Nachdem wir unsere erste Etappe auf dem Alpe Adria Trail (AAT) in 2021 gelaufen sind, sollte es in 2023 für eine weitere Etappe zurück nach Slowenien und schließlich bis nach Italien gehen.
Der AAT ist ein richtiger Grenzgänger. So kann man über 34 Etappen in Österreich Höhenluft schnuppernd starten, um dann im Bärenland Slowenien durch die bergigen Wälder und Täler weiterzumarschieren und einen Abstecher durch die Karibik zu machen – dem Soca Tal. Auf den letzten Etappen geht es schließlich Richtung Adriatisches Meer nach Italien durch verwunschene Wälder und Weinbaugebiete, bis man in Triest endet. Schon einzig und allein aufgrund der Landschaften, die man durchschreitet, ist der Weg immens vielfältig, aber auch Kulinarik und Leut‘ bringen einiges an Abwechslung mit.
Part 2: April/Mai 2023 – Von Tolmin nach Trieste bis ans Meer
Vorbereitung und Routenplanung
Wir haben uns für den zweiten Part auf dem AAT zum Großteil an der Routenführung vom Rother orientiert. Ich finde, dass sich hiermit ein solcher Weitwanderweg gut planen lässt.
Zudem haben wir diesmal – anders als bei unserer ersten Tour auf dem AAT – kein Zelt dabei. Wir haben uns die Route geplant, und dann für alle Etappenziele Unterkünfte (z.B. über Booking, oder AirBnB) gebucht. So konnten wir das Gewicht in unseren Rucksäcken noch etwas stärker reduzieren.
Verpflegung haben wir ebenfalls kaum dabei gehabt. Neben den Snacks für untern Tag hatten wir für drei Tage auch Frühstück dabei. Bei den anderen Unterkünften war das Frühstück standardmäßig in der Übernachtung enthalten oder wir konnten gut vor Start noch einkaufen gehen. Also auch gewichtsoptimiert unterwegs 🙂
| Tage | Start und Ziel | Entfernung |
| Tag 1 | Most na Soci – Tolmin – Tribil di Sopra | 19,4 |
| Tag 2 | Tribil di Sopra – Cividale del Friuli | 24,7 |
| Tag 3 | Cividale del Friuli – Golo Brdo | 13,2 |
| Tag 4 | Golo Brdo – Smartno – Gonjace | 26,6 |
| Tag 5 | Gonjace – Cormons | 14 |
| Tag 6 | Cormons – Gradisca d’Isonzo | 16,6 |
| Tag 7 | Gradisca d’Isonzo – Monfalcone | 18 |
| Tag 8 | Monfalcone – Duino -Prepotto | 20 |
| Tag 9 | Prepotto – Prosecco- Trieste | 24 |
Tag 1 bis 3
Nach eineinhalb Jahren hatten wir wieder slowenischen Boden unter den Füßen. Wir reisen wie immer per Zug an, diesmal fahren wir bis nach Bled, bleiben dort für eine Nacht und nehmen am nächsten Tag ganz früh den ersten Zug nach Most na Soci. Das klappt auch ganz wunderbar und so stehen wir gegen 8:00 Uhr in Most na Soci und laufen nach Tolmin zum Start des Trails. Der Himmel ist von dunklen Wolken bedeckt und der Regen sollte auch nicht lange auf sich warten. Toll – ich hatte ja gedanklich total mit Sommer, Sonne, Sonnenschein gerechnet, einfach weil wir später noch nach Italien kommen würden. Aber gut, es ist ja auch erst Ende April, ergibt schon Sinn, dass es nicht allzu warm von Beginn an sein würde.
Mit „nicht allzu warm“ würde ich an diesem Tag aber noch sehr untertreiben. Kaum sind wir im Aufstieg hoch zum Klabuk, der uns bis ca. Mittags beschäftigen sollte, fängt es an wie aus Kübeln zu regnen. Ich denke zu spät daran, die Regenhose über die Leggings zu ziehen, da ist diese schon durchnässt. Unter der Regenjacke komme ich wegen des Aufstiegs ziemlich ins Schwitzen, und so kühle ich doch schnell aus und mir ist eisig kalt, als wir oben ankommen.
Da sich nun der Regen in Hagel und Schnee verwandelte, und dann auch noch kalter Wind oben ging, habe ich kurz das Gefühl zu erfrieren: Zum Glück hat oben das Refugio Solarie auf und rettet mich buchstäblich – so kalt ist mir lange nicht gewesen (und ich bin schon mal in Kanada bei -38 Grad draußen rumgelaufen). Unser Anblick und meine blauen Lippen bringen uns ziemliches Mitleid von der Wirtin und den anderen Gästen ein.
Ich muss erstmal einen Tee trinken, und brauche bestimmt eine Stunde bis ich mich vom Eiszapfen zurück verwandle und das Zittern nachlässt. Nach einer warmen Stärkung (und einem Klamottenwechsel) geht es für uns wieder raus in die Kälte und wir kommen heile in unserer Unterkunft in Tribil di Sopra an – und dann das beste: Die Unterkunft hat eine Badewanne! Man gönnt sich ja sonst nichts 😉


