48 Tage vor dem Start: Zweifel und Vorfreude vor meiner 2700 km Fernwanderung

Noch 48 Tage. Und ich merke, da ist viel Unruhe in mir, statt nur Vorfreude. Wenn mich heute jemand fragen würde, ob ich mich auf Mai freue, weiß ich nicht, was ich antworten würde. Je näher die Wanderung rückt, desto weniger passt das Bild der romantischen Wanderung, das sich alle vorstellen, zu meinen Gefühlen.

Daher wird dieser Artikel etwas anders, als die bisherigen, in denen es doch viel um Routen, Planung, Tools, Packlisten und so weiter ging.

Ich habe heute frei. Und bin trotzdem um 6:15 wach. Mein Kopf läuft weiter, obwohl die To-do-Liste kürzer wird und ein Ende in Sicht ist. Wir haben Versorgungspakete gepackt und wissen, zu wem wir sie schicken dürfen. Wir haben Versicherungen abgeschlossen, sind in der Arbeit mit Übergabe beschäftigt und versuchen, die Wohnung unterzuvermieten. Die Routenplanung steht.

Natürlich wissen mittlerweile auch viele Menschen in meinem Umfeld, dass es bald los geht. Wir sehen Freunde und Familie momentan immer mal wieder „zum letzten Mal“ vor Norwegen. Und wir werden ständig gefragt, ob wir uns schon freuen und wie aufregend und romantisch das alles ist. Und alle sind vollkommen davon überzeugt, dass wir es bis zum Nordkap schaffen.

Für mich wirkt das momentan sehr unwirklich. Ich fühle mich zurückversetzt in mein 17-jähriges Ich, das vor seinem Auslandssemester nach Kanada steht. Oder mein 24-jähriges Ich, das vorm Auslandspraktikum in Togo im Bett liegt und kaum noch schlafen kann – vor Vorfreude oder vor Angst? Das weiß ich heute mehr so genau.

Es ist diese Ambivalenz, die mit einer solchen Reise einhergeht, die es spannend macht. Ich kann nicht ganz sagen, wovor ich Angst habe oder woher die Unruhe kommt: Ist es die Angst vorm „Scheitern“ – und falls ja, was wäre denn ein Scheitern für mich in diesem Kontext?

Das Abbrechen, kurz bevor wir am Nordkap ankommen? Oder den Knöchel verstauchen an Tag 4? Oder dass das in gewisser Weise über den Blog öffentlich passiert? Was, wenn wir am Nordkap ankommen, und das Gefühl gar nicht so überwältigend ist, wie ich es mir jetzt vorstelle?

Diese Reise wird mehr als ein Urlaub. Wir werden – vorausgesetzt, dass alles gut läuft – 2700 Kilometer aus eigener Körperkraft laufen. Das ist eine so unvorstellbare Zahl, dass ich es mir wirklich kaum noch vorstellen kann. Vielleicht ist es auch gar nicht Strecke, sondern die Bedeutung, die ich ihr zuschreibe?

Wenn ich unsere Norwegenkarte an der Wand anschaue, und ich Schritt für Schritt die Etappen gedanklich ablaufe, laufen bei mir immer auch die Zweifel mit.

Wie viele Schritte werden das wohl sein? Und was machen wir, wenn wir nach vier Wochen merken, Wandern ist doch doof? Und die Füße tun nur weh?

Was wird das mit uns beiden, als Paar, machen? Wie werden wir miteinander sein, wenn wir beide Hunger haben und erschöpft sind? Und das auch noch alles meine Idee war 😀

Wir machen es natürlich trotzdem. Weil wir längst entschieden haben, dass wir diese Geschichte erleben wollen, egal wie es wird. Und Zweifel haben ist in Ordnung. Daran merke ich, dass etwas Größeres passiert und mir die Reise wirklich wichtig ist. Und Zweifel sollten mich grundsätzlich nicht dazu bewegen, zuhause zu bleiben.

Vielleicht beginnt das Abenteuer nicht im Mai in Norwegen, sondern genau hier, in der Ambivalenz des „Dazwischen“.


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

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