heute mal etwas mehr Weitblick, auch auf die umliegenden Berge bekommen. Der Himmel ist aber so wolkenverhangen, dass es aussieht, als wäre es gar nicht richtig hell. In gefühlter Dämmerung laufen wir also unsere Strecke ab.

Da auch heute ganz im Sinne des „Einfach nur Meter machen“ war, gibt es zu dem Tag auch nicht viel mehr zu erzählen. Unsere Gedanken sind längst im Børgefjell unterwegs. Unsere Füße leider noch auf Asphalt. Und sonst schweifen wir ab zum Belohnungsessen und dem Pausentag in Røyrvik. Das haben wir uns nach 13 Tagen durchlaufen auf jeden Fall verdient 😇


Tag 73 – 27. Juli 2026 (18,9 Kilometer)

Als wir heute Morgen wach werden, hören wir lautes Trommeln auf dem Zeltdach: Es regnet. Na hoffentlich ist das gleich vorbei, wenn wir loswollen. Dann geht die Morgenroutine los: Schlafsäcke einpacken, Isomatten klein machen und ebenfalls verpacken, aus den Schlafsachen raus, in die Wanderkleidung rein und dann Frühstück.

Als wir gegen Viertel nach 7 Uhr startklar sind, hat der Regen tatsächlich aufgehört, wie schön! Die ersten paar Kilometer geht es erstmal der Straße folgend einen Berg hoch. Hier ist heute morgen so gar nichts los. Bis um 9 Uhr kommt an uns kein einziges Auto vorbei. Wir laufen durch eine schöne Berglandschaft, die ab und zu ein paar Sumpfstellen aufweist. Wir freuen uns schon total darauf, übermorgen wieder ins Wilde zu kommen: Das Børgefjell steht endlich auf unserem Programm und wir können es echt kaum erwarten.

In den letzten zwei Wochen hatten wir auch echt sehr schöne Gegenden, durch die wir durchgewandert sind, aber jetzt freuen wir uns wirklich auch, wieder etwas matschigen Boden unter die Füße zu bekommen. Etwas nervös sind wir trotzdem, denn im Børgefjell werden wir das erste Mal weglos unterwegs sein – zumindest offiziell. Eine neue Herausforderung steht für uns also auf dem Programm.

Vor ein paar Wochen haben wir hauptsächlich von einem Etappenziel zum nächsten gedacht. Und für die Übersichtlichkeit machen wir das natürlich weiterhin so. Aber mittlerweile planen wir irgendwie auch in Landschaften statt in Kilometern. Nicht mehr bis zum nächsten Ort – sondern bis zum Børgefjell, bis zum Polarkreis, auf den Padjelantaleden. Das Ziel scheint irgendwie näher zu rücken, obwohl wir gleichzeitig auch noch eine weitere Hälfte vor uns haben.

Und so schwelgen wir gedanklich schon etwas in der Aufregung der nächsten Etappe. Gegen 12:30 Uhr kommen wir dann auch schon an unserem Tagesziel an: Røyrvik! Und damit haben wir einen für uns unbeschreiblich wichtigen Meilenstein geschafft. Denn nun sind wir etwa die Hälfte unserer Gesamtstrecke gelaufen! Ich werde fast etwas sentimental beim Anblick der Limingen Gjestegård, von der ich in so vielen Blogs gelesen habe und wo wir heute tatsächlich schlafen werden. Wie wir jetzt einfach die Hälfte geschafft haben! Es ist für uns beide eigentlich kaum zu greifen.

Welches Gefühl wir aber ganz gut greifen können, ist der Mittagshunger. Also gehen wir erstmal in die Tankstelle, da unser Zimmer im Hotel zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich eh noch nicht fertig ist. In den Tankstellen gibt es eigentlich immer eine Art heiße Theke, wo man insbesondere Fast Food bekommt. Sowas essen wir Zuhause ja nie, aber hier stillt es unseren Hiker Hunger. In dieser Tankstelle gibt es aber tatsächlich alles unter einem Dach: Neben Tankstelle und heißer Theke gibt es noch  Touristeninformation, Touri-Andenken, Outdoorladen inkl. Bekleidung, Inneneinrichtung und Cafebereich. Aber nicht, dass man jetzt falsche Vorstellungen bekommt: das ist kein Einkaufszentrum, sondern ein winziger Laden.

Wir bestellen uns je einen Hot Dog, teilen uns eine Pommes und ich schnappe mir noch eine Capri-Sonne. Das Spaßgetränk darf schließlich nicht fehlen. Wir lassen uns Zeit und so ist es am Ende kurz vor 14 Uhr, als wir beim Hotel ankommen.

Hilde, die Besitzerin und gute Seele des Hauses, ist leider noch nicht ganz fertig mit unserem Zimmer. Aber das macht nichts. Wir dürfen uns mit heißer Schokolade und Kaffee in den Essbereich setzen und nutzen die Zeit, noch in ein paar Blogs für die nächste Etappe zu recherchieren.

Als das Zimmer fertig ist, sind wir sehr glücklich darüber, richtig viel Platz zu haben. Wir dürfen auch die Waschmaschine und den Trockner nutzen, was bei unseren Klamotten auch dringend nötig ist. Wir tragen schließlich tagelang dasselbe Outfit ohne wirklich etwas zum Wechseln dabei zu haben. Und wir machen darin quasi stundenlang Sport. Entsprechend gut riechen wir nach ein paar Tagen. 😉

Unsere nächste Etappe wird uns durch das Børgefjell nach Hattfjelldal bringen, und anschließend hoch nach Umbukta. Wir brauchen also erstmal für ca. vier Tage Proviant. Der Einkauf ist schnell gemacht und dann ist auch schon Zeit für das Abendessen. Wir essen beide zwei große Portionen und sitzen danach noch eine Weile in der Sonne auf dem Balkon. Wenn die Sonne mal rauskommt, müssen wir das ausnutzen.


Ein kleines Dankeschön

An dieser Stelle möchten wir uns gerne auch noch bei Martin Kettler und bei Katharina von MyWanderfulLife für die Unterstützung und Ideen bei der Routenerstellung der Etappe von Meråker nach Røyrvik bedanken. Die Einblicke in eure Touren, GPS Tracks und Unterstützung bei Rückfragen hat uns für diesen Abschnitt sehr geholfen ❤️


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

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