Norge På Langs Routenplanung: 2718 Kilometer zwischen Panik, Wanderkarten und Plan A

Norge På Langs ist ein ziemliches Mammutprojekt, so auch dieser Blogbeitrag 😉 Da es sich hier nicht einfach um einen Trail handelt, den man ablaufen kann, erfordert die Planung irgendwie alle Kompetenzen und jegliches Wissen ab, welches ich mir über die vergangenen Jahre an Wander- und Tourplanungswissen angeeignet habe. Und ich habe trotzdem nicht das Gefühl, alles perfekt und richtig vorbereiten zu können. #goals2026

Oder #fails2026? Aber um jegliche Dramen auf dem Trail darf sich Zukunfts-Elster kümmern. Jetzt geht es erstmal darum, wie man überhaupt einen solchen Trail plant.

Wieso überhaupt planen?

Man könnte ja auch einfach loslaufen und sich dann auf dem Trail überlegen, wo es lang geht. Aber grundsätzlich gilt für mich folgendes Mantra:

Je besser man plant, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Tour funktioniert. Und je wilder die Tour, desto besser muss die Vorbereitung sein.

Je mehr ich plane, desto sicherer fühle ich mich auf dem Trail. Und selbst wenn meine ursprüngliche Planung nicht aufgeht: Wenn ich schon mal einen Plan hatte, ist das Umplanen sehr viel einfacher.

Grundsatzfragen: Wie startet man eine so gigantische Tourplanung?

Nachdem ich mir den Trail ausgesucht habe – Norge På Langs – musste ich mir erstmal ein paar Grundsatzfragen stellen:

Will ich eigentlich alleine laufen? Will ich grundsätzlich im Zelt übernachten? Oder auch auf DNT Hütten ausweichen können (und was ist mein Budget dafür)? Wie viel Zeit habe ich zur Verfügung, sprich wie viele Kilometer muss ich pro Tag schaffen? Zu welcher Jahreszeit will ich unterwegs sein, im Winter oder doch norwegischen „Sommer“?

Und will ich mir sonstige Eckpunkte auferlegen, z.B. möglichst wenige Straßenkilometer, oder festlegen, ausschließlich auf norwegischem Boden unterwegs zu sein? Das würde das Schwierigkeitslevel nochmal anheben.

Alleine oder in Gemeinschaft?

Für mich war einige Zeit auch nicht klar, ob ich alleine nach Norwegen aufbrechen würde, oder mein Mann doch mitkäme. Ich laufe am liebsten mit ihm gemeinsam und wir sind auf dem Trail ein ziemlich eingespieltes Team.

Der Traum einer Fernwanderung war aber immer schon eher meiner. Als mein Antrag auf Freistellung bei der Arbeit durchging, stand dies bei meinem Mann noch nicht fest. Das hat bei mir doch einige Gedankengänge ausgelöst. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich die Fernwanderung trotzdem durchziehen würde. Zu lange habe ich davon geträumt und Pläne geschmiedet.

Um so glücklicher bin ich nun, dass mein liebster Wanderbuddy auch freigestellt wird, und mitkommt <3

Zelt oder Unterkunft?

Für mich stand fest, dass wir hauptsächlich im Zelt unterwegs sein werden. Wir lieben das Zelten, weil es nochmal ein ganz anderes Freiheitsgefühl vermittelt. Nicht nur, weil man durchgängig in der Natur (oder sonstigen Plätzen, auf denen ein Zelt hingestellt werden kann) ist, sondern auch weil man bzgl. Tagesetappe weniger eingeschränkt ist.

Wenn ich es bis zu einer bestimmten Unterkunft schaffen muss (ohne Zelt), steht das Tagesziel fest. Egal ob ich an dem Tag die Kilometerzahl nur mit Ach und Krach schaffe, oder ich bei Ankunft eigentlich noch Energie und Lust auf mehr hätte. Und die Entscheidung für das Zelt ist letztlich auch eine finanzielle: Ca. 140 Tage in Unterkünften zu nächtigen, würde ein großes Loch in unsere Finanzen fressen.

In anderen Blogs habe ich gelesen, dass man zwischen 30-50 EUR pro Tag rechnen sollte, um auf einem Trail wie Norge pa langs finanziell gut versorgt zu sein.

Nichtsdestotrotz bin ich total in love mit den DNT Hütten des Norwegischen Wandervereins (ich meine, wie könnte man auch nicht?). Deswegen wollte ich die Route häufiger an den Hütten entlangplanen.

