-5 Grad. Ein klarer Sternenhimmel über mir. Und ich liege freiwillig draußen im Schnee, um hier zu schlafen. Hätte mir das jemand zwei Jahre zuvor gesagt, hätte ich vermutlich gelacht – oder sehr energisch meine Heizung höher gedreht.
Willkommen in Modul 3.
Winter und ich – Die Vorgeschichte
Meine erste Wintertour war 2023 eher unfreiwillig winterlich. Geplant war Frühling am Goldsteig im Bayrischen Wald und gepackt hatte ich für die Übergangszeit, für Frühling. Bekommen habe ich stattdessen aber Minusgrade, Neuschnee und täglich 20–25 Kilometer durch tiefes Weiß.





Ohne Schneeschuhe und mit sehr optimistisch gewählter Ausrüstung 😀 Romantisch auf Fotos? Klar, auf jeden Fall. Aber wie fühlt sich das praktisch an? Nicht so romantisch.
Schon immer mochte ich den Winter. Den Geruch von Schnee, das Knirschen unter den Schuhen beim Spazierengehen. Aber Winterwandern? Da hatte ich ziemlichen Respekt im Gepäck. Modul 3 sollte (wollte?) das jetzt aber ändern!

Schneetänze & Schneeschuhe
Noch bis Tage vor dem Modul war der Feldberg fast schneefrei. In unserer Ausbildungs-Guide-Gruppe wurden schon Schneetänze aufgeführt. Wissenschaftlich ist da zwar glaube ich nichts dran, aber es war doch effektiv: Kurz vor Start fiel Neuschnee! Juhuu 🙂
Bei diesem Modul hatten wir auch einen zusätzlichen Guide dabei: Einen echten International Mountain Leader. Das Wintermodul bekam dadurch einen sehr ernsthaften Charakter und ging in einigen Theorieeinheiten nochmal sehr in die Tiefe.
Viele von uns standen in diesem Modul zum ersten Mal auf Schneeschuhen. Die ersten Schritte fühlten sich an wie: „Warum sind meine Füße plötzlich doppelt so breit?“ Bergauf: Geht der Puls. Bergab: Technik, Technik, Technik. Quer am Hang: Volle Konzentration. Und man merkt doch, dass Winter richtig viel Energie kostet, aber zum Glück hatte ich kurz vorher die PowerCakes für mich entdeckt 🙂
Kälte ist kein Drama – sondern braucht nur genauere Planung
Das Zwiebelprinzip für die Kleidung kannte ich theoretisch. Jetzt im Winter versteht man es aber tatsächlich praktisch.
- Nicht mollig warm starten. Sonst fängt man an zu schwitzen und wird sobald der Wind kommt, wird dir schnell kalt.
- Lieber leicht fröstelnd starten und beim Laufen warm werden.
- Bei Pausen direkt isolieren, um nicht auszukühlen.
Merino auf der Haut, Isolation darüber, Windschutz außen, und wenn notwendig noch eine weitere dicke Schicht. Durch die Luftschichten entsteht mehr Wärme – und dieses Prinzip funktioniert auch bei Handschuhen und Schuhen. Also Handschuhe ebenfalls im Doppelpack übereinander, wenn es richtig kalt ist. Und die Schuhe nicht zu eng schnüren, denn sonst gibt es keine Luft im Schuh, die sich aufwärmen kann.
Und mit dem Essen? Das ist im Winter nicht einfach nur ein Snack, sondern der Brennstoff für den Körper. Daher gab es bei uns für die absolut legitime Kalorienstrategie: Käsefondue bei -5 Grad auf dem Gaskocher im Schnee machen! Was braucht das Outdoorherz mehr?
Nebel, Kompass und Demut
Der Freitag gehörte wieder mal der Navigation. Ja, das Thema begleitet uns wirklich jedes Modul, aber daran merkt man nochmal, wie wichtig das für das Draußen-Unterwegs-Sein ist. Dieses Mal Planzeiger inklusive – ein für uns neues Navigationstool, das ich nicht verstanden habe und auch nicht ganz liebe.
Aber damit ging es dann durch Nebel, Tauwetter, Wind und dann wieder alles von vorne. Was an Navigation im Nebel spannend ist? Er nimmt dir die Orientierungspunkte. Reine Glücksache muss es aber mit guten Navigationsskills trotzdem nicht sein. Ich sag es mal so: Wir haben den Feldberg gefunden und auch den Weg zurück zur Hütte.







Dabei wurde mir auch klar, dass Wintertouren nicht einfach Sommerwanderungen mit Schal sind. Sie brauchen viel mehr Planung und mehr Reserven. Wenn aber richtig umgesetzt, wird man mit ganz viel Magic belohnt.
Das Iglu – oder: Wie Schnee wärmen kann.
Samstag wurde dann zum absoluten Magic Day: Inklusive Sonne, glitzerndem Schnee und natürlich war auch die Sonnenbrille Pflicht. Und dann abends nach der Nachtwanderung, ging es endlich ans Draußenschlafen. Dafür bauten wir unter anderem ein Haufeniglu.


Was ein Haufeniglu ist? Bei einem Haufeniglu macht man mit ganz viel Gear (wir haben alle unsere Rucksäcke genommen) einen möglichst großen Haufen und bedeckt diesen dann mit mindestens einem halben Meter Schnee. Anschließend gräbt man einen Eingang und holt das Gear wieder raus, höhlt die Höhle etwas aus und baut sich somit den Unterschlupf. Was ich tatsächlich nicht erwartet habe, war die Stabilität des Iglus (wir haben am Ende mit 14 Personen drauf gestanden), und wie warm es darin wird – Schnee ist eben eine super Isolation!
Nachtwanderung & Sternenhimmel
Abends gingen wir aber nochmal los, um den Winterwald im Nebel im Dunkeln zu erleben:






Für eine Einheit ging es dann mit 50 m Abstand zum Vorgänger, um das Gefühl vom Alleine-Im-Wald-Sein zu kreieren. Dieses Gefühl, allein zu sein – obwohl man weiß, dass man es nicht ist – ist schwer zu beschreiben, aber unglaublich schön.
Später lag ich im Schlafsack, mit klarem Himmel über mir. Und Orion. Ich kam gar nicht zur Ruhe vor Beseeltheit und lag noch mindestens eine Stunde wach, weil ich mich an der Schönheit einfach nicht sattsehen konnte. Der Winter hatte mich.


Was ich aus Modul 3 mitnehme
1. Kälte ist Management. Nicht Mutprobe, sondern Planung.
2. Pausen sind kritischer als Bewegung. Wer hier falsch plant, friert.
3. Energie ist alles. Kalorien sind kein Luxus, sondern einfach das Mindeste.
Frieden geschlossen
Modul 3 hatte keine Notfallsirenen und auch keinen Orkan, wie die vorherigen Module. Aber es hatte Schneemagie.
Ich glaube, ich habe meinen Frieden mit Schneetouren geschlossen. Es braucht nur Vorbereitung, gutes Material – und einen sehr guten Schlafsack.
Und vielleicht ein bisschen Schneetanz. Und damit auf zu Modul 4.
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3 Kommentare zu „Outdoor & Trekking Guide Modul 3 (Januar 2025): Schnee, Sterne – und Friedenschließen mit dem Winter“