Fragen zu unserer 2700-km-Fernwanderung – ehrlich beantwortet

„Habt ihr dann eigentlich ein Gewehr dabei? Oder sammelt ihr einfach Pilze zum Essen? Wie finanziert man so etwas? Habt ihr keine Angst? Was passiert mit eurer Wohnung und wo bekommt ihr Essen her? Und was, wenn ihr abbrecht?“

Diese und ähnliche Fragen haben wir in den letzten Wochen tatsächlich immer mal wieder gehört. Von Freund*innen, von Familie, von Kolleg*innen oder von Menschen, die den Blog lesen. Je näher der Start unserer Fernwanderung Norge på langs rückt, desto häufiger kommen diese Fragen auf. Und manchmal stelle ich mir auch die Frage, was ich mir hier eigentlich vorgenommen habe?!

Deshalb habe ich die häufigsten Fragen gesammelt und hier ehrlich beantwortet für euch zusammengestellt. Nicht als Anleitung, sondern vielmehr als Einblick in unsere Gedankenwelt.

Und nein, wir haben auch nicht auf alles eine Antwort, denn wir haben so eine mehrmonatige Fernwanderung auch noch nicht gemacht. Aber vielleicht hilft dir das bei deiner eigenen großen Idee – egal ob sie 2700 Kilometer lang ist oder ganz anders aussieht.

1. Orga & Alltag: Finanzierung, Wohnung & der ganz normale Wahnsinn vor einer Fernwanderung

Wie finanziert man eine 21 wöchige Fernwanderung?

Das lässt sich nicht einfach für jede Fernwanderung beantworten. Für manche reichen durchschnittlich 10 EUR pro Tag aus, für andere muss man sehr viel tiefer in die Tasche greifen. Für Norge på langs sollte man zwischen 30-50 EUR pro Tag rechnen, um auf der sicheren Seite zu sein. Da wir ca. 140 Tage unterwegs sein werden, sind das pro Kopf 4.000-7.000 EUR.

Das klingt erstmal viel. Und ist es auch, wir haben überlegt, ob eine „kleine“ Weltreise nicht auch nett wäre, oder ein Gartengrundstück.

Du kannst aber ja mal gegenrechnen, wie viel du in deinem „normalen“ Leben für fünf Monate ausgeben würdest, mit Miete, Essen gehen, Freizeitaktivitäten, Pendeln, Freunde besuchen, sonstiger Konsum, Kino…

Abenteuer sind für mich keine Geldfrage, sondern eine Prioritätenfrage. Wir haben uns nicht gefragt, ob wir es uns leisten können. Sondern, ob wir es uns leisten wollen, es nicht zu tun. Wir haben lange vorher unsere Prioritäten angepasst und dafür auf andere Dinge, die uns weniger wichtig sind, verzichtet.

Warum gerade Norwegen?

Weil Norwegen Weite für den Kopf bedeutet. Weil wir dort tagelang im Zelt leben dürfen. Weil wir bis ans Nordkap laufen könnten und weil sich dieses Land für uns nach Raum für Gedanken und Stille anfühlt. Das ist alles, was wir uns von der Fernwanderung wünschen. Und all das ganz ohne Flugzeug zu erreichen.

Was passiert mit eurer Wohnung?

Wir werden unsere Wohnung untervermieten. So sparen wir uns die Miete für die Zeit, in der wir nicht da sind, und haben unser Budget für die Reise etwas entlastet. Und es fühlt sich gut an, zu wissen, dass wir loslaufen und dann wieder in unser Zuhause zurückkehren können.

2. Mentales & Beziehung: 2700 km zusammen – was das für uns bedeutet

Wie trefft ihr eure Entscheidungen?

Wenn eine Entscheidung ansteht, besprechen wir diese auch gemeinsam, schließlich müssen wir beiden auch die Konsequenzen tragen (oder laufen). Wir gehen alle möglichen Optionen durch und entscheiden dann gemeinsam, wie wir vorgehen wollen.

Was passiert, wenn ihr (oder nur eine*r von euch) abbrechen will/muss?

