Tipps zur Planung einer Fernwanderung

Oder: Wie die To Do Liste wächst und wächst, aber die Tage schwinden.

Ich bin mittlerweile voll in der Planung von Norge på langs (NPL). Je mehr ich plane, desto mehr fällt mir aber auf, was noch alles zu tun ist. Allein mit der Routenplanung ist es bei einer so langen Wanderung wie ich sie vorhabe ja nicht getan. Auch wenn die Routenplanung allein schon genug Zeit und Gedanken in Anspruch nimmt, dass ich das Gefühl habe, mein Gehirn implodiert. Und der Countdown läuft lässig weiter:

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  Tage

  Stunden  Minuten  Sekunden

bis

Start Norge på langs

In diesem Beitrag will ich euch einen allgemeinen Einblick darin geben, was mich bei der Vorbereitung beschäftigt. Diese Übersicht hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und was für mich passt, muss für euch nicht eins zu eins auch passen. Die eigene Recherche ist und bleibt unerlässlich 😉

Wenn ich online nach Tipps suche, wie man eine mehrmonatige Fernwanderung plant, bekomme ich immer wieder dieselben Infos, die mir für NPL nur bedingt helfen oder zu oberflächig sind:

Welche Pilze und Kräuter kann ich auf einer Wanderung essen, wie kriege ich das perfekte Protein-Gewichtsverhältnis für die Verpflegungsplanung her? Welcher 80L Rucksack ist der Richtige, welche Wandertechnik ist die beste für eine Fernwanderung? Wie funktioniert komoot? Soll man mit oder ohne Wanderpartner unterwegs sein?

Die meisten Tipps beziehen sich tatsächlich entweder auf die reine Routenplanung und/oder auf das Durchhaltevermögen oder Vitaminzufuhr während der Wanderung. Ich will aber für mehrere Monate unterwegs sein – mich dann nur auf die Route selbst vorzubereiten, ist ja nur die halbe Miete. Und für unterwegs Pilze sammeln hab ich echt keine Zeit.

Die Vorbereitung neben der Vorbereitung

So lange unterwegs zu sein kreiert sehr viele zusätzliche Punkte auf der To Do Liste, die vor Abreise abgehakt werden wollen. Daher stelle ich hier mal die Punkte zusammen, die mich bei der Planung von Norge på langs (NPL) on top beschäftigen.

Zeit haben: Sabbatical, unbezahlter Urlaub, …? Vor- und Nachteile

Bevor es in die eigentliche (Routen-)Planung der Wanderung geht, muss erstmal der Zeitraum festgelegt, und dieser freigeschaufelt werden. Die verschiedenen Optionen sind

  • unbezahlten Urlaub nehmen,
  • ein Sabbatical beantragen,
  • den Job kündigen und sich dann danach einfach was Neues suchen

Mein Mann Fuchs und ich haben es jeweils über unbezahlten Urlaub organisiert, da unsere Arbeitgeber das Modell Sabbatical (Arbeitszeit vorzuarbeiten) – zurzeit – nicht anbieten. Sprich, wir arbeiten bis zur Auszeit ganz normal weiter und erhalten ganz normal unser Gehalt für den Zeitraum. Wir wollen NPL über die Sommermonate laufen. Daher haben wir jetzt unbezahlten Urlaub von Juni bis Ende September und davor und danach noch ein paar Urlaubstage als Puffer beantragt.

Der Nachteil zum beliebten Sabbatical ist hier, dass man während der Freistellung Krankenkassenbeiträge, Sozialversicherung etc. selbständig weiterzahlt (bzw. man sich drum kümmern muss), und auch keinen Urlaubsanspruch hat (der läuft bei einem Sabbatical nämlich weiter, was natürlich sehr cool ist). Auch im Krankheitsfall ist der Arbeitgeber nicht zur Lohnfortzahlung verpflichtet (man bekommt ja in der Zeit eh keinen Lohn, also irgendwo logisch).

