Nachdem wir unsere erste richtige Mehrtagestour auf dem E5 ein paar Monate vorher erfolgreich absolviert hatten, ging es nun wieder rein in die Wanderschuhe: Auf den Alpe Adria Trail (AAT) 🙂
Der AAT ist ein richtiger Grenzgänger. So kann man über 34 Etappen in Österreich Höhenluft schnuppernd starten, um dann im Bärenland Slowenien durch die bergigen Wälder und Täler weiterzumarschieren und einen Abstecher durch die Karibik zu machen – dem Soca Tal.
Auf den letzten Etappen geht es schließlich Richtung Adriatisches Meer nach Italien durch verwunschene Wälder und Weinbaugebiete, bis man in Triest endet. Schon einzig und allein aufgrund der Landschaften, die man durchschreitet, ist der Weg immens vielfältig, aber auch Kulinarik und Leut‘ bringen einiges an Abwechslung mit.
Part 1: September 2021 – Von Velden nach Tolmin
Wir haben uns die Strecke von Velden nach Tolmin zuerst vorgenommen. Da ich etwas Höhenangst habe, konnten wir so auf dem Trail einsteigen, ohne zu große Probleme bzgl. gebirgige Höhe oberhalb der Baumgrenze zu haben, und zudem war sowohl Velden als auch Tolmin / Most na Soci mit den Öffentlichen ganz gut zu erreichen 😉
Auch wenn September schon etwas nach der eigentlichen Saison ist, haben wir hier super Wanderwetter gehabt – etwa 15 – 20 Grad tagsüber und nachts nicht unter 10 Grad. Da wir auch ein paar Mal zelten wollten (und zumindest damals noch keine allzu leistungsstarken Schlafsäcke hatten), sollten wir diese Temperaturen ohne weiteres schaffen.
Übersicht Planung:
Für die Planung orientierten wir uns am Rother Alpe Adria Trail. Mit den Rother Wanderführern laufen wir tatsächlich ganz gerne, wenn es einen markierten Weg gibt, dem man nachlaufen will. So haben wir uns dann die Etappen Velden bis Tolmin / Most na Soci rausgesucht: Dieser Teil vom AAT sollte relativ viel Wald, etwas Berge und vor allem das Soca Tal beinhalten, durch welches ich unbedingt wandern wollte.
So setzte sich unsere Strecke wie folgt zusammen:
| Tage | Start und Ziel | Entfernung |
| Tag 1 | Velden – Baumgartnerhof | 21,2 |
| Tag 2 | Baumgartnerhof – Kranjska Gora | 21,2 |
| Tag 3 | Kranjska Gora – Trenta | 20,1 |
| Tag 4 | Trenta – Bovec | 20 |
| Tag 5 | Bovec – Dreznica | 22 |
| Tag 6 | Dreznica – Tolmin | 21,5 |
| Tag 7 | Tolmin – Most na Soci | 5 |
Tag 1
Wir sind über Nacht mit dem Zug von Frankfurt am Main über München, bis nach Velden gefahren und schließlich gegen 11 Uhr vormittags in Velden angekommen. Von dort aus ging es auch direkt los auf den Trail, und wir schleppten uns ziemlich verschlafen bis zum Baumgartnerhof.
Es ging die meiste Zeit durch Felder in der prallen Sonne (für meinen Geschmack etwas zu heiß), an Neuegg am Falker See vorbei, und dann hoch zum Baumgartnerhof, von dem wir eine wundervolle Aussicht hatten.