Dann können wir spontan entscheiden, ob wir dort übernachten wollen oder doch das Zelt vorziehen. Für Ruhetage werden Hotels, Airbnbs und sonstige Unterkünfte geplant.

Die Sache mit der Zeit und den Kilometern

Auf der Arbeit haben wir nun beide genau vier Monate unbezahlten Urlaub, von Juni bis Ende September. Sprich, wir werden NPL über die Sommermonate absolvieren. Wir haben zusätzlich „reguläre“ Urlaubstage für zwei Wochen davor gelegt, und zwei Wochen danach, um etwas Puffer zu haben.

Die momentane Tourplanung sieht vor, dass wir Mitte Mai in Lindesnes am Leuchtturm und somit südlichsten Punkt Norwegens loslaufen, und planmäßig Ende September nach 2718,55 Kilometern am Nordkap ankommen. Somit sind wir 138 Tage unterwegs und haben ein bisschen Puffer nach hinten. Für den Fall, dass wir doch mal weinerlich im Regen trotzig frühzeitig das Zelt aufschlagen, oder einen Tag länger Pause brauchen, um verlorene Pfunde in Form von Waffelkalorien wieder reinzuholen 😉

Gibt es sonstige Vorgaben für die Tour?

Manche geben sich selbst weitere Ziele, die sie mit der Tour abdecken wollen:

  • wenig Straßenkilometer,
  • ausschließlich innerhalb Norwegens unterwegs sein,
  • die Tour innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu schaffen, und und und…

Mein Ziel ist es, eine möglichst schöne Tour zu haben: Ich habe die Wege so geplant, dass ich denke, dass wir sie gut gehen können. Wir werden zwischenzeitlich auch durch Schweden und Finnland laufen, weil es dort entlang (gute) Wege gibt, die wir nutzen wollen.

Und ja, wir wollen möglichst Wanderwege nutzen – wer mag schon Straße? Wenn es aber bedeutet, sehr viel länger zu brauchen (oder sehr schlechtes Wetter ist), weichen wir notfalls auch auf die Straße aus.

Wir möchten zudem nach dem connecting footsteps Prinzip wandern. Das bedeutet, keine Etappe zu überspringen, oder einen Teil einfach mit dem Bus zu fahren. Jeder Meter – auch mögliche Umwege – soll durch unsere eigene Körperkraft zurückgelegt werden. Schauen wir mal ob das klappt 😀

Und das einzige Zeitlimit, dass ich uns setze, ist das Ende unseres Urlaubs. Also nach 146 Tagen müssen wir wieder zuhause sein, weil dann die Arbeit wartet – yay!

Wie habe ich mit der Routenplanung gestartet?

Eine so lange Route zu planen, ist gar nicht so einfach und frisst doch mehr meiner Wochenenden, als ich zugeben will. Ich habe damit angefangen, mir Routen von anderen Läufern anzuschauen und deren Tourberichte zu lesen.

Dabei habe ich mir Stichpunkte gemacht: Gegenden, durch die ich unbedingt laufen will. DNT Hütten, die ich nutzen will. Seen, an denen ich vorbeikommen möchte, um mich vielleicht reinzutrauen. Oder zu sehen, wie mein Mann es versucht.

Zuerst habe ich eine große Übersichtskarte von Norwegen gekauft, um ein Gefühl für die Gesamtstrecke zu bekommen und die Etappenziele markieren zu können:

Anschließend habe ich mir die obligatorischen drei Norwegenkarten gekauft, durch die man einen besseren Überblick erhält. Hier sind auch alle DNT Hütten eingetragen. Ich plane, die drei Karten auf der Tour dabeizuhaben, um unterwegs einen Überblick zu den größeren nächsten Etappen zu haben. Das funktioniert für mich mit richtigen Karten besser, als mit einer App.

Da es für NPL eben keinen fertigen Trail gibt, habe ich mich von Etappe zu Etappe vorgearbeitet. Dafür habe mir ein paar Punkte festgelegt.

Dann habe ich in komoot einfach mit Etappe 1 (Lindesnes nach Evje) gestartet und mir eine Route vorschlagen lassen. Anschließend bin ich diese in der App Kilometer für Kilometer „abgelaufen“, und habe diese bei Bedarf angepasst, umgelegt, umgeplant. Teilweise habe ich geschaut, wie andere gelaufen sind, und habe Wege von anderen Läufern, wenn sie mir logisch und für uns passend erschienen, übernommen.

