(Spoiler: Es war nicht der Alkohol)
Ich dachte, ich nehme euch mal mit in meine Gedankenwelt zu „Ich werde eine Fernwanderung machen„. Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich beschloss, Norwegen der Länge (im Original Norge på langs, oder kurz NPL) zu laufen. Es war einer dieser Abende, an denen man eigentlich nur kurz YouTube öffnet, um sich zum tausendsten Mal einen Vlog zum Pacific Crest Trail anzuschauen und in Bildern der Sierra Nevada in lovely California zu zerfließen…
…und sich drei Stunden später dabei ertappt, wie man schon wieder neues Wanderequipment reviewed und nebenbei drei neue Wanderbücher in den Warenkorb legt. Ohne Vorahnung hab ich den Titel „Norwegen der Länge nach: 3000 Kilometer zu Fuß bis zum Nordkap“ (Simon Michalowicz), von dem ich noch nie gehört hatte, ebenfalls anklickt.
Da saß ich nun, mit meiner heißen Schokolade, Chipskrümeln im Wollpulli und einer leisen Stimme im Kopf, die zaghaft aber bestimmt sagt „…ich glaube, das mach ich auch“. Da war es eigentlich schon beschlossene Sache.
Als ich das Buch dann in den Händen hielt und den Inhalt verschlang, kam immer wieder dieses Gefühl auf, das man bekommt, wenn was Größeres auf einen zukommt, das man noch nicht ganz greifen kann. Aber es machen sich natürlich auch direkt Zweifel breit. Mein Kopf in nett:
Bist du wahnsinnig? Es läuft doch gerade alles so gut, du kannst doch jetzt nicht einfach ein halbes Jahr weg?!
Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich mir eine Fernwanderung in den Kopf setze, ohne es in die Tat umzusetzen. Eigentlich träume ich seit Jahren davon. Seit ich das erste Buch von Christine Thürmer wie ein Schwamm das Wasser aufsog (und dann das Hörbuch auch drei Wochen in Dauerschleife), hatte sich der Gedanke, auch mal eine Fernwanderung machen zu wollen, festgesetzt – mal mehr, mal weniger präsent.
Aber den Pacific Crest Trail (PCT) laufen..? Mit den ganzen Waldbränden, Bären überall, angsteinflößenden 4000er Bergen (hallo Höhenangst, schön dass du auch am Start bist) und überlaufenen Trails schien das nicht mehr die Erfüllung (m)eines Hikertraums. Daher darf der PCT weiter als nette Doku-Begleit-Unterhaltung an Fernwehabenden herhalten.
Anyway, zurück zur Story. Je mehr ich mich mit NPL beschäftigte, desto mehr spürte ich, dass es genau das sein könnte, wonach ich gesucht hatte. Also mal noch ein bisschen mehr googeln: „Wie schwer ist es, Norwegen der Länge nach zu wandern? Gibt es Bären in Norwegen? Wo in Norwegen gibt es die besten Waffeln?“
Okay Spoiler zum Schwierigkeitslevel: Schwer. Also… wirklich schwer, schon allein weil man die Route selber basteln muss, was schon eine immense Vorbereitung inkludiert. Aber egal! Der Wille war da und Elstern sind sture Viecher!
Ich konnte wochenlang an gar nichts anderes mehr denken als NPL. Ich hang dem Fuchs (meinem Mann) damit ständig in den Ohren, bin durch Internetforen geflattert und habe einen Blog nach dem anderen gebinged.
Google supportet dich übrigens bei der Planung: „Was tun, wenn man unterwegs bei einer Fernwanderung den Verstand verliert?“ Mein Favorit: Einfach weiterlaufen.
Leider (oder vielleicht glücklicherweise?) gab es gar nicht sooo viel zum NPL, was auch noch aktuell wäre. Simons Buch ist ja auch schon vor über 10 Jahren erschienen. NPL wird im Jahr auch nur von etwa 25 – 30 Leuten (zumindest laut der inoffiziellen lista) erwandert. Als Vergleich: Auf dem PCT starten jedes Jahr hunderte Leute, von denen aber nur ein Bruchteil den Trail tatsächlich beendet.