Wenn wir zurück sind, steigen wir in unsere alten Jobs wieder ein. Wir sind beide auf unsere Arbeitgeber eineinhalb Jahre vor der geplanten Auszeit zugegangen, damit auch genug Zeit ist, das zu realisieren, vorzubereiten und Vertretungen zu planen.

Was passiert mit meiner Wohnung, während ich weg bin?

Wir werden knapp fünf Monate unterwegs sein. Hier stellt sich also klar die Frage, was in der Zeit mit unserer Wohnung passiert.

ProContra
Wohnung auflösen und alles einlagern / bei jemandem unterstellen+ Sparen der Miete– ziemlicher Aufwand im Vorhinein
– bei Rückkehr neue Wohnung suchen müssen
Untermieter für die Zeit der Abwesenheit+ Sparen der Miete
+ kein „richtiger“ Umzugsstress
+ es muss keine neue Wohnung gesucht werden, wenn man wieder da ist
– jemand fremdes wohnt in der Wohnung
– es muss trotzdem alles eingepackt werden
Wohnung behalten+ niemand fremdes in der Wohnung
+ kein Umzugs- / Packaufwand
– hoher finanzieller Posten, der während der Fernwanderung on top trotz Nichtnutzen gezahlt werden muss

Wir haben uns dagegen entschieden unsere Wohnung aufzugeben. Wir haben damals einfach zu lange gebraucht, diese Wohnung mit der für uns perfekten Lage im Rheinmaingebiet zu finden.

Um aber den finanziellen Posten Wohnung für die Zeit wegzubekommen (wir kriegen ja in der Zeit unserer Wanderung keine Gehälter), werden wir versuchen einen Untermieter für die vier Monate zu bekommen. Hier ist allerdings wichtig, dass die Untervermietung zeitnah bei der vermietenden Partei angemeldet wird und man sich ein wenig in die Eckpunkte einarbeitet.

Route, Packliste und Navigation

Die Route zu erstellen ist bei NPL besonders aufwendig, da man diese selbst bastelt, anders als z.B. bei den Triple Crown Trails in den USA – aber das ist auch der Reiz an dieser Fernwanderung 😉 Da dies ein relativ komplexes Unterfangen ist, werde ich dazu einen separaten Artikel schreiben. Stay tuned!

Der unsexy Part der Planung
Patientenverfügung, Bestattungsvorsorge, Testament

Dann widmen wir uns mal den nicht rosigen Teilen einer Fernwanderungsvorbereitung: Die gute, alte Patientenverfügung! Die hatte ich vor einer halben Ewigkeit schon mal erstellt, als ich 2016 für ein Auslandspraktikum weg war, aber keine Ahnung, wo die mittlerweile rumfliegt. Wahrscheinlich bei einer der 21 Umzüge abhandengekommen.

Und wenn wir schon dabei sind, habe ich auch direkt eine Bestattungsvorsorge erstellt. Falls mir (oder dem Fuchs) wirklich was passieren sollte, weiß jetzt wenigstens jemand, dass ich mir für meine Beerdigungsgesellschaft 80s und 90s Trash Musik und viel Glitzer wünsche. Ein Testament haben wir bereits, erwachsen wie wir sind. Auch hierfür gibt es online Vorlagen (z.B. das Berliner Testament).

Die Patientenverfügung, Bestattungsverfügung und Testament sind natürlich Dokumente, die man sich auch ohne Fernwanderungsvorhaben mal anschauen kann 😉

Versicherungen und Ausweisdokumente

Eine zusätzliche Krankenversicherung fürs Ausland wollten wir erst nicht abschließen, da sie kaum einen Vorteil bringt. Allerdings deckt unsere Krankenkasse die Rücktransportkosten aus dem Ausland nicht ab oder Zahnbehandlungen, sodass wir uns nun dafür entschieden haben, doch eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Die Kosten dafür halten sich auch in Grenzen.

Wir haben aber mit unserer Krankenkasse gesprochen, um das durchzusprechen – auch, da wir uns ja so oder so für den Zeitraum selbst versichern müssen. Ein Beratungsgespräch bei der Krankenkasse würde ich grundsätzlich empfehlen, to be on the safe side.