Tag 2
Am zweiten Tag ging es für uns morgen um 8:00 Uhr los über den Jepzasattel auf den Schwarzkogel auf 1836m. Nach ein paar hundert Metern kam schon das erste Bärenwarnschild – um ehrlich zu sein, so früh hatte ich damit gar nicht gerechnet und brachte mir natürlich direkt ein mulmiges Gefühl ein.
Etwa auf der Höhe des Jepzasattel hörten wir für eine ganze Weile, wie zwei Frauen vor uns eifrig am Schnattern. Bestimmt waren da zwei Besties unterwegs, so wie das klang 🙂 Irgendwann holten wir die beiden kurz vorm Gipfel ein. Besties waren sie tatsächlich nicht, sondern hatten sich erst an dem Morgen beim Aufbrechen vom Baumgartnerhof kennengelernt 😀 Schön, beim Wandern findet man einfach immer neue Leute.
Die beiden hatten dann beschlossen, die nächsten Tage zusammenzulaufen und wir machten uns gemeinsam an den Gipfel. Zum Glück – denn natürlich hatte ich wieder totale Angst in der Höhe an den ausgesetzten Stellen und konnte mich nur unter Tränen den Berg hochschleppen.
Mit der fröhlichen Gesellschaft war das einfacher hinter sich zu bringen. Gegen 14 Uhr trennten sich unsere Wege, da Fuchs und ich etwas langsamer unterwegs waren. Irgendwie hatten wir an diesem Tag die Zeit und die Entfernungen nicht richtig im Blick.
Wir brauchten doch um einiges länger und dann haben wir in Srednji Vrh, ein Dorf ca. eine Stunde vor Kranjska Gora (unserem Etappenziel), die Orientierung verloren und sind 45 min in die falsche Richtung gelaufen… Zu alledem fing es nun auch an zu dämmern und zu regnen, sodass wir langsam wirklich ankommen wollten.
Kurz drauf hörten wir schon den ersten Donner. Die restliche Stunde waren wir in einen dschungelartigen, dichten Wald, in dem es auf Wurzelwerk stetig bergauf-bergab ging, unterwegs und es war langsam richtig nass und auch etwas unheimlich – ich, die immer noch das Bärenwarnschild im Kopf hatte, fing irgendwann an laut zu singen: Nicht, dass wir auf einmal in der Dunkelheit in einen Bären hineinplatzen würden – *Hänschen klein ging allein* würde uns sicherlich vor einer solchen Begegnung bewahren.
In solchen Situationen wird mein Gehirn meist etwas irrational – ziemlicher Blödsinn, hier einem Bären zu begegnen, wo doch auch die Straße gar nicht so weit war, aber man weiß ja nie!
In totalem Stress und klitschnass kamen wir schließlich 2h nach unserem Zeitplan im Dunkeln in unserer Unterkunft an und fielen quasi direkt ins Bett – zum Glück ohne Bärenrendezvous.






Tag 3
Die Schnattertanten trafen wir nach Tag 2 leider nicht wieder, sie mussten tatsächlich ein ganzes Stück schneller, oder langsamer geworden sein als wir. Wir glauben ersteres. Am dritten Tag hatten wir herrliches Wetter. Es ging an der Russischen Kapelle vorbei hoch auf den Vrsic-Pass und dann am Soca-Ursprung vorbei bis nach Trenta zu unserem ersten Campingplatz auf der Strecke.
Nach einen viel zu breiigen Haferfrühstück, das mir viel zu schwer im Magen lag, ging es wieder gegen 8:00 Uhr los, ab in die Sonne. Nichts ließ mehr darauf schließen, dass uns am Tag vorher Gewitter, Donner und Starkregen durch den Wald gescheucht hatte.
Heute war das Wetter schön warm, und wir krakselten den Berg hinauf. Heute war nicht mein Tag. Das stressige Ende vom gestrigen Tag hing mir noch nach, und ich kam nicht richtig in die Gänge, sondern schleppte mich eher dem Fuchs hinterher, der wie immer wie eine Gams den Berg hinaufhuschte.
Auf dem Vrsic-Pass gab es leider wegen des nebligen Wetters kaum Aussicht, dafür aber eine richtig gute, wärmende Sauerkrautsuppe 🙂
Der Abstieg fiel mir dann schon etwas leichter und durch die gebirgige Landschaft zu laufen tat der Seele gut. Gegen 19:00 Uhr kamen wir dann auch am sehr modernen und renovierten Campingplatz Kamp Triglav an, bei dem wir für knapp 25 EUR nächtigen konnten.








Tag 4
Endlich sollte es durch das Soca-Tal gehen. Eigentlich waren wir nur deswegen hier: Weil ich unbedingt an der Soca laufen wollte. Dieser Tag war mit einer der entspanntesten überhaupt 🙂 Wir hatten zwar trotzdem 20 km vor uns, aber kaum Höhenmeter. So waren wir geplant 6h die ganze Zeit am Ufer von der Soca unterwegs und konnten uns am Türkis dieses Flusses kaum sattsehen.
Kurz nach unserem Campingplatz liefen wir in zwei Männer geschätzt kurz vorm Rentnenalter rein, die uns direkt ansprachen. Sie kamen aus Österreich und laufen jedes Jahr einen Teil des AATs mit einer Gruppe zusammen.
Dieses Jahr haben sich die beiden aber freigenommen, um alle restlichen Etappen in einem Stück zu laufen. Da sie in jeder Raststätte kategorisch einkehrten auf ein Getränk oder auf etwas zum Schlemmen, erhielten sie von uns schnell den Spitznamen Genussdudes (man merkt, Fuchs und ich sind groß im Spitznamen vergeben für Trailgefährten).
Anders als die Schnattertanten, sind die Genussdudes jedenfalls die restlichen Etappen unsere unregelmäßigen Begleiter geblieben, da wir uns je in den Pausen der anderen immer wieder überholten. Gegen späten Nachmittag kamen wir dann auf dem nächsten, nicht ganz so schönen Campingplatz Kamp Klin an. Dies lag aber vor allem daran, dass er relativ groß war und auch viele Autocamper beherbergte (was als Zeltnächtigende meist nicht so schön ist).