Neben komoot habe ich auch viel auf die Seite ut.no zurückgegriffen, in der alle DNT Hütten vermerkt sind. Und immer mal habe ich über Se Norge nachgeschaut, wie das Wetter in den jeweiligen Regionen zu einem bestimmten Zeitpunkt war, um ein besseres Gefühl für Schnee und Regen zu bekommen. Das habe ich dann für alle Etappen wiederholt. Ich bin noch nicht 100% zufrieden, denke aber dass ich einen guten Plan A habe.

Die fertigen Etappen habe ich erstmal in komoot gesammelt. Es ist nicht die beste App, aber die mit der ich mich am besten auskenne, sodass wir wahrscheinlich mit komoot laufen werden. Aber das steht noch nicht final fest.

Ich bin, stolz verkünden zu dürfen: Ich liebe Excel.

Wenn ich mit der Etappe an sich zufrieden war, habe ich geschaut, von wo bis wo ich etwa an einem Tag laufen will und diesen Punkt für mich in komoot markiert. Sprich, ich habe jede Etappe (die alle zwischen 100-300 Kilometer lang sind) jeweils in Tagesetappen unterteilt.

Das hilft mir ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange wir für eine Etappe benötigen, aber auch um zu sehen, wo Supermärkte sind, wann wir in DNT Hütten schlafen könnten, und wo potentiell schöne Zeltplätze wären.

Das habe ich dann pro Tag in eine gigantische Exceltabelle übertragen. Das sieht dann etwa so aus:

Ist sicherlich nicht die handlichste Möglichkeit eine Gesamtübersicht zu erstellen, aber es bietet mir einen sehr detaillierten Überblick zu folgenden Punkten:

  • Wann wir ungefähr wo sein werden, inklusive geplantem Datum. Ich fand das unglaublich hilfreich, um bei diesem Mammutprojekt erstmal zu sehen, wie viele Kilometer müssen wir bis wann geschafft haben, um bis spätestens Ende September am Nordkap anzukommen.
  • Wie viele Kilometer jeder Tag, jede Etappe, aber auch die Gesamtstrecke in etwa sein wird.
  • Wie viele Stunden die einzelnen Tagesetappen in etwa sein werden, und wann wir Ruhetage einplanen (müssen). Besonders stolz bin ich darauf eine Formel hinterlegt zu haben, mit der ich die geplante Tagesetappenzeit berechne und wenn ein bestimmter Wert überschritten wird, werden diese Tage automatisch rot angezeigt. Damit bekomme ich eine bessere Einschätzung dazu, welche Tage lang sein werden und wie viele „anstrengende Tage“ ich in einer Etappe jeweils habe.
  • Wo es Supermärkte gibt und welche Öffnungszeiten diese haben. Damit wir nicht aus versehen an einem Sonntag vor geschlossenen Ladentüren stehen 😉
  • Wo DNT Hütten am Weg liegen, und die entsprechenden Weblinks zu ihren genaueren Infos in ut.no
  • Wo wir Versorgungspakete hinschicken werden (s.u.)
  • Darüber hinaus kann ich die Liste einfach mit Vertrauten teilen, sodass sie nachvollziehen können, wann wir in etwa wo sein werden.

Uns ist natürlich bewusst, dass wir die Route nicht 1 zu 1 so laufen werden – das zeigt die Erfahrung aus anderen Blogs. Aber die Planung bietet mir eine gute Übersicht und mögliche Strecke mit vielen Infos und Links, die uns auf der Tour hoffentlich helfen.

Mit ein paar Dingen bin ich noch nicht zufrieden

Auch wenn wir nicht planen, explizit durch die Hardangervidda zu laufen, habe ich in einigen Blogs gelesen, dass sich explizit mit Sommerbrücken beschäftigt wurde. Das Thema habe ich momentan noch ziemlich ausgeblendet, und muss ich mich mal in Ruhe durchfuchsen.

Auch das Thema „sumpfige Gebiete“ kann ich gerade noch nicht gut einschätzen. Martin hat in 2013 wegen einem verregneten Jahr sein NPL Abenteuer knietief in Sumpf stehend abgebrochen. Aber hier finde ich einfach wenig Material, das ich verstehe bzw. einzuordnen wüsste. Auch ein Thema auf der meterlangen To Do Liste.

Und ich weiß auch noch nicht, welche Wetter App ich unterwegs nutzen will. Einfach die vom Handy scheint mir nicht schlau genug für dieses Unterfangen.