Zudem habe ich mal alle unsere Ausweisdokumente geprüft, und dass sie noch alle ihre Gültigkeit während unserer Abwesenheit haben werden.

Sonstige Vorsorgetermine – Hausarzt, Zahnarzt, …

Darüber hinaus sind wir beim Hausarzt gewesen und haben unsere Impfpässe prüfen lassen. Zum Glück waren wir mal wieder da! Ich zumindest musste zwei Impfungen dringend auffrischen. Dann ist das auch abgehakt 🙂

Die jährliche professionelle Zahnreinigung habe ich für kurz bevor es losgeht auch noch eingeplant. Mal schauen ob ich nach Rückkehr auch direkt wieder eine brauche 😀

Trailmanager*in

Spannend, dass ich hierzu eigentlich online so gar nichts finden konnte, außer, dass man irgendjemandem sagen sollte, wo man unterwegs ist. Ich denke allerdings, dass es wichtig ist, eine Person in einen Großteil der Wanderung einzuweihen, damit jemand von zuhause aus unterstützen kann, falls irgendwas unvorhergesehenes passiert.

Die Person sollte vor Abreise eine Mappe mit allen wichtigen Unterlagen erhalten. Hierzu zählt Patientenverfügung, Zugriff auf die genaue Routenplanung, Vollmacht um Post öffnen zu dürfen, Unterlagen Krankenversicherung, Notfallnummern und so weiter.

Und natürlich sollte dieser Person auffallen, wenn du nicht zum bestimmten Zeitpunkt da ankommst, wo du ankommen solltest und dann weiß, was zu tun ist. Darüber hinaus haben wir bei der Post einen Nachsendeauftrag für den Zeitraum unserer Abwesenheit eingestellt.

Was gibt es sonst noch, das spezifisch für Norwegen vorbereitet werden muss?
Mitgliedschaft Wanderverein

Bei der Tour durch Norwegen ist es sinnvoll, sich beim DNT Den Norske Turistforening anzumelden, Norwegens größtem Outdoor- und Wanderverein. Also quasi sowas wie der Alpenverein Norwegens.

Über den DNT wird unter anderem das Hüttennetz verwaltet. Man bekommt bei der Buchung der Hütten als DNT Mitglied einen reduzierten Preis. Einige Hütten sind tatsächlich auch nur mit DNT Schlüssel zu öffnen – also unverzichtbar für NLP!

Ich habe die DNT Mitgliedschaft im Herbst 2025 für 2026 abgeschlossen – und den Schlüssel einfach direkt mitbestellt (im November 2025), weil ich eine ungeduldige Person bin, und was erledigt ist, ist erledigt! 😀

Back up SIM Karte

In einigen Blogs habe ich gelesen, dass sich die Fernwanderer Back up SIM Karten für Roaming organisiert haben. Hierzu konnte ich aber keine mir verständlichen Infos finden, ob das wirklich notwendig ist oder nicht. Ich habe mal den Fuchs darauf angesetzt, Recherche zu betreiben. Also falls hier jemand mehr Infos hat, gerne her damit!

Na dann, auf geht’s

Das soll mal einen ersten Eindruck davon vermitteln, was ich für meine NPL Tour in der Vorbereitung durchgedacht und geplant habe. Und was bei einem regulärem Wanderurlaub i.d.R. nicht so relevant ist.

Fällt euch noch was ein, was bei einer Fernwanderung dringend bedacht oder speziell für NPL gemacht werden sollte? Habt ihr schon eine Fernwanderung gemacht und wertvolle Tipps, die ihr teilen könnt? 🙂


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

2 Kommentare zu „Tipps zur Planung einer Fernwanderung

  1. Vielen Dank für die Einblicke in die genaue Planung, das ist sehr interessant! …. An wie vieles man doch so denken muss! …..
    …. Du bist echt schon 21 mal umgezogen??? Wahnsinn!
    👍🏻☺️

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