Tag 5
Am fünften Tag sollte es nun viel mehr durch Wälder gehen. Das war doch direkt ein ganz anderes landschaftliches Erleben, da wir nun mehr in Tälern unterwegs waren, und uns nach und nach von der Soca entfernten. Leider habe ich auf dieser Etappe eine riesige Blase am kleinen Zeh entwickelt, sodass ich zum Ende der Etappe kaum noch auftreten konnte 🙁
An sich war der Tag allerdings trotzdem schön, wenn auch landschaftlich etwas weniger aufregend als die Tage davor, an denen sich gefühlt ein Highlight nach dem nächsten reihte. Ein persönliches Highlight war wohl, dass wir an diesem Tag das allererste Mal Mikropur Tabletten ausprobierten 😀
Wir kamen durch eine kleine Ansammlung von Häusern, in deren Mitte ein kleiner Brunnen war. Hier füllten wir uns Wasser ab, und gaben entsprechend Anleitung die Tabletten dazu: Wie das Schicksal es wollte, wussten wir vorher nicht, dass man dann noch 30 Minuten warten muss, weshalb sich diese 30 Minuten in denen wir schon ziemlich Durst hatten, wie eine halbe Ewigkeit angefühlt hatten. Aber immerhin, endlich mal Wasser desinfizieren ausprobiert 😀
Auf den letzten 2h Weg konnten wir auch immer mal wieder das Ziel vor Augen sehen, da die weiße Kirche bereits von Weitem zu sehen ist. Wir kamen immer mal wieder an den Genussopis vorbei und stellten irgendwann fest, dass wir in derselben Unterkunft absteigen würden (Jelkim Hram – wunderschöne, neue Zimmer und sehr leckeres lokales Abendmenü!).





Tag 6
An Tag 6 mussten wir aufgrund meiner riesigen Blase am kleinen Zeh umplanen. Auch wenn ich sie aufgestochen und versorgt hatte, war sie an einer so blöden Stelle quasi um den gesamten kleinen Zeh, dass jeder Schritt mit einem unangenehmen Ziehen am Fuß einherging.
(Mittlerweile laufe ich auch längere Strecken nicht mehr mit dicken Wanderschuhen und dadurch hat sich da Blasenaufkommen bei mir auch auf 0 reduziert 🙂 )
Die Tour Dreznica nach Tolmin von 21,5 km mit knapp 820 hm im Auf- und 1160 hm im Abstieg konnte ich mit dem Fuß so nicht laufen. Daher entschieden wir uns nach einigem Hin und Her dazu, direkt nach Kobarid abzusteigen, und von dort einen Bus nach Tolmin, unserem Ziel, zu nehmen.
Das klappte auch relativ problemlos, wohlgleich wir einen etwas in Vergessenheit geratenen Wanderweg durch das Unterholz bergab nehmen mussten.
Auch wenn hier wieder ziemliches Urwaldfeeling aufkam, war ich doch froh, als wir nach knapp 1,5/2h endlich unten angekommen sind und mit einem Cappuccino und hochgelegtem Fuß auf den Bus warten konnten.



In Tolmin bezogen wir dann den etwas heruntergekommenen Zeltplatz Kamp Siber, auf dem wieder viele Autos campten und die Wiese eher Erde war. Neben uns campten noch zwei Männer etwa unser Alter (die Fotografen), mit denen wir noch gemeinsam zu Abend gegessen haben, und uns über unsere Trails austauschten.
Sie sind den Juliana Trail gelaufen. Und wieso heißen sie die Fotografen? Weil sie von allen, die sie auf Trails kennenlernen, ein Foto machen :):

(by Fotograf ohne Namen)
Tag 7
Am letzten Tag ging es für uns dann weiter den Fluss Isonzo entlang Richtung Most na Soci. Hierfür brauchten wir nochmal ca. 2h, anschließend wollten wir von hier den Zug nach Jesenice nehmen, um von dort am Tag drauf dann mit dem Zug zurück nach Frankfurt zu fahren. Die zwei Stunden vergingen wie im Flug.
Wir wollten eigentlich beide nicht so richtig, dass der Urlaub schon vorbei ist, aber ruckzuck standen wir am Gleis. Hier trödelten wir etwas herum, sodass wir glatt den ersten Zug, den wir hätten nehmen können, verpasst haben (Zuganzeigen im Ausland verstehen ist eine Kunst für sich) und nochmal 3h auf den nächsten warten mussten. Aber auch die vergingen Dank Bahnhofskiosk mit Bier, Eis und Sonnenschein.
Und so ging unsere erste Zeit auf dem AAT auch vorbei. Zum Glück sollten wir für die Reststrecke nochmal wiederkommen – Teil 2 folgt 🙂


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2 Kommentare zu „Über den Alpe Adria Trail: Planung und Highlights. Teil 1.“