Die Navigation unterwegs

Wenn die Etappen final sind, werden wir die Tracks auf unser Garmin Inreach Mini laden, damit navigiere ich ganz gerne. Das ist unterm Laufen etwas leichter, als aufs Handy zu schauen. Auch wenn die generelle Trailplanung und Navigation immer auch mit komoot abgesichert und dort im Detail hinterlegt ist.

Für sehr abgeschiedene Gegenden, in denen wir (teilweise) durch wegloses Gelände laufen, habe ich entsprechende Wanderkarten gekauft. Damit finde ich die Navigation im weglosen Gelände besser.

Wir haben auch noch das Garmin InReach Abo abgeschlossen, damit wir die vollen Funktionen dieses kleinen Notfallsenders nutzen können. Das ist leider nach den letzten Updates bei Garmin etwas teurer geworden, aber bei der Sicherheit wollen wir nicht sparen.

Dann kann’s ja jetzt auf den Trail gehen, oder?

Nicht ganz. Momentan bin ich mit der Planung zu den Versorgungspaketen beschäftigt. Da wir am liebsten in Trailrunningschuhen laufen, müssen wir einplanen, diese alle 500-1000 Kilometer auszutauschen. Damit wir uns unterwegs nicht irgendein Modell nachkaufen, welches wir ggf. gar nicht kennen, schicken wir unsere Lieblingsschuhe in Paketen an bestimmte Orte vor.

Dafür haben wir die Ruhetage ausgewählt und werden die Pakete Mitte Mai von Kristiansand aus an die entsprechenden Punkte vorschicken. Ein paar Unterkünfte an der Strecke haben wir bereits angeschrieben, und positive Rückmeldung erhalten, was mich sehr freut 🙂

Laut anderen Läufern braucht man nicht unbedingt Versorgungspakete mit Lebensmitteln, da man gut und überall Lebensmittel für die nächste Etappe nachkaufen kann. Mit Ausnahme von Umbukta kommen wir alle paar Tage an Supermärkten vorbei.

Da wir aber so oder so schon die Schuhe schicken und daher mindestens drei Pakete verschicken, legen wir noch Lebensmittel mit rein. Im hohen Norden kommt ggf. auch wärmere Kleidung / Ausrüstung ins Paket. Was genau reinkommt, steht noch nicht fest.

Wie kommt man dann auf den Trail… und vor allem wieder zurück?

Wir haben das Glück, dass uns eine Freundin zum Startpunkt fährt. Aus dem Rheinmaingebiet brauchen wir schon eine bisschen länger nach Lindesnes, als wenn wir einfach den Flieger nehmen würden: Wir machen uns hier am Tag 1 auf den Weg, planen eine Übernachtung hinter Hamburg ein, gehen an Tag 2 abends auf’s Schiff und übernachten dann in Kristiansand (schon gebucht, es wird ernst!).

1778756400

  Tage

  Stunden  Minuten  Sekunden

bis

Start NPL

Am nächsten Morgen geht’s früh auf den Trail am südlichsten Punkt Norwegens, dem Lindesnes Leuchturm. Ja, und dann geht’s zu Fuß weiter.

Mich fragen erstaunlich viele Leute, wie wir dann vom Nordkap zurückkommen – als ob das eine Endstation ohne Rückweg wäre 😀 Oder man möchte wissen, ob wir überhaupt zurückkommen? 😀

Mein kleiner running gag: Wir laufen zurück. Spaß, leider nicht.

Wenn wir genug Puffertage habe, würden wir gerne mit dem Schiff nach Narvik oder Trondheim fahren. Von dort geht es dann jeweils mit dem Zug über Oslo oder Stockholm zurück nach Deutschland. Genauer geplant ist das aber noch nicht. Dafür müssen wir erstmal in die Nähe des Nordkaps kommen 🙂 Also fingers crossed.

Das wär es erstmal zur Routen- und Tourplanung. Du willst mehr zur Planung von Norge På Langs lesen? Du findest einige Artikel hier in meinem Blog. Und stay tuned für die nächsten Beiträge 🙂

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Veröffentlicht von DieWanderElster

Hej, ich bin die WanderElster, Bloggerin aus der Taunusgegend. auf diesem Blog schreibe ich über draußenverbrachte Zeit, wandernd, weiterwandernd, mit Rucksack, ohne Rucksack und ich freu mich, dass ihr dabei seid!

Ein Kommentar zu “Norge På Langs Routenplanung: 2718 Kilometer zwischen Panik, Wanderkarten und Plan A

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