Outdoor & Trekking Guide Modul 4 (April 2025): Im Fluss. Und ein sehr kalter Realitätscheck

Wald. Sturm. Mittelgebirge. Schnee. Was fehlt noch? Richtig: Wasser.

Nach drei Modulen in festen Wanderschuhen war es Zeit, das nächste Element kennenzulernen. Statt „Wie halte ich mein Zelt im Orkan?“ oder „Wie friere ich nicht im Iglu?“ lautete die neue Frage: Wie bleibe ich in einem Packraft sicher über der Wasseroberfläche?

Willkommen in Modul 4.

Warten auf Regen

Anders als bei Modul 3 warten wir dieses Mal nicht auf Schnee, sondern auf Regen. Wie schon beim Wintermodul mit dem kollektiven Schneetanz, standen wir diesmal unter meteorologischer Beobachtung. Ohne ausreichenden Wasserstand, gibt es kein Paddeln.

Daher auch hier wieder: Wochenlanges Bangen, mit ständigem Blick auf Pegelstände. Die Natur läuft eben nicht nach unserer Uhr und ist nicht dafür da, unsere Erwartungen und Ansprüche zu erfüllen.


Und dann: Bayerischer Wald, im Adventure Camp Schnitzmühle. Beheizte Waschräume. Restaurant. WLAN. Als angehende Outdoor-Guides fühlte sich das fast unverschämt komfortabel an. Aber hey – wir waren zum Lernen da, nicht zum Leiden 😉

Mein Zuhause als Logistikzentrum

Für das Paddelmodul kam zur üblichen Trekkingausrüstung noch folgendes von TrekPack dazu:

  • Packraft
  • Paddel
  • Helm, Schwimmweste und Trockenanzug

Und was ist überhaupt ein Trockenanzug…?

Anders als ein Neoprenanzug, wird unter einem Trockenanzug richtige Kleidung angezogen, je nach Temperatur unterschiedlicher Dicke. Ich hatte bei bis zu 10 Grad Außentemperatur eine einfache Sportleggings und ein langärmeliges Merinoshirt an. Die Enden des Trockenanzugs (Hals, Handgelenke und Knöchel) sind aus Gummi und liegen ganz eng an der Haut. Wenn man tatsächlich ins Wasser fällt, bleibt es unterm Anzug also idealerweise trocken. Also Neoprenanzug ist für ins Wasser gehen, der Trockenanzug zum trockenhalten falls man ungeplanterweise reinfällt.

Mein Zuhause sah kurzzeitig aus wie ein wirklich schlecht sortierter Outdoorladen:


Erste Schritte – oder: Don’t skip arm day

Wie bei den Schneeschuhen in Modul 3 begann alles mit einer Trainingsstunde: Erstmal die Basics lernen. Nur diesmal im kleinen Teich! Das Packraft das erste Mal aufpumpen. einsteigen üben, versuchen die Balance zu halten, alles gar nicht so einfach. Und bei all dem bloß nicht umkippen.

Mein Packraft war erstaunlich bequem – und erstaunlich dünnhäutig. Zwischen mir und acht Grad kaltem Wasser lag nur ein dünner Stoffboden. Ich nahm also vorsichtshalber meine Schaumstoffsitzmatte mit ins Boot, das hat etwas Wärme geboten.

Luxus oder Genialität? Man weiß es nicht.


Nur ein paar Züge im Wasser unterwegs wurde mir aber folgendes klar: Wandern trainiert Beine, Paddeln trainiert den Oberkörper. Und die innere Couchpotato. Während man beim Wandern auch andauernd kurz stehen bleiben, verschnaufen oder Pause machen kann, muss man auf dem Packraft immer wachsam bleiben und die Strömung im Blick (oder unter Kontrolle?) halten.


Wasser lesen: Wer hat da was von Rabbits gesagt?

Ein Fluss hat keine Wegweiser. Stattdessen liest man die Muster und Formen des Wassers, Strömungen, Wellen:

  • Ein V auf der Wasseroberfläche deutet auf ein Hindernis darunter – hier sollte man versuchen, es möglichst elegant zu umfahren.
  • Ein A weist auf einen gefahrlosen Korridor hin. Hier kannst du durch.
  • Ein „Knartsch“-Geräusch? Dann hast du das V zu spät gesehen.
  • Eddies hingehen sind ruhige Stellen hinter Hindernissen – sie sind kleine Erholungsoasen ohne Strömung. Dort sammelt man sich, atmet durch, und tut so, als hätte man alles im Griff. Bis einen die Strömung rückwärts wieder hinausschiebt.