Mehr als diese zwei Fotos habe ich an dem Tag tatsächlich nicht gemacht, weil der Körper mit Frieren beschäftigt war 😀
Am zweiten Tag geht es – etwas wärmer – 25km auf einem Grat entlang. Wir passieren einige Bunkeranlagen aus dem ersten Weltkrieg, verlassene Dörfer und ein weiter Ausblick über die Landschaft. Wir sind die ganze Zeit alleine unterwegs, keine Menschenseele kreuzt unseren Weg.
Nur eine Wildsau mit ihren Ferkeln erschrecken wir aus Versehen. Wobei sie uns mit ihrem fluchtartigen Sprung aus dem Unterholz weg von uns, gefolgt von einer Schar Ferkeln mindestens genauso einen keinen Herzinfarkt bescherte. Ansonsten ist Stille auf den Wegen. Da kann mein Gehirn ja wieder Achterbahn der Gefühle namens „Angst vor Bären“ spielen. Toll 😀
Mir ist tatsächlich den ganzen Tag über kalt – bis wir nach Castelmonte aus den Höhen hinabsteigen und uns langsam Cividale del Friuli nähern. Es ist als würden wir auf einmal in italienische, warme Luft hineinschreiten. Eine Wohltat für meinen kühlen Körper.
Als wir Abends tatsächlich in Cividale del Friuli eintreffen, ist es sonnig warm, die Häuser sind bunt, die Straßen voller Menschen. Ein ziemliches Kontrastprogramm zum einsamen Pfad des Tages. Das Ende des Tages ist gefüllt von Sonnenstrahlen und Pizza <3







Heute steht eine kürzere Tour auf dem Plan und daher machen wir uns gemütlich erst um 10 Uhr los. Der Weg führt uns durch eine Landschaft voller Weinberge und wir sind guter Dinge, da die Sonne auf uns herabscheint – perfektes Wanderwetter, ohne zu warm zu werden.
Und so kommen wir gut gelaunt schon am frühen Nachmittag in Golo Brdo in unserer Unterkunft an und nutzen die Zeit, ein bisschen zu entspannen, Schorle zu trinken, und die kommenden Tage zu planen. Wir sind nun auch wieder in Slowenien





Tag 4 – 6
An diesem Tag haben wir einige Kilometer vor uns, und so machen wir uns früh auf den Weg. Zu Beginn geht es durch ein Waldstück bergauf und dann wieder durch Weinberge. Bei einer ersten Pause kommt uns Ulrike entgegen, die vor zwei Wochen in Triest gestartet ist. Wir wundern uns, dass sie zwei Wochen bis hierher gebraucht hat? Sie sieht uns unsere Verwunderung wohl an: Sie hat so viel Spaß an der Landschaft und dem Wein, dass sie es ganz bewusst sehr langsam angeht – verständlich 😀
Abgesehen von dieser Begegnung sehen wir wieder kaum eine Menschenseele – wir sind allein. Der Weg ist heute etwas frustrierend. Man läuft die ganze Zeit in großem Bogen um das spätere Ziel herum. Dadurch hat man das Gefühl ewig zu laufen, aber nicht voranzukommen.
Umso mehr freuen wir uns, am frühen Abend endlich in Gonjace in unserer Unterkunft anzukommen und genießen noch die letzten Sonnenstrahlen im zugewucherten Biergarten der Unterkunft. Und ich habe ein neues Lieblingsbier: Das Union Radler mit Grapefruit 😀
Heute soll es nach Cormons gehen – zurück nach Italien. Wie gesagt: Der Alpe Adria Trail ist ein Grenzgänger <3 Auch heute geht es wieder einsam durch die Weinberge, aber wir kommen an kleineren Ortschaften vorbei, in denen man stets für Weineinkehren könnte.