Und warum jetzt Norwegen bzw. den Norge på langs?
Norwegen ist PERFEKT. Mit meiner Angst vor Bärenbegegnungen und alpinen Höhen ist es das perfekte Land: Kaum Bären und kaum Gebirge, die für mich zu hoch wären (ja, mir ist die Ironie einer Elster mit Höhenangst bewusst).
Mich entzückt aber auch die Idee, vom südlichsten Punkt (Lindesnes) bis zum nördlichsten Punkt Europas (Nordkap) zu wandern. Das sind insgesamt zwischen 2700-3000 Kilometer. Je nachdem, wie man die Route legt und wie schnell man läuft, braucht man dafür zwischen 100 – 140 Tage.
Und richtig gelesen: Die Route plant man selbst! Es gibt keinen vorgefertigten Weg, dem man stur hinterherläuft, sondern man entscheidet für sich individuell, wo man langgehen will. Die absolute Freiheit. Und natürlich gibt es in Norwegen hervorragende Waffeln.
Zudem gibt es in Norwegen auch noch das Jedermannsrecht. Man kann also unter gewissen Gesichtspunkten ganz legal draußen im eigenen Zelt schlafen. Wenn man eine Fernwanderung plant, ist das nicht unbedeutend, außer man hat das Budget um 140 Tage in Unterkünften zu nächtigen (oder hat nichts gegen ständiges illegal Wildzelten).
Wenn da Norwegen nicht das perfekte Land für eine Fernwanderung durch die Wildnis ist…?
Gut. Und warum die Fernwanderung überhaupt und warum jetzt?
Wenn die Waffeln noch nicht überzeugt haben, dann doch zumindest, dass man hinterher Folgendes sagen kann:
„Ach ja, ich bin dann mal Norwegen der Länge nach bis zum Nordkapp gelaufen.“ (bitte mit lässigem Schulterzucken und dezentem Blick in die Ferne vorstellen)
Gut. Nach der anfänglichen Euphorie, die perfekte Fernwander-Idee für mich gefunden zu haben, hat mittlerweile Planungs-Elster die Kontrolle übernommen. Sprich es wird geplant, geplant und – ach ja, geplant. Wo soll es langgehen, wo werden Versorgungspakete hingeschickt? Ist die Ausrüstung up to date, muss noch etwas ergänzt werden? Mit Karten laufen oder doch digital?
Den ersten großen Flügelschlag hab ich schon gemacht: Der unbezahlte Urlaub für Juni bis Ende September 2026 ist genehmigt. Meine Zweifel, dass ich eine Fernwanderung nicht durchhalte, sind immer noch da. Doch je mehr ich plane, desto leiser werden sie. Und ich bin entschlossen, es diesmal einfach durchzuziehen – oder wenigstens entschlossen genug, um diesen Blogpost zu schreiben 😀
Für ein paar Monate stand noch nicht fest, ob der Fuchs, ebenfalls mitkommen kann. Mittlerweile hat er aber die mündliche Zusage vom besten Arbeitgeber aller Zeiten und wird mit mir durchs Fjell stapfen: Sich über nasse Füße aufregen, schmollend im Wind das Zelt aufbauen und dann vor Glück hüpfen, wenn es warme Waffeln und Pfannkuchen nach einem Tag im Regen gibt 🙂
Also bleibt dran, Hikerpeepz – die Elster hebt bald ab. Oder besser gesagt: Sie wandert los. Ich halte euch mit den Vorbereitungen auf dem Laufenden. Mitte Mai 2026 geht’s nach Norwegen!
Und noch was Tolles? Wenn wir es tatsächlich zum Nordkap schaffen, könnt ihr uns per Life Cam zuschauen, wie wir ankommen 🙂
Tage
Stunden Minuten Sekunden
bis
Norge på langs
PS: Falls ihr noch Tipps habt, wie man unterwegs die Moral hochhält oder die Mücken fern – ich bin ganz Ohr, immer her damit.
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Ein Kommentar zu “Du machst bitte was!? Die famose Idee Norge på langs zu wandern”