Freitag – Eis, Eisvogel und Eddy-Drama

In der Nacht hatte es tatsächlich noch gefroren, obwohl schon April war. Mein Zelt war morgens von einer feinen Eisschicht überzogen – sehr ästhetisch:

Zum Glück hatte ich neben meinem Schlafsack noch einen Quilt dabei. Modul-3-Learning: Lieber ein bisschen zu warm als nachts philosophisch über Körpertemperatur nachdenken.


Nach einem gemütlichen Frühstück am Fluss – inklusive Eisvogel-Sichtung (wirklich so kitschig schön, dass es fast ins Drehbuch passte) – ging es mit der Bayrischen Waldbahn zum Einstiegspunkt.

Mit Packraft, Helm und Trockenanzug im Regionalzug unterwegs zu sein, sorgt übrigens zuverlässig für Gesprächsstoff. Und interessierte Blicke.

Dann: Strömung. Rein. Raus. Durchs A. Am V vorbei. Knartsch. Learning by paddling.


Strömung Grad III

Am Samstag wartete eine Stromschnelle Grad III. Offiziell „schwierig“.

Welche Schwierigkeitsgrade gibt es denn im Fluss?

Es gibt bis zu 6 Schwierigkeitsgrade. Wir haben im diesem Modul Strömungen bis zu Schwierigkeitsgrad III absolviert. Diese werden grundsätzlich als „schwierig“ kategorisiert, mit hohen Wellen, Wirbeln und Hindernissen im Flussverlauf. Das war aber nur an einer Stelle. Grad VI gilt laut Wikipedia als nicht mehr befahrbar. Also das haben wir dann mal ausnahmsweise ausgelassen.

Wir sammelten uns im Eddie. Ein sicherer Ort. Dachten wir zumindest. Denn kaum haben wir alle ein Plätzchen im Eddie gefunden, wurden zwei von uns rückwärts erfasst und in Richtung Stromschnelle gespült. Eddies sind also doch keine sorglosen Wellnesszonen.

Am Ende kam aber doch noch jede*r ohne Kentern durch, mit ziemlich rasendem Puls, aber auch gut aufgebautem Selbstvertrauen in den Wellen. Doch das eigentliche Highlight kam noch.


„Jetzt fallt bitte gezielt ins Wasser, danke.“

Sieben Grad Wassertemperatur… Und wir sollten freiwillig rein. Na toll. Ich wusste zwar, dass ich sicher war. Ich wusste, dass ich den Trockenanzug trug. Ich wusste, dass ich es können sollte, aber trotzdem brauchte ich einen ganz schön langen Moment, bis ich mich tatsächlich überwunden habe.

Seitlich ins Wasser gleiten, reinfallen und dann: Richtig krasse Kälte um mich herum, dass es mir kurz die Luft abschnürte. Und dann sollten wir eigentlich wieder ins Boot klettern.

Spoiler: Reinfallen ist einfacher als wieder reinklettern.

Verzweifelter Versuch, zurück ins Boot zu klettern

Ohne festen Boden unter den Füßen war das für mich eher ein „strategischer Rückzug ans Ufer“. Demut-Level: Stabil. Und noch ein wichtiges Learning:
Trockenanzüge halten dich trocken, aber nicht warm.


Was ich aus Modul 4 mitnehme

1. Wasser ist ein lebendiges System. Man führt nicht gegen den Fluss, sondern mit ihm.

2. Sicherheit entsteht durch Übung. Lieber kontrolliert kentern als unkontrolliert umkippen.

3. Komfortzone sinkt mit kalter Wassertemperatur.


Im Fluss sein

Modul 4 war weniger magisch als der Sternenhimmel im Schnee – aber mindestens genauso intensiv. Ich habe gelernt, dass Führung auf dem Wasser schnellere Reaktion und mehr Vorausdenken braucht.

Und dass ich offenbar bereit bin, freiwillig in sieben Grad kaltes Wasser zu springen. Auch interessant. In dieser Ausbildung mache ich doch so einiges mit, was ich vorher nicht gedacht habe.


Ausblick Modul 5

Ende Juni geht es ins norwegische Fjell – und damit ins letzte Modul dieser Ausbildung. Eine Woche Norwegen, ultraleicht gepackt (zumindest theoretisch), plus 4–5 Kilogramm Essen. Fondue ist also endgültig raus, weil einfach zu schwer 🙁

Mit Modul 5 schließt sich der Kreis: Wald, Notfall, Schnee, Wasser – und jetzt Weite. Ich bin gespannt, ob das Finale ruhig wird. Erfahrungsgemäß wäre ich vorsichtig mit solchen Hoffnungen 😉


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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

2 Kommentare zu „Outdoor & Trekking Guide Modul 4 (April 2025): Im Fluss. Und ein sehr kalter Realitätscheck

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