Vier Tage Mehrtagestour. Mittelgebirge im Herbstgold. Mystische Burgruine als erster Trekkingplatz. Und ich hatte keine Ahnung, dass dieses Modul für mich im Krankenwagen enden würde.
Willkommen in Modul 2.
Worum ging es diesmal eigentlich?
Nach dem sehr material-lastigen ersten Modul sollte es nun ernst werden: Unsere erste mehrtägige Tour als Ausbildungsgruppe! Vier Tage auf dem Soonwaldsteig, von Trekkingplatz zu Trekkingplatz, ohne feste Campsite als Homebase.
Jetzt ging es nicht mehr nur um Grammzahlen, sondern um:
- Tourenplanung über mehrere Tage
- Energie- und Wärmemanagement
- Navigation
- spontanerweise Notfallmanagement
Oder in kurz: Wie funktioniert Strecke? 🙂
Der Sommer zwischen Modul 1 und 2 war bei mir geprägt von Ausrüstungsoptimierung. Schlafsack-Upgrade, leichteres Zelt, Regen-/Sonnenschirm (ja, wirklich), Wasserfiltersystem, Kompass. Mein Rucksack hatte spürbar abgespeckt – genauso wie mein Konto.
Die Theorie: weniger Gewicht = mehr Energie für’s Wandern. Die Praxis sollte aber diesmal zeigen: Rucksackgewicht ist nur ein Teil der Gleichung.
Donnerstag – Die Burgruine
Start am Bahnhof Kirn. Direkt ab in den Wald – inklusive Höhenmetern, die meine neue Gewichtsersparnis dankbar annahmen!
Nach knapp fünfzehn Kilometern erreichten wir unseren ersten Trekkingplatz: die Burgruine Schmidtburg. Nebel zog zwischen den Mauern auf, Zugvögel flogen nachts über uns hinweg, und für einen Moment fühlte sich alles ein bisschen nach Outdoor-Magie an. So hatte ich mir das vorgestellt!

Warum es davon kein besseres Foto gibt? Weil ich zwischen perfekter Zeltplatzwahl, Aufbau, Nebel und „Oh wow, wie schön ist es bitte hier?!“-Gefühlen navigieren musste. Klare Outdoor-Prioritäten, also ein perfekter Auftakt.
Freitag – Navigation, Herbstlaub und die Wasserquelle des Vertrauens
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der Navigation. Ich durfte die Gruppe auch für einen Abschnitt mit Karte führen. Solange ich eine Karte habe und halbwegs erkennbare Landschaft, läuft das auch gut. Zumindest rede ich mir das gerne ein 😉
Doch Navigation in einer Ausbildungsgruppe bedeutet mehr als nur „richtig abbiegen“. Es bedeutet:
- Entscheidungen transparent machen: Die Gruppe mitnehmen, warum es wolang geht, und Pausen und Zwischenstopps zu kommunizieren
- Tempo anpassen: Die Gruppe nimmt das Tempo der langsamsten Person an.
- Unsicherheiten auffangen: Immer überprüfen, ob alle noch an Bord sind, und mit Informationen Unklarheiten abfangen
- Alternativen im Kopf haben: Es läuft ja nicht immer alles wie ursprünglich geplant 😉
Struktur und Planung schlägt Intuition. Zwischen goldenem Herbstlaub beschäftigten wir uns mit „Leave no trace“, Tourzeitenberechnung und der Frage, wie man bei kühlerem Wetter warm bleibt, ohne unnötig Gewicht mitzuschleppen.

Leave no trace principle
- be considerate of other visitors
- plan ahead
- travel & camp on durabel surface
- dispose of waste properly
- leave what you find
- minimize campfire impacts
- respect wildlife
Kurz vor Tagesziel kamen wir an unserer Wasserquelle vorbei – versteckt hinter Gestrüpp, optisch irgendwo zwischen „mittelalterlicher Brunnen in der Erde“ und „mutige Entscheidung“. Vertrauenswürdig? NAJA.
Aber wir hatten ja genug Filter. Und angehende Guides mit Experimentierfreude. Also wurde gefiltert, abgepumpt und desinfiziert was das Zeug hilt.
Nach insgesamt 18 Kilometern an diesem Tag erreichten wir den Trekkingplatz Alteburg. Ich fühlte mich ungewöhnlich erschöpft: Kopfschmerzen. Vielleicht zu wenig getrunken? Zu wenig gegessen? Zu viel Herbstromantik?

Ich zog mich früher ins Zelt zurück und lauschte der restlichen Gruppe, wie sie den Abend am Lagerfeuer ausklingen ließ.
In der Nacht zum Samstag – Hilfe im Wald
Ich wurde wach und mir war speiübel. Der Zip-Beutel – ein oft unterschätzter Ausrüstungsgegenstand! – wurde zum VIP der Nacht. Was dann folgte, war eine sehr lange, sehr wenig glamouröse Demonstration von „Mehrtagestour unter realen Bedingungen“, im 20-Minuten-Takt.
Am Morgen war klar: Ich würde so keinen Meter weitergehen. Und ich war nicht die Einzige, der es schlecht ging – nur die einzige, die es so richtig krass ausgeknockt hat. Alleine stehen? Schwierig. Selbstständig heimkommen? Schwieriger. Unser Guide entschied letztlich, einen Krankenwagen zu rufen.
Während ich also unfreiwillig das Praxisbeispiel für „medizinischer Zwischenfall auf Tour“ spielte, lernte die Gruppe live, wie man Rettung im Wald organisiert, Standortdaten übermittelt und strukturiert Hilfe anfordert. Was man nicht alles für seine Gruppe tut.
Nicht ganz die Art von Praxisübung, die ich mir persönlich gewünscht hatte – aber definitiv lehrreich.
Modul 2 endete für mich also mit zwei Tagen Krankenhaus und vielen offenen Fragen. Virus? Wasser? Komposttoilette? Bis heute leider nicht geklärt (und immer noch Running Gag in der Guidegruppe).
Was ich aus Modul 2 mitnehme
1. Mehrtagestour heißt: Ressourcen managen.
Nicht nur Gewicht, sondern auch Energie, Flüssigkeit, Schlaf und Hygiene. Darauf achten, dass es einem gut geht, damit man die Tour gut beenden kann.
2. Hygiene ist kein Nebenthema!
Seit diesem Modul sind Desinfektionsmittel und Micropur fester Bestandteil meines Rucksacks. Einmal reicht mir diese Erfahrung.
3. Notfallmanagement ist real.
Es ist beruhigend zu wissen, dass es funktioniert – selbst wenn man hofft, es nie wieder testen zu müssen.
Das etwas andere Ende
Ich hätte mir einen heroischeren Abschluss vom Modul gewünscht. Stattdessen bekam ich eine Lektion in Demut 😀 Danke dafür. Modul 2 stand Modul 1 also in nichts nach. Nur auf eine ganz andere Art.
Im nächsten Modul geht es im Winter in den Schwarzwald – Schneeschuhe, -10-Grad-Schlafsack und hoffentlich weniger medizinische Dramatik.
Ich bin gespannt. Und ein kleines bisschen ehrfürchtig.
Entdecke mehr von diewanderelster
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.




6 Kommentare zu „Outdoor & Trekking Guide Modul 2 (Oktober 2024): Mittelgebirge, Herbstgold – und ein Notfall im Wald“