Fünf Module. Wald, Sturm, Notfall, Schnee, Wasser. Und jetzt: Endlich ins Fjell.
Sieben Tage Norwegen mit seiner unendlichen Weite, die sich dem Auge entzieht. Und das letzte Kapitel dieser Guide Ausbildung.
Vorbereitung
Oder: Wie viel Essen ist zu viel Essen? Sieben Wandertage bedeuten vor allem eines: Gewicht. Vier bis fünf Kilogramm Essen. Also ist das schwere Käsefondue wirklich offiziell raus.
Ich bastle mein Essen ja selbst – Tütensuppen, Kartoffelbrei, Sojageschnetzeltes. Leicht, bezahlbar, funktional. Röstzwiebeln habe ich vergessen. Getrocknete Früchte auch. Shit happens.


Trailrunner plus Sealskinz-Socken sollten dieses Mal nicht fehlen. Füße werden im Fjell nass – das ist kein „ob“, sondern einfach nur ein „wann“. Schlafsystem-Upgrade inklusive Quilt. Frieren wollte ich nicht.







Abschlussprüfung – jetzt wird’s ernst
Jede Weiterbildung braucht eine Prüfung. Unsere: einen Tag selbst als Guide die Gruppe führen und eine entsprechende Ausarbeitung vorlegen. Das beinhaltet die Route zu planen, Exit-Points zu definieren, Wasserstellen zu recherchieren, wie auch mögliche Zeltplätze für die Tagesetappe zu prüfen.

Plötzlich denkt man nicht mehr nur in „Wo laufe ich lang?“, sondern in „Wie kann ich reagieren, wenn etwas schiefläuft? Was für Möglichkeiten habe ich?“ Das hat mir mehr Spaß gemacht, als ich erwartet hatte. Vielleicht, weil man doch merkt, wie viel man inzwischen in der Ausbildung gelernt hat.
Beginn: Regen, Weite und nasse Realität
Norwegen begrüßte uns standesgemäß mit Regen, zehn Grad, vielen Pfützen, also generell Fjell-Nässe. Und doch ist diese Landschaft einfach unbeschreiblich mit ihrer Weite. Alles sieht nah aus – und ist doch noch eine Stunde Fußweg entfernt.



Wenn man mehrere Tage unterwegs ist, es keine Sonne gibt, und es ständig – wenn auch nur ein wenig – regnet, dann ist irgendwann einfach alles nass.

Hände nass. Schuhe nass. Stimmung? Erstaunlich stabil. Einzig die Schlafsachen blieben heilig. Und untertags wurde, wenn es mal nicht regnet, der Schlafsack direkt rausgeholt und zum Trocknen an den Rucksack gehängt. Oder auf die Sträucher gelegt:




Höhenmeter, Seen und die große Weite
Am Pass übten wir Rettungsszenarien. Ein bisschen Training muss schließlich sein – auch im Finale. Die Entfernungen sind schwer greifbar. Bäume fehlen als Maßstab und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, durch eine Doku-Kulisse zu wandern.





Ich fragte mich mehrfach, womit wir diese wunderschönen Landschaften eigentlich verdient hatten? Vielleicht durch Modul 2…



Magie: Fisch, Rentiere, Elch
Über die Tage haben wir nach und nach auch unsere Bekanntschaft mit verschiedenen Fjellbewohnern machen dürfen. Am 4. Tag war dieser Abend mit dem frisch gefangenen Fisch. Und Schwärmen von Mücken (endlich konnten wir die Mückenkopfnetze rausholen und haben die 10 Gramm nicht umsonst geschleppt).
Und am vorletzten Abend waren sie plötzlich da: Die Rentiere.



Tagelang hatten wir nur ihre Spuren und Hinterlassenschaften am Boden gesehen – dann standen sie auf einmal einfach vor uns und trabten um unser Camp herum. Und wir verbrachten den ganzen Abend damit, um sie herumzuschleichen. Oder sie um uns?
An schlafen war da logischerweise gar nicht mehr zu denken. Am nächsten Morgen: immer noch Rentiere.




Und als wäre das nicht genug, lief später auch noch ein Elch fast direkt auf uns zu. Drehte ab. Sprang in einen See. Schwamm und verschwand. Wie viel Glück kann man denn eigentlich haben? Ach ja. Modul 2 🙂


Flüsse furten, Wind und letzte emotionale Höhenmeter
Und um der Ausbildung den letzten Schliff zu geben, gab es am vorletzten Tag noch ein Furten-Training. Also wieder nasse Füße. Anschließend noch ein Hindernislauf über Flüsse. Und schließlich das letztes Camp im Fjell.



Abschied von der Ausbildung
Der letzte Morgen war regnerisch, windig. Und für mich emotional sehr aufwühlend.
Ich blieb etwas länger im Zelt liegen und versuchte, mich mit Musik in den Ohren und dem letzten Müslifrühstück etwas runterzufahren. Dabei dachte ich viel daran zurück, was diese Ausbildung mit mir gemacht hatte.
Orkan. Goldener Herbst. Käsefondue bei -5 Grad. Schlafen unterm Wintersternenhimmel und Orion. Das Schrabben des Packrafts über Steine im Wasser. Und nun das Fjell.
Das letztes Mal Zelt abbauen. Letztes Mal Morgen-Check-In mit der Gruppe. Ich lief an diesem letzten Morgen die letzten Kilometer etwas hinter der Gruppe. Nicht, weil ich nicht mithalten konnte – sondern weil ich begriff, dass hier etwas zu Ende ging und ich versuchte, das für mich zu sortieren.
Was bleibt
Ich habe gelernt, Gruppen sicher zu führen. Routen zu planen. Risiken einzuschätzen. Kälte zu managen. Wasser zu lesen. Mit Angst umzugehen. Aber vor allem habe ich gelernt, mir selbst draußen unterwegs zu vertrauen. Und dass Erfahrung einen wachsen lässt.
Und Unsicherheiten einfach dazugehören und voll okay sind. Aber auch, dass ich viel stärker bin, als ich zu Beginn dachte (wo ich mich doch kaum getraut hatte, mich für die Ausbildung anzumelden).
Und vielleicht ist genau das die größte Erkenntnis dieser Ausbildung:
Draußen geht es für mich nicht darum, besonders mutig oder fit zu sein. Sondern vorbereitet, wach, lernbereit und auf mich vertrauend.
Fünf Module, ganz viel Natur und viele Kilometer später weiß ich nämlich, ich muss wirklich nicht alles können. Aber ich weiß jetzt, wie ich es lernen kann.




Kurzer Disclaimer: Ich erhalte kein Geld für die genannten Gegenstände und Marken per Links. Meine Liste beruht einzig und allein auf meinen persönlichen Erfahrungen und Vorlieben.
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4 Kommentare zu „Outdoor & Trekking Guide Modul 5 (Juni 2025): Weit, weit, weit – und das letzte Element.“