Vorweg: Abbrechen ist für mich/uns kein Versagen. Wenn wir die Wanderung abbrechen würden, wäre das eine starke Entscheidung. Und basierend auf den Gegebenheiten, die uns dazu geführt haben, wird sie sicherlich richtig sein. Wir vertrauen mal der Zukunftselster.

Aber ganz ehrlich? Letztlich wissen wir es auch nicht und es kommt enorm auf die jeweilige Situation an.

Wir wissen beide, dass wenn ich abbrechen müsste, der Fuchs wahrscheinlich nicht alleine weitergehen könnte. Das liegt daran, dass ich die gesamte Tour geplant habe und navigieren werde. Das kann der Fuchs nicht für sich alleine spontan übernehmen.

Wenn der Fuchs abbrechen müsste, kommt es sehr darauf an: Muss er nur eine Pause machen? Oder komplett abbrechen? Wenn er sich schwer verletzen würde, würde ich natürlich bei ihm sein wollen. Je nachdem, was der Grund ist, gehe ich davon aus, dass ich ggf. aber weitergehen würde und er dann zu einem späteren Zeitpunkt hoffentlich wieder dazukäme.

Aber das ist so situationsabhängig, dass eine Prognose geben zu können, wirklich schwer ist. Und wir hoffen mal, dass das nicht eintrifft.

Wie bleibt ihr in Kontakt?

Man mag es kaum glauben, wie oft ich das gefragt werde 😀 Wir haben aber ja unsere Handys dabei und auch wenn es in Norwegen Weite über Weite gibt, kommen wir doch immer mal wieder an Orten vorbei, an denen es Internet und Empfang gibt (wahrscheinlich häufiger, als uns lieb ist).

Was macht ihr, wenn ihr unterwegs streitet?

Meiner Erfahrung nach streiten wir unterwegs nicht, weil wir miteinander ein Problem haben, sondern eher, weil etwas anderes nicht stimmt: Jemand hat Hunger, Schmerzen oder ist erschöpft, die ständig nassen Klamotten nerven… you name it.

Hier müssen wir darauf achten, was die Ursache ist und schauen, dass wir uns etwas Gutes tun und füreinander da sind. Und ich hoffe einfach mal, dass wir das hinkriegen 😀

Habt ihr Angst?

Ja, natürlich. Und das ist auch voll okay. Wir werden schließlich in Gewitter, Regen und Wind draußen unterwegs sein und in einem dünnhäutigen Zelt schlafen. Aber Angst heißt nicht, es nicht zu machen. Also gehen wir trotzdem los.

Was, wenn euch nach 4 Wochen langweilig wird?

Wenn uns langweilig wird, dann vermutlich, weil wir vergessen haben, warum wir losgegangen sind 😀 Dann erinnern wir uns eben daran, oder warten einfach auf den nächsten Elch 🙂 Oder schlemmen Schokolade und Waffeln, bis wir wieder Spaß haben.

3. Ausrüstung & Training: Wie bereitet man sich auf eine Fernwanderung vor (Spoiler: anders als gedacht)

Was macht ihr bei Erschöpfung?

Wir werden durchschnittlich 20 -25 Kilometer am Tag laufen, also eine sehr berechtigte Frage. Das wird verdammt anstrengend. An manchen Tagen weniger (ein Hoch auf Ruhetage!), dafür an anderen umso mehr…

Wir werden versuchen, bewusst darauf zu achten, dass es uns gut geht, körperlich wie emotional. Und wenn eins davon kippt, dann ist Ausruhen und Ablenken angesagt. Und Rücksicht aufeinander nehmen.

Erschöpfung ist auf einer Fernwanderung kein Zeichen von Schwäche, sondern Teil des Weges. Entscheidend ist, sie ernst zu nehmen, bevor sie zur Überlastung wird.

Wie lange trainiert man für so eine Wanderung?

Hier würde ich zwischen körperlichem Training, und mentaler Vorbereitung unterscheiden. Denn eine solche Wanderung erfolgreich abzuschließen, entscheidet sich zu 80% im Kopf, und nicht in den Füßen.