Das Wetter ist heute wieder sehr wechselhaft, sodass wir meistens die Regenjacken anhaben. Aber es ist nicht mehr so kühl wie zu Beginn der Tour, aber ich habe die Temperaturen tatsächlich unterschätzt. Die meiste Zeit der Tour sind wir mit langärmeligen Oberteilen und langen Hosen unterwegs.
Abends in Cormons sind wir vom Städtchen etwas enttäuscht. Cormons wirkt wenig einladend, es ist für uns irgendwie eine merkwürdige Stimmung, sodass wir uns nur kurz etwas auf die Hand fürs Abendessen holen, und uns anschließend in unsere Unterkunft verziehen.





Dieser Tag nach Gradisca d’Isonzo gefällt uns richtig gut. Wir sind froh, Cormons hinter uns zu lassen und uns in die nächste Stadt aufzumachen. Der Tag ist wieder durchzogen von Weinbergen, Sonne, und leeren Wanderwegen. Mittlerweile sehen wir einige Echsen auf den Wegen davonhuschen, wenn wir kommen. Für mich ein Zeichen, dass es mediterraner wird 🙂
Heute haben wir auch das erste Mal das Meer in der Ferne erblicken können. Das sollte uns ab jetzt immer mal wieder passieren – ein Vorgeschmack darauf, wo wir bald sein würden.
Wir haben heute sehr wenige Höhenmeter, und so ist das Wandern sehr gemütlich. Wir wandern von Pausenplatz zu Pausenplatz und genießen die Aussicht auf das Weinbergetal. Schon früh können wir heute unser Tagesziel Gradisca d’Isonzo erahnen. Abends freuen wir uns über eine Pizza und ein Glas Wein 🙂





Tag 7 – 9
Der siebte Tag ist laut Wanderphilosophie ja eigentlich der Zero Day. Der Tag an dem die Beine ausgeruht werden und der Körper schlafen und essen darf. Und sonst nichts! Wir sind aber fleißig und laufen weiter. Wir haben für uns herausgefunden, dass wenn wir eine ca. 10 Tage Wanderung haben, ein Pausentag uns eher nur aus dem Rhythmus bringt. Also weiter geht’s!
An diesem Tag ändern wir die geplante Routenführung des Alpe Adria. Wir planen als Tagesziel Monfalcone, statt Duino. Wären wir bis Duino gelaufen, hätten wir ca. 30 Kilometer zu laufen gehabt, und am Folgetag ebenfalls. Zudem haben wir in Duino für unseren Zeitplan keine für uns passende Unterkunft gefunden. Wir machten es also wieder etwas entspannter mit knapp 20 Kilometern.
An diesem Tag war einiges los auf dem Trail. Vielleicht ist Duino oder die Nähe zu Trieste der Grund? Jedenfalls liefen wir heute zwischenzeitlich sogar parallel zu einer Wandergruppe mit ca. 30 Personen. Diesen Menschen-Flash konnten wir nach der Einsamkeit der vergangenen Tage kaum verarbeiten.
Monfalcone war da auch nicht viel anders, sodass wir uns nur schnell etwas zum Abendessen organisierten.





Aus Monfalcone ging es am nächsten Morgen erstmal entlang der Schienenführung raus aus der Stadt und ab in den Wald, bis wir wieder auf dem Alpe Adria Trail waren. Hier kamen wir erstmal durch ein verbranntes Waldstück. Der Waldbrand musste schon einige Zeit her sein, das Gefühl durch eine solche Landschaft zu laufen hat aber etwas von Mondlandschaft mit grauen Baumleichen.
In Duino war einiges los – daher nur ein kurzer Abstecher in das Duino Castle und noch auf ein Eis. Anschließend laufen wir ein kurzes Stück an dem Höhenweg mit Blick auf die Küste. Die Luft ist schön warm und die Brise tut der Seele gut, nach den ganzen kühlen Tagen, die wir hinter uns haben.
Wir laufen heute bis Prepotto und kommen im Home Dren unter, eine schnuckelige Villa. Sie haben gerade erst aufgemacht und wir sind quasi die ersten Gäste die sie haben. Eine absolute Empfehlung <3



An unserem letzten Wandertag geht es nach einem leckeren Frühstück wieder ab in den Wald. Gegen Mittag sind wir wieder an der Küste, kommen durch Prosecco (richtig gelesen), wo wir uns noch ein Eis mitnehmen. Anschließend laufen wir wieder mit Blick auf das Meer. Wir kommen an Felswänden vorbei, die im Hochsommer wahrscheinlich voll von Kletternden sind, heute aber niemand da ist.






Sobald wir den Weg runter nach Trieste nehmen, verabschieden wir uns auch vom AAT. Die Straßen werden voller und wir tauchen in den Trubel von Trieste ein <3 Und so endet unsere knapp 180 Kilometer Wanderung durch Slowenien und Italien nach 9 Tagen am Molo Audace.
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