Zuerst körperlich: Um ganz ehrlich zu sein, eigentlich bereiten wir uns kaum explizit auf die Fernwanderung vor, haben also kein spezielles Trainingsprogramm. Auf diese körperliche Ausnahmesituation kann einen kein Training vorbereiten, außer dass der Körper gesund sein muss. Unser Kredo ist: Man wird fit auf dem Trail.

Wie soll man dafür trainieren, auf einmal jeden Tag über zwanzig Kilometer zu laufen? Genau: In dem man über zwanzig Kilometer am Tag läuft. Was wir also machen:

  • Was haben uns für einen Yogakurs angemeldet, um dem Einrosten des Körpers etwas entgegenzuwirken, und ich gehe einmal die Woche ins Gym, um die Gelenke vorzubereiten / zu stabilisieren. Der Fuchs macht ein eigenes Gymnastiktraining.
  • Wir planen wir die ersten zwei Wochen bewusst kürzere Tage auf der Tour. Längere Tagesetappen gibt es erst ab Woche drei/vier. So kann der Körper sich nach und nach an die Belastung gewöhnen.
  • Auf der Wanderung selbst bauen wir morgens und abends Dehnübungen ein, um Verletzungen und Belastungen vorzubeugen.

Mental: Wir sprechen sehr viel über die Tour. Was sie mit uns macht/machen wird, was wir uns von der Tour wünschen, was wir denken, was für uns schwierig sein wird. Ich setze mich bewusst mit dem Weg an sich auseinander, indem ich Blogs und Bücher zu Norwegen und Norge på langs lese.

Darüber hinaus höre ich sehr viele Podcasts zum (Fern-)Wandern, um Eindrücke zu bekommen, was einen auf einer langen Wanderung erwartet. Ein Pendel-Leben mit Zugfahren jeden Tag muss ja für was gut sein.

Wer trägt was?

An Rucksackgewicht? Da tragen wir eigentlich beide alles. Jene Gegenstände, die wir gemeinsam nutzen, teilen wir gerecht auf unsere beiden Rucksäcke auf. Für mehr Infos hierzu, schau gerne bei unserer Norge på langs Packliste vorbei (hier findet ihr auch Infos zu unseren Versorgungspaketen).

An Verantwortung? Das kommt auf den Aufgabenbereich an. Ich bin aufgrund der Ausbildung zum Outdoor & Trekking Guide tiefer in einigen Themen drin, und habe daher die tatsächliche Wanderung geplant, während der Fuchs sich eher auf die „Abwicklung“ vom Zuhause konzentriert hat (Wohnung vermieten, Versicherungen abschließen, sonstige Recherchearbeiten, …).

Wo bekommt ihr euer Essen her, geht ihr jagen, angeln oder Pilze sammeln?

Ich muss zugeben, diese Frage überrascht mich immer wieder und ich muss immer drüber schmunzeln 😀 Die Vorstellung von einer Fernwanderung scheint sehr von Sendungen wie 7 vs. Wild und Ähnlichem eingefärbt zu sein.

Eine Fernwanderung ist aber in erster Linie – ihr werdet es hoffentlich erraten 😉 – eine Wanderung. Und hat wenig mit Survival und Bushcraft im eigentlichen Sinne zu tun. Wandern heißt unterwegs sein, sich Landschaften Schritt für Schritt zu erschließen und hinter sich zurücklassen. Da hat man für Jagen und Sammeln keine Zeit.

Geschweige denn will man das zusätzliche Gewicht eines Gewehrs mitschleppen. Noch hat man nach langer Wanderung noch die Energie stundenlang auf’s Essen zu warten 😉 Unsere Route läuft also alle paar Tage an Supermärkten vorbei, sodass wir hoffentlich nicht verhungern müssen und unser Gaskocher wird uns sicherlich gut versorgen 🙂

Auf geht’s

Wie ihr seht: Die ehrliche Antwort auf viele der oben gestellten Fragen ist also, dass wir es noch nicht so genau wissen. Also werden wir es herausfinden. Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer.

Und wenn gar nichts mehr geht, gibt es ja immer noch Schokolade, Waffeln oder den nächsten Elch. Also insgesamt finde ich, dass das nach einem ganz guten Plan klingt.


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

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